Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 5 (23.5.1927)
- Article
- 60. Geburtstag Dr. Weinberg
- Date
- 1927-05-23
- Page
- Seite 159 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 5 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 159 Rus dem Verbände 60. Geburtstag Dr. Weinberg Am 13. Mai dieses Jahres feierte Herr Distriktsrabbiner Dr. Magnus Weinberg seinen 60. Geburtstag. Dr. Weinberg, der durch sein liebenswürdiges Wesen und seine segensreiche Wirksamkeit sich allgemeiner Zuneigung erfreut, ist ein Schüler des Berliner Rabbinerseminars. Er wurde vor 33 Jahren als Rabbiner nach Sulzbürg i. d. O. berufen; vor 16 Jahren verlegte er seinen Amtssitz nach Neumarkt i. d. O. Dr. Weinberg ist neben seiner Amtstätigkeit besonders auch durch seine schriftstellerischen Arbeiten bekannt geworden. Besonders auf historischem Gebiete hat er wertvolle Veröffentlichungen gebracht, von denen nur die „Geschichte der Juden in der Oberpfalz" und der Aufsatz über die „Sulzbacher Druckereien" erwähnt seien. Auch in der „Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" sind einige vielbeachtete Aufsätze von Dr. Weinberg erschienen. Wir sind stolz darauf, Dr. Weinberg zu unseren Mitarbeitern zu zählen und beglückwünschen ihn auch von dieser Stelle aus auf das herzlichste. Oberlauringen. Hauptlehrer Simon G o l d st e i n s. A. Oberlauringen. Am 24. April 1927 ist Herr Hauptlehrer Goldstein im Alter von 64 Jahren im israelitischen Krankenhaus in Würzburg gestorben. Die Trauerkunde von seinem Heimgange erfüllte nicht nur die israelitische Kultusgemeinde sondern die Gesamtbevölkerung ohne Unterschied der Konfession mit tiefster Bestürzung. Von seiner Beliebtheit legte dessen Leichenbegängnis beredtes Zeugnis ab. Sein Heimgang bedeutet einen schweren Verlust für dessen Familie, einen großen Kreis von Freunden und Verwandten sowie für die Kultusgemeinde selbst. Das Leichenbegängnis des Verlebten gestaltete sich denn auch zu einer in Oberlauringens Mauern noch nie gesehenen Trauerkundgebung. An der Bahre, die in der Synagoge aufgestellt war, sprachen die Herren Dr. Stein, Distriktsrabbiner (Schweinfurt); Leher Blumenthal (Hofheim); Leherer Neustädter (Bad Kissingen) und Oberlehrer Lambrecht (Oberlauringen. Der Lehrerverein Stadtlauringen und Umgegend, dessen Mitglied der Verlebte über 40 Jahre war, brachte als Scheidegruß ein Lied. Aus den Ansprachen kamen die hohe Wertschätzung und Beliebtheit des Verletzten sowie die Gefühle des Dankes zum Ausdruck. Ehre seinem Andenken! Würzburg. An der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg fand am 6. April unter Leitung des Kuratoriumsmitgliedes, Herrn Bezirksrabbiner Dr. Bamberger (Kissingen) und in Anwesenheit des Vorsitzenden des Kuratoriums, Herrn Rabbiner Dr. Hannover, die Jahresprüfung aus den Fächern des Religionsunterrichts statt. Auf Einladung des Seminars hatte der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden Herrn Ferdinand Hesse, Mitglied der Tagung, der Oberrat der Israeliten in Württemberg sein theologisches Mitglied, Herrn Rabbiner Dr. Rieger (Stuttgart), als Vertreter zu der Prüfung entsandt. Sowohl der Leiter der Prüfung als auch die beiden Verbandsdelegierten sprachen ihre Anerkennung über die Leistungen und den Lehr- und Lerneifer aus. Besonders fand Herr Rabbiner Dr. Rieger Worte hohen Lobes über den Stand der religtons-wissenschaftlichen Ausbildung der jungen Lehramtskandidaten. Die Prüfung umfaßte sprachliche und stoffliche Exegese der Bibel, Proben aus den behandelten Gebieten der Mischna und Gemora, Ausschnitte aus der Religions- und Kulturgeschichte des Judentums. Es wäre zu begrüßen, wenn die Teilnahme an der inneren Arbeit der Lehrerbildungsanstalten in Würzburg und Höchberg, die fast ganz Deutschland mit Lehrern, Kantoren