Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 3 (8.3.1927)
- Article
- Achad-Haam-Gedenkfeier
- Date
- 1927-03-08
- Page
- Seite 80 (sequence 1)
- Language
- German
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80 Bayerische Israelitische Gemeindezeitmrg Nr. 3 Achad-Haam-Gedenkfeier Am 9. Februar 1927 hielt die Zionistische Ortsgruppe München im Bibliotheksaal der Gemeinde eine Achad-Haam-Gedenkseier. Nach einleitenden Worten von Dr. Elias Straus sprach Dr. K l a tz k i n (Berlin), der seinem Bortrag eine kurze hebräische Ansprache oorausschickte. Der Vortragende betonte, daß es nicht seine Absicht sei, hier einen Nachruf im üblichen Sinne zu halten. Bei einem Nachruf sei man sehr oft in die Lage versetzt, die Wahrheit zu unterdrücken und Nachteiliges zu verschweigen. Ein solcher Nachruf sei aber am wenigsten im Sinne Achad Haams, des Mannes der Wahrheits- Die Wahrheitsliebe Achad Haams eigne vor allem seiner literarischen Tätigkeit. Er sei kein Schriftsteller gewesen, wie viele Schriftsteller, die beherrscht seien von dem Drange zu schreiben, um nebenbei auch etwas zu sagen oder auch nicht, bei ihm sei das Schreiben akzidentell gewesen, er habe geschrieben, um etwas zu sagen. Der Vortragende, der aus den Inhalt des Schaffens von Achad Haam näher nicht einging, mit der Begründung, die meisten der Anwesenden seien wohl mit dessen Werken hinlänglich bekannt oder sie müßten sich damit beschäftigen, setzte sich hierauf in interessanter Weise von seinem Standpunkt aus mit dessen Anschauungen auseinander. Achad Haam habe geglaubt, das Judentum dadurch schützen zu müssen, daß er ihm eine Grenze setzte, daß er es auf einen bestimmten Inhalt festlegte. Er verlangte vom Judentum ein bestimmtes Bekenntnis, dessen Inhalt die Gerechtigkeit sei. Andere, wie Hillel, hätten das Wesentliche des Judentums in der Nächstenliebe gesehen, nach seiner, des Vortragenden Ansicht, liege das Eigentümliche des Judentums in der Rigorosität, mit der es die Nächstenliebe verlange. Im Wesen des Judentums aber liege der Wille zur Entwicklung, und so sehr er an den überlieferten Gütern des Judentums hänge, mache er aus dieser seiner Liebe keine Verpflichtung. Man könne einem Volke nicht zumuten, daß es einem bestimmten Inhalt leben solle, das Volk sei etwas an sich Einheitliches und Wertvolles. An den Vortrag Dr. Klatzkins schloß sich noch eine Diskussion an, in der besonders Dr. Elias Straus nachdrucksvoll für Idee und Inhalt des Judentums eintrat. S. kedraijche Sprachschule München Das Sommersemester umfaßte die Monate, April bis Mitte November (7V2 Monate). Von Mitte Juli bis 1. September fand kein Unterricht statt. In der Berichtsperiode bestanden fünf aufgebaute Sprachkurse sowie ein Grammatik- und Chaluzkurs. Außerdem fand allwöchentlich einmal eine hebräische Konoersarionsstunde (hebräischer Klub) statt. Der Besuch des Chaluzkurses und des hebräischen Klubs waren unentgeltlich. Das Schulgeld für die Kurse betrug M. 24.— für einen zweistündigen Kurs und M. 30.— für einen dreistündigen Kurs pro Semester. Aus der allgemeinen Besuchsstatistik geht hervor, daß insge-- samt 17V:> Wochenstunden erteilt wurden, die von insgesamt 79 Schülern besucht wurden. Davon waren 26 Neueintretende, die übrigen (53) Schüler aus dem ersten Schuljahr. Während der Berichtsperiode wurden insgesamt 335i/., Unterrichtsstunden abgehalten, an der insgesamt 2051 Schüler teilnahmen, so daß die durchschnittliche Zahl der Besucher 6,1 Personen war. Im Wintersemester waren die Kurse durchschnittlich von 10 Teilnehmern besucht. Dieser geringe Besuch während des Sommersemesters erklärt sich daraus, daß der Besuch der Sommerkurse erfahrungsgemäß immer schlechter als der der Winterkurse ist. Außerdem hatten viele Studenten, die im Winter 1925/26 an den Kursen teilnahmen, im Sommer die Universität München verlassen, während die neu hinzugekommene Zahl von Studenten diesen Ausfall nicht ausglich. Der relative Besuch der Kurse war nicht schlechter wie der Besuch der Winterkurse. Man kann eher konstatteren, daß der Besuch bei geringerer Zahl von Kursteilnehmern regelmäßiger war als bei den zahlreich besuchten Kursen des Wintersemesters. Die Finanzierung der Schule erfolgte aus den Eingängen der Schulgelder und der monatlichen Subvention der Israelitischen Kuüusgemeinde. I. Lehrstoff Kurs I In den 41 Unterrichtsstunden des Semesters (bei 2 Wochenstunden), wurden die ersten 50 Lektionen des Rathschen Lehrbuches durchgenommen. Konservation in Frage und Antwort. Diktate und schriftliches wie mündliches Nacherzählen leichter Lesestücke. Übersetzungen aus dem Hebräischen und ins Hebräische nach den Übungen des Lehrbuches. Praktische Übungen zum Grammatikstoff des Lehrbuches. Kurs II Fortsetzung von Kurs I des Wintersemesters. Es wurden Lektion 50—75 des Rathschen Lehrbuches in 28 Unterrichtsstunden (bei zwei Wochenstunden) durchgenommen. Konversation in Frage und Antwort. Nacherzählen seichter zusammenhängender Stücke (mündlich und schriftlich). Praktische Übungen zum Grammatikstoff des Lehrbuches. Übersetzungen aus dem Hebräischen und ins Hebräische nach den Übungen des Lehrbuches. Diktate. Der Kurs wurde nach den Sommerferien wegen zu geringer Beteiligung nicht weitergeführt. Von den noch übrig gebliebenen Schülern wurden zwei nach Kurs III versetzt, zwei gingen auf eigenen Wunsch in Kurs I zurück. Kurs III Fortsetzung von Kurs II des Wintersemesters. In 66 Unterrichtsstunden (bei 2 Wochenstunden) wurde folgender Stoff durchgenommen: 1. Lehrbuch von Rath: Lektion 100—150. Diktate. Konversation. Mündliche und schriftliche Nacherzählung leichter Stücke. 2. Bibel: Buch Jona; Buch Ruth; Simsongeschichte (Buch der Richter, Kap. 13—16). 3. Lesebuch: Sefer Haadam (Fichmann): 6 Lesestücke. Grammatikalische und syntaktisch-stilistische Analyse der Lesestücke. Übungen im freien Nacherzählen. G)ftajirMianstt*asse injf*nach Ollajl ha\üäh*t Aßit ülic/i 50 Bahnen tlcdlDcMauAcd Landau 0e£^c Sjia^tan^e