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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-04-15 · 4 (15.4.1927) · p. Seite 115

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
4 (15.4.1927)
Article
Gemeindliche Lehrkurse
Date
1927-04-15
Page
Seite 115 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 4 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 115 Aus der Gemeinöe Semeindliche Lehrkurse Die gemeindlichen Lehrkurse gehen mit dem Kurs von Dr. Willy Meyer über „Die Juden im mittelalterlichen Spanien" nunmehr ihrem Ende entgegen. Die Veranstaltungen der Lehrkurse setzten sich aus drei verschiedenen Gruppen zusammen, aus Einzelvorträgen, wie die von Martin Buber und Oberkantor Davidsohn, aus Lehrkursen, die aus einer größeren Reihe zusammenhängender Vorträge bestanden, w-e Dr. Brandenburgs „Kultur und Kunst des alten Orients", Dr. Klugmanns „Gestalten der jüdischen Geschichte in dichterischem Gewände" und aus Arbeitsgemeinschaften (einer pädagogischen, einer sozialen und einer historischen). Der Besuch der Lehrkurse war verschiedentlich, so namentlich bei dem Vortrage Bubers, sehr gut, verschiedentlich entsprach er nicht ganz den Erwartungen der Leitung. Doch ist hierzu zu sagen, daß eine intensive Beschäftigung mit den gebotenen Themen, wie sie die Lehrkurse zur Voraussetzung haben, eben doch nur von einem kleineren Kreise erwartet werden kann. Von diesen Erwägungen ausgehend kann auch der Besuch der Lehrkurse als nicht unbefriedigend angesehen werden. Als besonders wertvoll betrachten wir die Einrichtungen von Arbeitsgemeinschaften, worüber nachstehendes zu berichten ist. Die historische Arbeilsgemeinschaft Im November 1926 hatte sich im Rahmen der Lehrkurse, auch eine Historische Arbeitsgemeinschaft gebildet, die sich als erstes Arbeitsfeld „Das neue Testament und seine Beziehungen zum Judentum" gewählt hat. Zunächst war nur an eine Anregung zum Studium für einen Kreis geschichtlich besonders interessierter Personen gedacht. Das große Interesse weiterer Kreise für Geschichte — und wohl besonders auch für die behandelten Zusammenhänge zwischen dem Judentum und den Anfängen des Christentums — hat aber die Besucherzahl so gesteigert, daß die Arbeitsgemeinschaft bereits an ihrem 3. Abend aus dem Beratungszimmer in den Bibliotheksaal übersiedeln mußte. Die Schwierigkeiten solcher Grenzfragen brachten es auch mit sich, daß der gebende Teil sich nur aus zwei Personen beschränkte und die übrigen im großen und ganzen die Empfangenden, die Nehmenden waren. Für diese gab es eine Quelle reicher Belehrung und Anregung. Die sechs Abende wurden bis auf einen vom Leiter dieser Arbeitsgemeinschaft, Herrn Dr. L. Feuchtwanger, bestritten, während Herr Justizrat Dr. E. Straus an einem Abend über die „das Christentum und dessen Gründer" betreffenden Stellen in Bibel und Talmud sprach. An den übrigen Abenden zeigte Herr Dr. Feuchtwanger in überaus gründlicher exakter Weise, die wissenschaftlich auf besonderer Höhe stand, die klar sichtbaren Quellen der einzelnen Evangelien im jüdischen Schrifttum und der damaligen jüdischen Kultur überhaupt auf. Herrn Dr. Feuchtwanger ist es besonders zu danken, daß er seine! reichen Kenntnisse aus dem Studium der orientalischen Antike in den Dienst jüdischer Belehrung gestellt hat. Die pädagogische Arbeilsgemeinschaft. Eine der wichtigsten Aufgaben, die sich die Israelitische Kultusgemeinde München in den Lehrkursen gesteckt hat, ist die gründliche und vielseitige, Behandlung von Schul- und Erziehungssragen. Die Eltern sollten durch die pädagogische Arbeitsgemeinschaft die Erziehungsprobleme kennenlernen und die Erziehungsbestrebungen sollten dadurch der Sphäre des Instinktiven entrückt werden. Daß bei vielen Eltern ein Bedürfnis für Behandlung von Erziehungsfragen vorhanden war, das bewies der sehr starke Besuch der pädagogischen Arbeitsgemeinschaft im vorigen Jahre, wo d a s Kind in den Entwicklungsjahren, also