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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-04-15 · 4 (15.4.1927) · p. Seite 110

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
4 (15.4.1927)
Article
Dritter Verbandstag des preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden
Date
1927-04-15
Page
Seite 110 (sequence 1)
Language
German
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110 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 4 Dritter Verbandstag des preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden Am Sonntag, dem 27. März 1927, 2.30 Uhr nachmittags, traten die Abgeordneten der Landesversammlung der preußisch-jüdischen Gemeinden zu einem dritten Verbandstag zusammen, um den Tätigkeitsbericht des Rats entgegenzunehmen, den Etat für 1927/28 zu genehmigen und — dies die Hauptaufgabe der Tagung — über den der Regierung vorzuschlagenden Entwurf einer Revision des preußischen Judenrechtes zu beraten und zu beschließen. Die Tagung wurde durch eine religiöse Weiherede des Rabbiners Dr. Weiße eingeleitet und sodann vom Vorsitzenden des Rates, Kammergerichtsrat Leo Wolfs, begrüßt, der an die Worte der Weihe und des Friedens des geistlichen Vorredners anknüpfte und feststellte, daß die Versammlung ordnungsgemäß einberufen sei; er erklärte sie für eröffnet. Auf Vorschlag von IR. Baerwald wird Herr RA. Heinrich Stern durch Zuruf zum Präsidenten gewählt, der darauf den Vorsitz übernahm. Herr Direktor Kareski sprach zum Finanzbericht und zur Begründung des Etats. Der Voranschlag für das Rechnungsjahr 1927/28 betrifft: Ausgaben. Kapitel 1: Verwaltung M. 95.000. Kapitel 2: Subventionen. 1. Gemeinden M. 369.000. 2. Bezirksrabbiner. Bildung von Bezirksrabbinaten M. 50.000. 3. Theologische Bildungsanstalten M. 150.000. 4. Lehrerbildung M. 25.000. 5. Institute für die Wissenschaft des Judentums M. 34500. 6. Beihilfen für wissenschaftliche Arbeiten M. 20.000. 7. Sonstiges M. 27.500. 8. Wohlfahrtspflege M. 150.000. Kapitel 3: Verwaltungsblatt M. 6000. Kapitel 4: Statistisches Jahrbuch M. 3000.—. Kapitel 5: Verbandstag und Rat M. 30.000. Kapitel 6: Beihilfen für besondere rituelle Zwecke M. 10.000. Kapitel 7: 1: Bildungsstätten zur Heranbildung von Kantoren und Schächtern M. 5.000. 2. Heranbildung von Hilfskantoren M. 10.000. 3. Stipendien an Seminaristen und Präparanden M. 10.000. Kapitel 8: Unvorhergesehene Ausgaben M. 25.000. Gesamtsumme der Ausgaben M. 1020.000. OJorXellazL ($bäenfEaItforzeEan. ^fliederlage^ '7n/L'JGccrl (ßau Qffanjc'j&en., 9KeaHaerStr(Lääe 23 Einnahmen. 1. Kassenbestand M. 105.000. 2. Staatsbeihilfen M. 254.000. 3. Durch Beiträge der Gemeinden aufzubringen M. 661.000. Gesamtsumme der Einnahmen M. 1020.000. Justizrat Makower referierte über das Judengesetz. Er gibt einen geschichtlichen Rückblick über die Judengesetzgebung in Deutschland, skizziert das Werden des vorliegenden Entwurfes und erläuterte vom juristischen Standpunkt die einzelnen Bestimmungen. (Eingehendere Besprechung wird Vorbehalten.) Der Gesamtentwurf wird mit 61 gegen 33 Stimmen bei 2 Enthaltungen angenommen. - Aus Antrag von Dr. Jsi Kahn wird beschlossen, sich vor der Überreichung des Entwurfs an die Behörde mit dem Bund traditionell gesetzestreuer jüdischer Gemeinden ins Benehmen zu setzen. Resolution der Vereinigung liberaler Rabbiner „Die Vereinigung liberaler Rabbiner Deutschlands gibt anläßlich ihrer Tagung am 29. März zu Berlin ihrem schmerzlichen Bedauern Ausdruck, daß unter dem Vorwand des Tierschutzes wieder das gesetzliche Verbot des rituellen Schlichtens gefordert wird. Sie würde in einem solchen Verbot einen Eingriff in die religiöse Gewissensfreiheit aller und in die religiöse Übung zahlreicher jüdischer Bekenner aller Richtungen erblicken, denen diese rituellen Vorschriften heilig sind. Die liberalen Rabbiner sind gewillt, den Glaubensbrüdern im Kampfe für ihre Gewissensfreiheit und gegen die Herabwürdigung der Humanitätslehre des Judentums volle Hilfe zu leisten." Mitgliederversammlung der Zentralwohlfahrlsstelle der deutschen Juden Am Sonntag, dem 3. April, fand im Repräsentantensitzungssaal der Jüdischen Gemeinde zu Berlin die Mitgliederversammlung der Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen Juden statt, die aus allen Teilen des Reichs zahlreich besucht war. Erschienen waren insbesondere Vertreter von Landesverbänden jüdischer Gemeinden, Landes- und Provinzialwohlfahrtsstellen, Großorganisationen, Gemeinden, Vereinen und Anstalten. Die Verhandlungen wurden am Vormittag von Herrn Sanitätsrat Dr. Seeligsohn (Berlin), am Nachmittag von Herrn Prof. Dr. Seligmann (Berlin) und Herrn Rabbiner Dr. Eschelbacher (Düsseldorf) geleitet und wurden durch eine Begrüßungsansprache des Vorsitzenden und Vorstands der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Herrn Kammergerichtsrat Wolfs, eingeleitet. Der Geschäftsführer, Herr Dr. Ollendorff, erstattete den Tätigkeitsbericht; den Rechnungsabschluß legte für den Vorstand Herr Otto Eskales (Berlin) vor. Dem bisherigen geschäftsführenden Vorstand wurde Entlastung erteilt. Die neue Satzung der Zentralwohlfahrtsstelle —. für die die eingegangenen Abänderungsvorschläge verwertet waren, und deren Beratung durch eine Vorbesprechung am Vormittag vorbereitet war — wurde einstimmig angenommen. Zum Vorsitzenden der Zentralwohlsahrtsstelle wurde Herr Rabbiner Dr. Leo Baeck (Berlin) gewählt. Die Wahl einer Anzahl Sachverständiger zu Mitgliedern des Gcsamtvorstandes folgte. An die Mitgliederversammlung schloß sich eine ebenfalls zahlreich besuchte Sitzung des neuen Gesamtvorstandes an, der sich konstituierte und einen geschäftsführenden Vorstand von zunächst 13 Mitgliedern bestimmte. Nachdem auch dieser engere Vorstand zu einer kurzen ersten Beratung zusammengetreten war, vereinigten sich die auswärtigen und die Berliner Teilnehmer an den Verhandlungen am Abend zu einem geselligen Zusammensein in dcn Räumen des Logenhauses. Hier wurden die Gäste durch eine Ansprache von Herrn Dr. Meier Hildesheimer (Berlin) begrüßt; namens der Auswärtigen dankte Herr Justizrat Dr. Eli Straus (München). Arbeitslosigkeit und jüdisches Arbeitsnachweiswesen Die allgemeine Arbeitslosigkeit gehört zweifellos zu den aktuellsten Wirtschaftsproblemen der Gegenwart. Reich, Stadt und Land sind dauernd bemüht, Abhilfe zu schaffen. Es ist nur allzubekannt,

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