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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-04-15 · 4 (15.4.1927) · p. Seite 116

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
4 (15.4.1927)
Article
Die pädagogische Arbeitsgmeinschaft
Date
1927-04-15
Page
Seite 116 (sequence 2)
Language
German
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116 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 4 ein. Er zeigte an verschiedenen Beispielen, die hauptsächlich dem Gebiete des Religionsunterrichtes entnommen waren, wie die Arbeitsschule die rein geistige Beschäftigung zugunsten manueller Betätigung zurückdrängte, wie neben der Anschauung auch die Darstellung zu ihrem Rechte kommt, wie neben dem Wissen auch das Können berücksichtigt wird. Da „lernen" der Zweck jedes Unterrichts und „arbeiten" das Mittel zur Unterstützung des Lernens ist, da die Schule den Geist und die Hand ausbilden muß, so muß die Schule zugleich Lern- und Arbeitsschule sein. In der Diskussion wurde hervorgehoben, wie sehr sich das Arbeitsprinzip in den Münchner Volksschulen bewährt habe, es wurde vom Werkunterricht und von den Schulwerkstätten gesprochen. Dabei wurde aber auch aus die Nachteile hingewiesen, die in der Überspannung des Arbeitsprinzips liegen. Am 4. Abend (2. Dezember), referierte Herr Geh. Sanitätsrat Dr. E. Doernberger über: „Gesundheitspflege des Schulkindes". Der Vortrag erstreckte sich über die Schulhygiene und ihre praktische Durchführung in den Münchener Schulen, aber auch über die Fülle gesundheitlicher Maßnahmen zu Hause. Die rege Aussprache gab dem Referenten Veranlassung, auf viele Fragen über Einzelheiten wertvolle Ratschläge zu erteilen. Der 5. Abend (9. Dezember), brachte 2 Referate. Herr stud. med. H. Lamm sprach über: „Die Musik in der Erziehung der Kinder". Er zeigte vor allem, wie wertvoll eine gute, musikalische Erziehung sei und bedauerte, daß dieses wichtige Erziehungsgebiet in den Schulen im allgemeinen vernachlässigt werde. Er zeigte an verschiedenen Beispielen, wie bedeutende Musikpädagogen diesen Unterricht interessant gestalten und welche, großen Erfolge sie dabei erzielen. über „religiöse Erziehung" sprach sodann Herr Studienrat Schaalmann. Redner sprach von der Bedeutung der religiösen Erziehung und zeigte an vielen Beispielen, wie das Elternhaus auf die religiöse Gesinnung des Kindes einwirken kann und wie wichtig das gute Beispiel des Erziehers sei. Für sehr wertvoll hält er die richtige Ausgestaltung des Jugendgottesdienstes. An beide Referate schloß sich eine rege Diskussion an, in der die Ausführungen durch viele Beispiele noch unterstrichen und ergänzt wurden. Den Abschluß der pädagogischen Arbeitsgemeinschaft bildete (am 2. März 1927) der Vortrag des Herrn Studienrates Schaalmann über „Der Übergang in die höhere Schule". Er sprach über die, Wege und Ziele des höheren Schulwesens, über die tatsächlichen Grundlagen der Schulwahl und berührte alle Fragen, die an Eltern heranstürmen, wenn sie ihre Kinder in eine höhere Schule schicken wollen. In der Diskussion wurde insbesondere von dem höheren Mädchenschulwesen gesprochen. M. A. 25 Iahre Ferienheim in krumbach. Am 1. April ist ein Vierteljahrhundert verflossen, seit die Münchener israelitische Wohlfahrtspflege Besitzerin eines Hauses ist, aus dem unendlich viel Segensreiches hervorgegangen: das Ferienheim in Krumbach des israelitischen Vereins für Ferienkolonien und zur Bekleidung von Schulkindern. Der Verein, 1884 zunächst für Bekleidung armer Kinder gegründet, hat 1892 ganz klein den zweiten Teil seiner Wirksamkeit begonnen, zuerst mit Beisteuern zum Landaufenthalt von 4 Schulkindern, dann, gefördert durch gute Menschen, stetig fortschreitend, bis 1900 die erste, Kolonie unter eigener Führung in gemietete Räume nach Krumbach entsandt wurde. 1902, am 1. April erwarb der Verein ein Anwesen in diesem freundlichen, schwäbischen Ort, von dessen jüdischer Gemeinde herzlichst begrüßt. Der Bau wurde nach Möglichkeit der finanziellen Lage und den Bedürfnissen angepaßt; am 16. Juli erfolgte die Einweihung des Heims, das in jenem Jahre in 2 Ferienhälften je 25 Münchener Kinder beherbergte. Die Knabenkolonie wurde in den ersten Jahren von einem Lehrer, die Mädchenkolonie von einer Dame betreut, denen eine Krankenschwester zur Seite stand, während ein Verwalterehepaar das Wirtschaftliche versah. 