wohl das schwierigste Kapitel in der Erziehung, behandelt wurde. Da nun von den Kursteilnehmern der Wunsch geäußert wurde, diese pädagogischen Diskussionen sortzusetzen, so wurde von der Leitung der Lehrkurse in diesem Jahre wieder eine pädagogische Arbeitsgemeinschaft gebildet, die es sich zur Aufgabe machte, das Kind in den ersten vier Schuljahren zu behandeln. Besonderen Dank gebührt dem Leiter der Arbeitsgemeinschaft, Herrn Studienrat Schaalmann, dem es gelungen war, geeignete und erfahrene Vertreter der verschiedenen Wissensgebiete zu gewinnen, die die Frage der Entwicklung und der Erziehung des Schulkindes von den verschiedensten Seiten aus behandelten und zwar vollständig parteilos, auf dem Grunde wissenschaftlicher Forschung. Daß auch das Thema „Das Kind in den vier ersten Schuljahren" Interesse erwecken konnte, das bewies der starke Besuch, das zeigte vor allem die sehr rege Diskussion, die sich an die einzelnen Vorträge anschloh. Es gibt auch Skeptiker, die sich und uns fragten: „Welchen praktischen Wert haben diese Abende?" Diese Abende haben den Zweck und die Aufgabe, das Erziehungsgewissen zu erwecken, die Kursteilnehmer zu veranlassen, sich mit Erziehungsfragen zu beschäftigen. Die Erziehung soll den Charakter des Zufälligen und Instinktiven verlieren. Dann werden auch Erziehungsfrüchte langsam aber sicher heranreifen. Wenn die Aussprachen in der pädagogischen Arbeitsgemeinschaft auch nur einen kleinen Teil zu dieser Entwicklung beigetragen haben, dann hat die Arbeitsgemeinschaft ihren Zweck vollkommen erfüllt. Das Thema der pädagogischen Arbeitsgemeinschaft: „Das Kind in den ersten vier Schuljahren", wurden in 6 Abenden behandelt. Am 1. Abend (11. November 1926), sprach Herr Dr. Eliasberg über „Die Psychologie des jüngeren Schulkindes". Er zeigte die Jdeengänge der älteren Assoziationspsychologie auf, die als wesentlichen Fehler im Kinde einen Erwachsenen en miniature erblickte, die im Kinde dieselben Bewußtseinsvorgänge sah, wie im Erwachsenen. Demgegenüber sucht die moderne Psychologie die Eigenwelt des Kindes zu erforschen, und untersucht die Entwicklung seiner Gefühlswelt bis zur Reife, d. i. die Zeit der Angleichung an die objektive Denkart und Betrachtungsweise des Erwachsenen. In der Aussprache über diese Ausführungen von hohem, wissenschaftlichen Werte, wurde die Apriorität verschiedener Gefühlskreise festgestellt, z. B. Rechtsempfinden, Haß, Liebe, Minderwertigkeitsgefühl, religiöses Gefühl usw. Am 2. Abend (18. November), sprach Herr Oberlehrer Dr. Keßler über „Schule und Elternhaus". Er führte etwa folgendes aus: Die Tage der Kindheit sind des Lebens Paradies, an dessen Pforte zwei Wächter stehen, von denen der eine auf den Baum des Lebens, der andere auf den Baum der Erkenntnis weist. Der erste bedeutende Markstein im Kindesleben ist der erste Schultag, der beeinflussend wirkt auf die, Kindesseele und das Erziehungsproblem, die an gewissenhafte Eltern erneute, ernste Forderungen stellt. Der Redner berührte in seine Ausführungen die Fragen: Hausaufgaben, Selbständigkeit im Lernen, Kinderspielzeug und Jugendlektüre, sexuelle Aufklärung, Elternabende, religiöse Hausfeiern u. a. Fragen, die eine rege Debatte über Simultan- oder Konfessionsschule, Schundliteratur, Buch und Bild im Leben des Kindes, Behandlung der Linkshänder, Spiel und Jnterefsenerweckung, Kunst des Lernens usw., hervorriefen. Der 3. Abend (25. November), brachte ein Referat des Herrn Lehrer Adler über: „Probleme der Schulerziehung". Redner entwarf das Bild einer modernen Schule und ging hauptsächlich aus die Fragestellung: „Lern- oder Arbeitsschule?" vir ~ Volksschule München sucht einen, den Anforderungen an den bayerischen Volksschullehrerdienst gerecht werdenden Lehm AufWartegeld gesetzte Herren bevorz.Meldungen unter Beifügung von Zeugnisabschrifien an Herrn Felix Feuchtwanger, München, Schönfeldsir. 32

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