Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern · 1927-05-23 · 5 (23.5.1927) · p. Seite 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1927
Issue
5 (23.5.1927)
Article
Welche Forderungen stellen wir an den jüdischen Geschichtsunterricht und seine Lehrmittel?
Date
1927-05-23
Page
Seite 11 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9539926-9937075-9937139-2731271--232-2731375
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

ßllitkeilimW des Iftaelitifrtjen Lehrervemns für Wem S chriftleiturrg: M. Rosenfeld, München 1927 München, 23. Mai Nr. 5 MelcheSorderungenstellenwirandenjüdischen Seschichlsurtterrichl und seine Lehrmittel? Referat von Dr. Hammelburger (Würzburg), erstattet auf der 45. Mitgliederversammlung in Würzburg. (Fortsetzung) Doch alle diese Schwierigkeiten dürfen uns nicht zurückschrecken. Auch die allgemeine Geschichte, die Geschichte der Antike und die deutsche, welche unseren Mittelschülern in den den letzten Volksschulklassen und der Fortbildungsschule entsprechenden Klassen als Pensum zugewiesen ist, zeigt im Prinzip, wenn vielleicht auch nicht in demselben Ausmaß, ähnlich komplizierte Verhältnisse. Der ganze geschichtliche Stoff wird deshalb dort, d. h. an den neunklassigen Anstalten, in zwei Lehrgängen erledigt. Dabei ist es Aufgabe der Unterstufe, sich vornehmlich an Taten und Persönlichkeiten zu halten und den Hauptinhalt in anschaulichen und wohlabgerundeten Bildern um führende Persönlichkeiten zu gruppieren. Der Oberstufe bleibt es Vorbehalten, die vaterländische Geschichte im Rahmen der Allgemeingeschichty zu behandeln und dabei auch das Augenmerk auf die inneren Verhältnisse: Verfassung, Wirtschaft, Gesellschaft und geistige Kultur zu richten. Selbstverständlich dürfen auch mit der Unterstufe diese Dinge nicht außer acht gelassen werden. Auch hier ist in einer der Fassungskraft des Alters entsprechenden Weise das Auge des Schülers für die inneren Vorgänge propädeutisch zu schärfen. —{ Dieser Weg ist auch für uns der gegebene. Ich kann mich hier in Anbetracht der bei uns so ungleichartig gelagerten schulischen Verhältnisse nicht auf Einzelheiten einlassen. Aber ich glaube, daß in der letzten Volksschulklasse und den sich anschließenden Fortbildungsschuljahren sich wenigstens etwas erreichen läßt. Außerdem bietet sich gerade in der Pflege dieses Wissensgebietes vielleicht manchem Kollegen ein Arbeitsfeld und ein Mittel, die schulentwachsene Jugend, auch die Töchter Israels, in kleinen Arbeitsgemeinschaften zu sammeln und sie durch geschichtliche Belehrung für jüdische Dinge überhaupt nur zu interessieren. — Meine, Vorsicht im Ausdruck sagt Ihnen wohl schon zur Genüge, daß ich aus persönlicher Erfahrung weiß, wie kläglich oft solche Unternehmungen an der Gleichgültigkeit des Publikums in unseren Gemeinden scheitern, leider auch, ja heute insbesondere in denjenigen, die man noch vor l1/2 Jahrzehnten als die „Brutstätten der Orthodoxie" bezeichnete. Trotzdem müssen wir immer wieder Versuche nach dieser Richtung hin aufnehmen. — Die bereits aufgestellte Forderung nach einer Aufdeckung des inneren Zusammenhangs und der bewegenden Motive schon von der Unterstufe an läßt es angebracht erscheinen, hier in Kürze etwas über jüdische Geschichtsauffassung im allgemeinen zu sagen und dabei das bereits eben erwähnte Werk Dubnows in den Vordergrund unserer Betrachtung zu rücken. Um es gleich oorwegzunehmen: Was Dubnow letzten Endes will — eine Verweltlichung der jüdischen Geschichte — muß unsere schärfste Ablehnung erfahren. Seine Kritiklosigkeit gegenüber der modernen Bibelkritik, sein Bestreben, die jüdische Geschichte — wie e>r sich ausdrückt — aus den Fesseln der Theologie und Scholastik zu befreien, oder, wie Dr. Ernst Simon in einer Replik über dieses Werk so treffend sagt, — „das jüdische Volk auch geistig zu normalisieren und es so um seine eigentliche Prägung, um sein eigentliches Lebensrecht zu bringen" — all das wirkt außerordentlich befremdend. Und doch — bei alledem scheint dieses Buch eine Wendung in der jüdischen Historiographie zu bedeuten und zeigt uns oft eine überraschend neuartige Betrachtung jüdisch-geschichtlicher Vorgänge, Me, von nachhaltigem Einfluß auch auf die Ausgestaltung des jüdischen Geschichtsunterrichtes sein kann. Vor allem wendet er sich gegen die rein spiritualistische Auffassung der jüdischen Geschichte, d. h. gegen