Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1927
- Issue
- 5 (23.5.1927)
- Article
- Konferenz für die fortbildungspflichtigen Junglehrer
- Date
- 1927-05-23
- Page
- Seite 12 (sequence 2)
- Language
- German
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12 Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern Nr. 5 Volksschulen verwertet werden zu können. Die Anwendung der direkten Sprechmethode im Hebräischen kann sich aus der Unterstufe nur auf die Benennung einer Reihe konkreter, im Anschauungs- und Erfahrungskreis der Kinder liegender Dinge beschränken; eine konsequente Durchführung der Jwris-beiwris-Methode, die im Kulturmilieu des jüdischen Ostens sicherlich ihre Berechtigung hat, muß in der von den Einflüssen des westlichen Kulturkreises eingesponnenen und überwucherten jüdischen Schule Deutschlands scheitern an dem Mißverhältnis in der Wirksamkeit der beiden Kulturkreise. Die konsequente Durchführung der direkten Sprachmethode auf der Unterstufe würde aber auch das Endziel des hebräischen Unterrichtes, nämlich Erschließung des Verständnisses von Bibel und Gebetbuch nur in geringem Maße fördern können, weil nämlich der Sprachschatz des Pentateuch und des Gebetbuches überwiegend aus abstrakten Begriffen und Redewendungen besteht, der Interessen- und Erfahrungskreis der Unterstufe sich aber nur auf die konkreten Dinge der Umwelt erstreckt. Diese, in der Natur des Kindes gegebenen Bindungen, anderseits die praktische Notwendigkeit aus der Mittel- und Oberstufe den etwas abstrakteren Sprachschatz von Bibel und Gebetbuch erobern zu müssen, gestattet uns nicht, in unserer grundlegenden Sprachmethode die im sonstigen fremdsprachlichen Unterricht reiferer Stufen versuchte Ausschaltung der deutschen Muttersprache nachzumachen. Die beim Denken in der Fremdsprache störende assoziative Mitwirkung der Muttersprache ist für die Altersreife der Unterstufe der Volksschule geradezu unentbehrlich und für die Mittelstufe die einzige Möglichkeit, zu den abstrakten Wortbegriffen vorzudringen. Nach Erörterung dieser theoretischen Grundlagen wandte sich die Besprechung der praktischen Gestaltung der Fibel zu. Von den Forderungen des neuen bayerischen Lehrplanes ausgehend, wurde unter Heranziehung der Erfahrungen der Münchener Versuchsschule (Brücklsche Fibel) gezeigt, wie der Einbau des Schreib- Lefeunterrichtes in den Gesamtunterricht der ersten Stufe auch für das Hebräische nicht nur möglich, sondern noch leichter als im deutschen Unterricht durchführbar ist und daß diese Arbeitsmethode sich als die einfachste, sicherste und psychologisch begründete Methode zur Erlernung des Hebräischen auf der Unterstufe erweist. An praktischen Beispielen, die den gesamten systematischen Ausbau einer Fibel nach der Schreib-Lesemethode entwickelten, wurde gezeigt, wie aus 3 Elementen (dem Vierecksrahmen des Türbalkens, des Reifes und des Kügelchens) sich die hebräische Quadratschrift leicht entwickeln läßt. Ihre bildhafte Form reizt die Kinder geradezu zum Nachmalen. Es ist höchste Zeit, daß der hebräische Unterricht sich in der Nutzbarmachung des durch die Schreibbewegung geklärten und befestigten Wortschriftbildes die assoziativen Hilfen und Grundlagen des modernen Arbeitsunterrichtes für Einprägung und Erlernung der hebräischen Wortformen dienstbar macht. Daß der Inhalt dieser selbstentworfenen (vorläufig noch ungedruckten) Normalwörterfibel aus dem Nächstliegenden sinnlichen und religiösen Anschauungskreis der Schulneulinge zu entnehmen ist, ist eine Selbstverständlichkeit, ebenso daß die assoziaüve Verbindung zwischen Wortbedeutung und den sprachlichen Wortbildkomponenten durch Malen der betreffenden Dinge in kindertümlichen, leicht nachahmbaren Zeichenschema mit dem Schreib-Leseunterricht im Hebräischen Hand in Hand gehen muß^. Die Teilnehmer waren von der Einfachheit, Zweckmäßigkeit und Naturgemäßheit und leichten Durchführbarkeit dieser Methode so überzeugt, daß spontan alle die Absicht äußerten, diese Methode in ihren Schulen mit dem neuen Schuljahre durchzuführen und daß sie weiterhin den Wunsch äußerten, es möchten in einer zweiten Konferenz eine Reihe praktischer Versuche in der Übungsschule des Seminars in einem möglichst nahen Termin ihnen vorgeführt werden. Nach weiteren Anregungen für das Selbststudium der fortbildungspflichtigen Junglehrer schloß die erste freiwillige Fortbildungskonferenz nach zweistündiger Dauer. Darbietung und Erfolg haben bei den Teilnehmern die Überzeugung ausgelöst, daß der Gedanke dieser Konferenzen ein glücklicher, ihre Durchführung im Interesse der Fortbildung und Anregung der jungen Kollegen eine Notwendigkeit ist und für die jüdische Schule ein Segen werden kann. Bekanntgabe des Termins der nächsten, auf oben angeführten Wunsch schon für Juni in Aussicht genommenen Konferenz, erfolgt anfangs Juni. Stoll. 