Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 4 (15.4.1927)
- Article
- Jüdischer Jugendverein München
- Date
- 1927-04-15
- Page
- Seite 118 (sequence 2)
- Language
- German
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118 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 4 N u ß b a u m die erhebendsten Szenen des Estherbuches in be? kannt aus- und eindruckvollster Weise rezitierte. S ch a l i t sche Musik, vom Komponisten am Flügel selbst vorgetragen, umrahmte seinen Vortrag in meisterlich abgestimmten Tönen, Mit den „Bildern aus dem Marionettentheater" eroberte sich der Komponist die Gunst seines Publikums. Die kleinen Kompositionen zeigen eine Klangfarbe, die uns nach seiner zum Teil etwas oratorienhaften Musik zum Estherbuche überrraschte. Ende und zugleich Kernstück des Abends bildete die, Aufführung der komischen Oper von Albert Grisar „Gute Nacht Herr Pantalon." Für die Darstellerin der Lucretia mußte in letzter Stunde Fräulein F. Camnitzer einspringen. Die wenigen Gesangspartien der Rolle konnte sie allerdings nur mimen; das aber vortreffliche Spiel ließ nicht viel davon merken, daß Frau Dr. L o e b die Partien sang. Im übrigen waren die Rollen von den Damen und Herren ausgezeichnet besetzt. Insbesondere Herrn Hesses prächtige Tenorstimme erregte wiederholt den Beifall der aufmerksamen Zuhörer. Alles in allem, eine gelungene Aufführung, für die Herrn Dr. W a l d n e r ganz besonderer Dank gebührt, und eine in jeder Beziehung erfreuliche Purimseier. Die Jüdische Jugend-Verein München möge aus dieser Bahn bleiben. Dr. E. W. Jüdischer Jugend-Verein, München. Mitteilungen der „Spielgruppe des I. J.-B. M.": Als fünfte Aufführung der Spielgruppe geht am Mittwoch, dem 2 7. April, abends 8.15 Uhr, im Steinicke-Saal Schnitzlers Schauspiel „Liebelei" in Szene. Damit wäre eigentlich alles Wissenswerte dem Leser gesagt: denn Interna interessieren nicht die breite Öffentlichkeit, oder — man sieht doch gerne hinter die Kulissen und auch die Spielgruppe hat ihre Kulissen. Gern zwar würde sie ihr offenes Geheimnis zwischen ihren vier Wänden bewahren, könnte sie damit auch fein Geschehen vereiteln. Was aber im Geschehnis allen nicht länger verborgen bleiben kann, die im Verfolg des Werdens der Spielgruppe inneren Anteil nehmen an ihrer Dauer und somit auch zu den Interessen des Jüdischen Jugend-Vereins stehen, dessen geisügen Belange sie als ein Teil seiner aus ihre Weise zu wahren hat, hat aufgehört ein Jnternum zu sein, hat darüber hinaus auch für die Öffentlichkeit Bedeutung gewonnen. VORANZEIGE Museumssaal, Sonntag, den 8. Mai 1927,8 Llhr abends RAHEL ERMOLNIKOFF (Gesang, Berlin) HEINRICH SCHAUT (Klavier) Ostjüdische Volkslieder Hebräische Gesänge der jemenischen Juden (Bearbeitungen von Alice Löwenson, DariusMilhaud und Heinrich Schalit) Karten ab 20. April 1927 bei Alfr. Schmid, Otto Halbreiter, Otto Bauer und (Lwer-Buchhandlung Und also sei's ge — sagt: Fräulein Fannerl Camnitzer verläßt Ende April München. — Somit hat aber auch die Vorstellung der Spielgruppe am 30. April über ihren Zweck hinaus, neues Zeugnis ihres Schaffens abzulegen, an Bedeutung gewonnen: Fräulein Fannerl Camnitzer verabschiedet sich in der Rolle der Christine vom Jüdischen Jugend-Verein München. Der Jüdische Gesangverein München erhielt von der Leitung der „Internationalen Ausstellung des Reichsverbandes deutscher Tonkünstler und Musiklehrer e. B. — Musik im Leben der Völker — Frankfurt a. M." Juni—August 1927, eine Aufforderung, im Rahmen der Abteilung „Kirchenmusik — jüdische Musikwoche" mitzuwirken, insbesondere