die bis in die. neueste Zeit vertretene Meinung, daß die jüdische Gemeinschaft als eine Nation ohne Staat ihre Selbständigkeit nur auf dem Gebiete geistigen Schaffens habe bewahren können, aber niemals Subjekt der Geschichte gewesen sei, sondern Objekt der Geschichte derjenigen Völker, bei denen sie jeweils Gastrecht genoß. (Fortsetzung folgt) ver Lehrer als Mitglied der Kultus Verwaltung Von S. Vrückheimer (Marktbreit) Der auf Grund meines Referats in der letzten Mitgliederversammlung unseres Vereines gestellte Antrag, in dem Musterstatut des Verbandes zu bestimmen, daß dem Lehrer in rabbinerlosen Gemeinden Sitz und Stimme in der Verwaltung eingeräumt werden solle, hatte bis jetzt nicht den gewünschten Erfolg; in dem vorliegenden Entwurf wurde dem Lehrer nur eine beratende Teilnahme zugestanden. Es geschah vor allem deshalb, weil man ihn vor einem Hineinziehen in gemeindliche Streitigkeiten bewahren und davor schützen wollte, bei Abstimmungen in finanziellen Angelegenheiten dem unterlegenen Teil als Blitzableiter zu dienen. Diese wohlgemeinten Einwendungen teile ich nicht. Streit und Zank gab es früher hauptsächlich bei Gehaltsaufbesserungen, Gebührenfestsetzung, „Erech" und bei Verträgen mit Beamten. Durch die Anordnungen des Verbandes (Besoldungsordnung, Schächtgebührenfestsetzung und Beamtenordnung) sind diese Kampfobjekte weggefallen und ist in der Regel nur noch eine einfache Eintragung ins Protokollbuch erforderlich. Auch die wenigen Gemeinden, die noch „Erech machen", werden wohl bald die Umlagen auf Grundlage der Staatssteuern erheben. Wenn nun der Lehrer bei kleineren Ausgaben in der Verwaltung mit abstimmt, wird er sich kaum Unfrieden zuziehen. Wollte man dies befürchten, dann müßte ihm auch das Stimmrecht in der Gemeindeversammlung entzogen werden, da doch diese erst endgültig in Finanzfragen beschließt. Hält man noch hinzu, daß in Württemberg und Thüringen der Lehrer ohne Reibung in der Gemeindeverwaltung als vollberechtigtes Mitglied mitarbeitet, dann könnte es nach außen hin fast scheinen, als ob die Rauflust in der bayerisch-jüdischen Gemeindestube als „Reservatrecht" besonderer Berücksichtigung bedürfe. Weil uns jedoch nicht Herrschsucht treibt, wir vielmehr als freie Männer der Gemeinde dienen wollen, so bliebe es ja dem einzelnen Lehrer unbenommen, in allen Angelegenheiten, die nicht seine engere Arbeit betreffen, auf das Stimmrecht zu verzichten. In Fragen des Kultus und Unterrichts jedoch — das wird nicht bestritten werden wollen — müssen dem Lehrer die gleichen Rechte mieden anderen Verwaltungsmitgliedern gewährt werden. Ich modifiziere demnach meinen früher gestellten Antrag dahin: „Der Lehrer ist unter Bekanntgabe der Tagesordnung zu den Sitzungen der Verwaltung ortsüblich einzuladen. Er nimmt an den Besprechungen mit beratender, an Fragen des Unterrichts und Kultus mit beschließender Stimme teil." Da die Tagung des Rats bereits für Mai angesetzt ist, werden die Kollegen zu umgehender Meinungsäußerung aufgefordert und ersucht, etwaige Abänderungsanträge der Vereinsleitung vorzulegen. Es wird sich, wie ich hoffe, dabei ergeben, daß der neue Antrag den Wünschen der Gesamtlehrerschaft entspricht. Der Gedankenaustausch möge evtl, in der nächsten Nummer der „Mitteilungen" zur Veröffentlichung kommen. Konferenz für die forlbildungspflichtigen Junglehrer Würzburg, den 4. April 1927. Entsprechend der Ankündigung in Nr. 3 unserer „Mitteilungen" fand am 3. April die erste Fortbildungskonferenz zur Einführung in die Probleme der Methodik des jüdischen Religionsunterrichtes unter Leitung des Unterzeichneten im Seminar statt. Fünf Kandidaten aus Mittel¬ und Unterfranken hatten sich zu derselben eingefunden. Das Programm dieser ersten Fortbildungskonferenz lautete: Der Schreib- Lese-Unterricht im Hebräischen auf der Fibelstufe nach den Forderungen der modernen Arbeitsschule. Von den psychologischen Grundlagen des Unterrichtes im Hebräischen als einer Fremdsprache ausgehend, wurde nachgewiesen, inwieweit die für den modernen fremdsprachlichen Unterricht heute anerkannten Prinzipien 1. infolge der mangelnden Reife der Unterstufe unserer Volksschule, 2. infolge der Eigenart im sprachlichen Formenbau des Hebräischen gegenüber der indogermanischen Muttersprache eine Modifikation erfahren müssen, um in der Unterstufe unserer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.