1 Der Schriftleiter unterrichtet schon seit längerer Zeit auf dieser Grundlage. Personalien Am letzten Tage des Pesachfestes starb im Würzburger Krankenhaus, wo er drei Wochen gelegen hatte, Hauptlehrer a. D. S. Goldstein von Oberlauringen, früher Leiter der dortigen israelitischen Volksschule. Bei der Beerdigung, die in Oberlauringen stattfand, würdigte Bezirksrabbiner Dr. Stein (Schweinfurt) das langjährige, verdienstvolle Wirken des Heimgegangenen; für den Lehrerverein sprach Blumenthal (Hofheim), als Nachbarkollege und zugleich im Namen der Kultusgemeinde Poppenlauer, wo der Verlebte früher gewirkt hatte, Neustätter (Bad Kissingen). Wir verlieren in dem Verstorbenen, der seit 1883 dem Vereine angehörte, ein treues Mitglied, dessen Andenken allezeit von uns in Ehren gehalten wird. In Heidingsfeld starb Lehrer a. D. Gutmann, der seit 1880 zu unseren Vereinsmitgliedern zählte. Auch ihm wird in unseren Reihen ein ehrendes Andenken bewahrt bleiben. Nach schwerer Krankheit verschied die Frau des Kollegen A. Mannheimer in Dettelbach. Eine echte, wackere Lehrersfrau ist mit ihr dahingegangen. Ihr Andenken sei zum Segen! 25jähriges OrksjubUäum Prichfensiadt. Dieser Tage konnte der in seiner Gemeinde, bei Kollegen und Vorgesetzten sehr beliebte und geachtete Lehrer Solomon B i e r s ch i l d auf eine 25jährige Tätigkeit zurückblicken. Dem Wunsche des Jubilars Rechnung tragend, sah die Gemeinde von einer größeren Feier ab und beging den Ehrentag ihres Lehrers und Führers in schlichter Weise. Kultusvorstand A. Hahn brachte in der Synagoge nach dem Morgengottesdienste dem Jular die Anerkennung der Gemeinde zum Ausdruck, worauf Lehrer Vierschild herzlich dankte. Auch von der Vorgesetzten Stelle wurden dem Gefeierten warme ehrende Worte zuteil. Sein ersprießliches Wirken wurde ganz besonders anerkannt. Als Zeichen der Dankbarkeit und Anhänglichkeit ließ die Kultusgemeinde ein ebenso hübsches wie praktisches Geschenk überreichen. Der jüdische Kantor Unter diesem Titel erscheint seit kurzem eine Zweimonatsschrift, herausgegeben vom -Allgemeinen Deutschen Kantorenverband, die sich die soziale Hebung und die berufliche Fortbildung des Kantorenstandes zur Aufgabe macht. Besonders willkommen, namentlich für jüngere Kollegen, dürsten die beigegebenen „Liturgischen Übungen" von Nußbaum (Wiesbaden) und die Musikbeilage sein. Es wäre zu wünschen, daß die neue Zeitschrift auch in nichtfachmännischen Kreisen Beachtung findet. Einzahlungen im März-April 1927 Von: Edelstein, Sugenheim 15.—; Rosenberger, Hammelburg 20.—; Schloß, Aschaffenburg 15.—; Weichselbaum, Adelsberg 10.—; Lion, Grünstadt 15.—; Lamm, Rockenhausen 15.—; Schottland, Frankenthal 30.—; Sonn, Großlangheim 15.—; Köstrich Uehlfeld 15.—; Wormser, Nürnberg 15.50; Lübeck, Fürth 7.50; Fuchs, Cronheim 30.—; Hammelburger, Haßfurt 20.—; Kisiinger I., Frankenwinheim 15.—; Kissinger M., Frankenwinheim 7.50; Berlinger, Schlüchtern 10.—; Keßler, München 15.—; Lachmann, München 15.—; Rosenfeld, München 15.—; Senger, Würzburg 12.50; Schmid, Ansbach 15.—; Steinhäuser, Höchberg 15.— Weil, Hof 15.—; Stein, Regensburg 15.—; Hirsch, Koburg (Beitrag und Spende) 70.—. Durch: Frl. Hellmann, Bad Tölz 20.—; Mannheimer, Dettelbach 8.—; Dingfelder, München, von E. Kirschner, München, anläßlich seines 70. Geburtstages 500.—;Frau Justizrat Ofner 10.—; Emil Cahn 10.—; B. Lustig 20.—; anläßlich Purim: Nußbaum, Dahn 10.—; Lion, Grünstadt 10.—; Gutmann, Ottensoos 10.—; Reiter, Gerolzhofen 10.—; Dr. Bamberger, Nürnberg 100.—. Würzburg, 26. April 1927. M. Hellmann. Berichtigung Infolge einer technischen Umstellung hat sich in der letzten Nummer bedauerlicherweise ein sinnstörender Druckfehler eingeschlichen. In dem Berichte „Beamtenfragen auf der Verbandstagung" mußte es unter 4. nicht „widerruflich, sondern „unwiderruflich" heißen. Eine wahre babylonische Verwirrung hat der Druckfehlerkobold in den beiden hebräischen Zitaten Ungerichtet. Es darf indes angenommen werden, daß die sachkundigen Leser den Spuk gemerkt und entsprechende Richtigstellung vorgenommen haben.