und Kultusbeamten versorgen, den Erfolg hätte, daß die finanziellen Lasten der Schulen von den Landesverbänden übernommen würden. Lichtenfels. Bei dem feierlichen Empfang des Erzbischofs, Exzellenz Dr. v. Hauck, wurde der Erzbischof von Vertretern aller Konfessionen begrüßt. In einer längeren Unterredung, die der Erzbischof mit dem Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde, 'Karl Kraus, hatte, betonte er, daß ihn diese Begrüßung freue und daß es ja eine der Hauptaufgaben des Christentums fein müsse, den Frieden zwischen den Konfessionen aufrechtzuerhalten. Ansbach. Eine neue Friedhofsschändung.) Auf unserem Friedhofe wurden in der Nacht vom 21. auf 22. April von rohen Bubenhänden 7 Grabsteine umgeworfen und teilweise beschädigt. Von den Tätern fehlt vorerst jede Spur. Hoffentlich gelingt es der Polizei, die Täter so zu fassen, daß sie ihrer verdienten Strafe entgegengeführt werden können. Von der israelitischen Kultusgemeinde wurde für Ergreifung der Täter eine hohe Belohnung ausgesetzt. Rockenhausen (Pfalz). Die israelitische Volksschule dahier veranstaltete gelegentlich des diesjährigen Schuljahrschlusses am 7. April eine wohlgelungene Schlußfeier. Die Leistungen der kleinen Schülerzahl fanden bei den vollzählig erschienenen Eltern und Gästen höchste Anerkennung. Erfreulich war die Anwesenheit der Spitzen der Bezirksschulbehörde, der Herren Oberregierungsrat Fuchs und Bezirksschulrat Haaß und der Vertreter der politischen und jüdischen Gemeinde, des Herrn Bürgermeisters und Synagogenratsvorstandes. Den Mittelpunkt der Feier bildete eine Märchenszene aus „Schneewittchen", bei welcher sich die empfängliche Jugend ganz in ihrem Element fand. Gegen Schluß der Feier hielt der Schulleiter, Herr Hauptlehrer Julius Lamm, eine kernige Ansprache, in welcher er unter anderem des Wohltäters der Menschheit, des wahren Jugendfreundes Heinrich Pestalozzi, gedachte. Seine Ansprache klang aus mit den Worten: Werdet tüchtige und brauchbare Glieder der menschlichen Gesellschaft; bleibet vor allen Dingen, auch trotz häufiger Anfeindungen echte, aufrichtige deutsche Juden, erfüllt mit Liebe zu euren Nebenmenschen, ausgezeichnet durch treue Anhänglichkeit an das große deutsche Vaterland und trotzdem treu eurem alten angestammten Glauben! — Israelitische Waisenanstalt Dem von dem Direktor der Anstalt, Herrn Dr. Deutsch, an die Aufsichtsstelle erstatteten Erzieher- und Wirtschaftsbericht für das Jahr 1926—27 entnehmen wir die folgenden Einzelheiten: „Wenn ich ein Kind eines Mitbürgers sehe, das eine große Seele verspricht und kein Brot hat, so führe ich es an meiner Hand und bilde es zum Bürger." In diesen Worten des großen Erziehers der Menschheit, Pestalozzi, dessen 100. Todestag in diesem Jahre allüberall gefeiert wurde, ist im wesentlichen der soziale Gedanke ausgedrückt, wovon die Arbeiten der Erziehungsanstalten im allgemeinen und die eines Waisenhauses im besonderen geleitet sein müssen. Die Kinder, die er aus den Häusern und von der Straße sich holte, um sie durch Arbeit und Lehre zu beschäftigen, versprachen nicht immer eine große Seele, aber er suchte sie seelisch an sich zu ziehen, indem er das Gute und Rechte in ihnen entwickelte. Und hierin prägt sich die Wirkungsmöglichkeit der Institute aus, die mit der Aufgabe der Kinderpflege und -Erziehung befaßt sind: sie heranzubilden und das Gute zum Mittelpunkte ihres Wissens und Könnens zu machen, neben der Bildung des Herzens auch die Hinleitung zur Religion zu pflegen und solcherart Geist und Leben zur Einheit zu führen und die Harmonie der Seelen zu gewinnen. Seidenhaus J.Haimann A.-G., München Gründungsjahr 1845 Maximiliansplatz 12 Gründungsjahr 1845 SPEZIALHAUS GROSSEN STILS FÜR SAMT UND SEIDE Geschäftsstellen: KREFELD — ZÜRICH — MAILAND - LYON — PARIS