1908 konnte eine weitere bauliche Verbesserung ausgeführt werden; der Wunsch nach einem Umbau auch des letzten alten Flügels ließ sich aus pekuniären Gründen bis heut noch nicht erfüllen. Im letzten Jahre ist mit Unterstützung der Münchener Kultusgemeinde ein Jsolieraufbau errichtet worden. Es war trotz mancher Sorgen möglich, beide Kolonien stets reichlich zu beschicken; allmählich waren es zweimal 50 Kinder, die die Wohltat der Landerholung genießen konnten. Das Jahr 1914 sollte wieder eine Steigerung der Vereinsleistungen bringen; im Juni wurde eine Vorkolonie von schwächlichen und daher vom Unterricht dispensierten Kindern gepflegt, und hierauf sollten zwei Ferienkolonien folgen. Da kam der Krieg; am 3. August schon kehrten die Knaben heim, und die Mädchenkolonie mußte unterbleiben. Aber 1915 und in den folgenden Jahren gelang es wieder, den Vollbetrieb zu führen, sogar zweimal mit einer Vorkolonie. Die Rationierung der Lebensmittel und die Verteuerung beeinträchtigten natürlich vieles; aber guter Wille aller Mitwirkenden und verschiedener Vereine, sowie größere Auslandsspenden schassten einen kleinen Ausgleich. Als dann die Teuerung auch bei der Bahn, die Verkürzung der Ferien und endlich der bedauerliche Rückgang der Kinderzahl die Vereinstätigkeit zwingend beschränkten, schickte man in den letzten Jahren allsommerlich nur eine Kolonie von 53 Knaben und Mädchen, die demgemäß die ganze Ferienzeit Erholung und dadurch großen Vorteil genossen. Die Vereinsleitung hofft aber mit Bestimmtheit, die Ferienzeit verlängern und dadurch wieder 2 Serien von Kindern aufnehmen zu können, da die Schulbehörde wohl sicher schwächlichen Kindern einen Dispens von 2 Wochen vor den großen Ferien gewähren, andern Schülern eine Überweisung gestatten wird. Dadurch wird es auch möglich sein, Kinder aus weiteren Kreisen aufzunehmen, aus Familien, wo aus gesundheitlichen, beruflichen oder sonstigen Gründen die Eltern nicht verreisen, wohl aber die Kosten der Erholung für ihre Kinder tragen können. Gleich den Wünschen und Plänen für das Ferienheim ist aber auch seine Wirksamkeit nicht stehen geblieben. Der Verein hat seine heizbaren Räume außerhalb der Ferienzeit dem Münchener israeltischen Frauenverein von 1830 für erholungsbedürftige weibliche Personen zur Verfügung gestellt, und der Frauenverein zahlt, eventuell mit Zuschüssen der Betreffenden, für diese Frauen und Mädchen die Verpslegungskosten und nach Möglichkeit ein Pauschale für Licht, Heizung, Jnventarbenützung. Im Jahre 1926 sind bei 19 Frauen und Mädchen die besten Erholungsresultate erzielt worden. Dieses schöne Zusammenarbeiten zweier Vereine beweist, wie Einigkeit stark macht. Der Frauenverein ist auch gern bereit, weibliche Personen von außerhalb Münchens aufzunehmen, wozu ein Anfang schon gemacht ist. Die Vorzüge des Heims sind seine schöne Lage mit großen Garten, gute Verpflegung und gemütlicher Anschluß im Hause, der freundliche Ort selbst, in dem eine jüdische Gemeinde und ein liebenswürdiges Lokalkomitee sich befinden, eine schöne Synagoge mit regelmäßigem Gottesdienst besteht, also all das, was Behagen und Heimatgefühl schaffen kann. An leiblicher und seelischer Förderung, an liebreicher verständnisvoller Erziehung ist aus diesem Heim schon viel Gutes in diesen 25 Jahre entsprossen, und manche, die jetzt Väter und Mütter sind, gedenken dankbar der schönen Ferienwochen ihrer Schulzeit im Krumbacher Heim. Daß alles sich weiter gesegnet entwickle und beglückend wirke, daß der Verein in die Lage komme, innerlich und äußerlich auf- und auszubauen und immer mehr leisten zu können für diejenigen, denen zu dienen ihm liebe Pflicht ist, dazu gebe Gott seinen Segen für weitere Jahrzehnte! Rosa Werner. Allen meinen lieben ehemaligen Schülerinnen und Schülern, die sich vereinigt haben, um mir zum 70. Geburtstag eine Freude zu bereiten, danke ich aus dem Grunde meines alten Erzieherherzens. Es wird mir ein erhebendes Bewußtsein bleiben, mit beigetragen zu haben an der Entfaltung des jüdischen Erbgutes, des lew tow, in der mir zur Erziehung anvertraut gewesenen Jugend. Rührendes Zeugnis von der erfreulich aufgegangenen Blüte legen ab die mir zur Verfügung gestellten Mittel, die ich, dem Zuge meines Herzens folgend, wohltätigen Zwecken zuwenden werde. Emanuel Kirschner. vücberschau Stimmen der Einsicht. In einer Zeit, in der an Verächtlichmachung jüdischen Wesens und Geistes alles nur Erdenkliche geschehen ist, erscheint es notwendig, darauf hinzuweisen, daß es unabhängige Köpfe genug gibt, die es abgelehnt haben und die es ablehnen, jene traurige Mode mitzumachen. In dieser Hinsicht verweisen wir auf die im Verlage von Richard Pflaum erschienene Broschüre „Kampf um München als Kulturzentrum", welche die Reden wiedergibt, die in der denkwürdigen, kulturpolitischen Versammlung vom 30. November 1926 von Thomas Mann, Heinrich

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