dabei den Chor seines Dirigenten Jos. Ziegler, der bei dem Preisausschreiben des Deutschen Kantorenverbandes mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurde, zur Aufführung zu bringen. — Wir machen bereits heute darauf aufmerksam, daß an der Reise nach Frankfurt, zu der der Verein voraussichtlich seitens der Reichsbahn und Ausstellungsleitung besondere Begünstigungen erhalten wird, nur diejenigen Mitglieder teilnehmen können, die regelmäßig die Proben sowohl zu dem Konzert am 30. April wie die anschließenden für das Frankfurter Konzert besucht haben. Der Vorstand. Der Jüdische Gesangverein München veranstaltet am 30. April 1927, abends 8.45 Uhr, im Odeon ein Festkonzert. Den Zielen des Vereines — Pflege der deutschen und jüdischen Musik entsprechend — sei dieses Konzert zunächst eine Gedächtnisfeier für die unsterblichen Manen Beethovens anläßlich der 100. Wiederkehr des Todestages dieses größten Genres unter den Komponisten. (Aufführung u. a. der selten gehörten Chorfantasie Op. 83, die jüngst bei der Beethoven-Zentenarfeier in Wien ebenfalls aufgeführt wurde.) Weiterhin aber soll unser Konzert, getreu unserem Bestreben als jüdischer Gesangverein, überall auch die jüdische Note zu Worte kommen zu lassen, Kompositionen unseres Ehrenmitgliedes, des Herrn Prof. Emanuel Kirschner, bringen, der heute weit über Deutschlands Grenzen hinaus als anerkannter Vertreter synagogaler Tonkunst gilt. Wir sind zu dieser Ehrung eines der Unsrigen um so mehr veranlaßt, weil jetzt das Lebenswerk dieses Meisters synagogaler Musik durch Abschluß des 4. Bandes seiner Kompositionen vollendet erscheint, ganz abgesehen von dem besonderen Bedürfnis der Ehrung, das wir in diesem Jahre unserem verehrten Sangesbruder gegenüber empfinden. Mit Rücksicht auf die vorzutragenden Chorwerke und die Veranlassung des Konzertes laden wir diesesmal alle sangeskundigen jüdischen Damen und Herren unserer Gemeinde, auch soweit sie nicht Mitglieder unseres Vereins sind, ein, sich aktiv bei diesem Konzert zu beteiligen nud den Proben, welche jeden Dienstag abend 8.15 Uhr im Bibliotheksaal der Gemeinde, Herzog-Max- Straße, stattfinden, beizuwohnen. Wir richten diese Aufforderung sowohl an die Damen und Herren, die auch anderweitig in Gesangvereinen tätig sind, insbesondere aber auch an die ehemaligen Schüler und Schülerinnen Kürschners, das Ihrige dazu beizutragen, daß das Konzert in der beabsichtigt würdigen Weise verläuft. Irgendwelche Verpflichtungen dem Verein gegenüber entstehen den freiwillig Mitwirkenden nicht. Von den Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde Münchens und allen ihren Angehörigen aber dürfen wir wohl erwarten, daß dieselben recht zahlreich durch ihre Anwesenheit bei diesem Festkonzert unsere Bestrebungen fördern und zugleich ihr Interesse an dieser besonderen Veranstaltung bekunden. Anmeldungen zur Mitwirkung in den Proben oder bei Herrn Zahnarzt Kurt Bettsack, Neuhauser Straße 21/11, Tel. 58 0 91, und Kapellmeister Jos. Ziegler, Thierschstraße 36/1. Jüdisches Kammerorchester München. Die Übungsabende des neugegründeten Jüdischen Kammerorchesters München (deren erster bereits stattgefunden hat), sind regelmäßig jeden Mittwoch und beginnen für Streicher um 8.30 Uhr, für Bläser 9.30 Uhr abends. Wo die Proben in Zukunft stattfinden, wird den bisherigen und den sich neumeldenden Mitgliedern noch mitgeteilt werden. Für einige gute Streicher und Bläser besteht noch Gelegenheit zur Mitwirkung. Anmeldungen und Anfragen möge man schriftlich an Heinrich Lamm, München, Bruderstraße 12, richten.