Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1927
- Issue
- 3 (8.3.1927)
- Article
- Emanuel Kirschner zu seinem 70. Geburtstag
- Date
- 1927-03-08
- Page
- Seite 6 (sequence 1)
- Language
- German
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Wtlkillingm Oes UraeliMen Lehrerverems für ßapern Schriftleitung: M. Rosenfeld, München 1927 München. 8. März Nr. 3 Cmanuel Kirfchner zu seinem 70. Geburtstag Am 15. Februar beging Emanuel Kirfchner. 1. Kantor und Religionslehrer in München, feinen 70. Geburtstag. In edler Bescheidenheit hatte zwar der Jubilar jede öffentliche Ovation abgelehnt, trotzdem konnte und durfte es sich der Lehreroerein nicht nehmen lassen, einem Manne, den er mit Stolz zu seinen Mitgliedern zählt, die Verehrung und Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen, die ihm in unseren Reihen so gerne und herzlich gezollt werden. Da bekannt geworden war, daß Herr Kirfchner seinen Ehrentag auswärts verbringen würde, überraschte ihn eine Deputation, bestehend aus dem 1. Vorsitzenden, dem Schriftführer und Herrn Kantor Müller als Vertreter der Kantorenkommission, einige Tage vor dem Feste, um ihm die Glückwünsche des Vereins zu übermitteln. Nach einer kurzen, von echter Herzlichkeit getragenen Ansprache des Vorsitzenden wurde dein Jubilar eine Ledermappe mit den beiden nachstehenden, kunstvoll ausgeführten Adressen überreicht. Die Anschrift des Lehrervereins lautet: Der Israelitische Lehrerverein für Bayern spricht Ihnen, hochverehrter Herr Kantor Kirfchner an dem Tage, an dem Sie in jugendlicher Kraft und nie ermüdender Schaffensfreude die Schwelle des 70. Lebensjahres überschreiten, mit innigen Glückwünschen seinen Dank und seine Anerkennung aus als: dem Erhalter und Gestalter überlieferter Weisen, dem Schöpfer und Meister des Synagogengesanges, dem vorbildlichen Lehrer, dem aufrichtigen, treuen Amtsbruder, dem hilfsbereiten Miterbauer unserer Lehrer-, Witwen- und Waisenkasse. Von ganzem Herzen wünschen wir, daß Gott Sie, noch viele schöne Jahre Ihrer Familie, der Gemeinde München und unserem Vereine erhalten möge. Die Anschrift der Kantorenkommission hat diesen Wortlaut: 712*37 crn tu p"27 nmpsn *1213?“ So 17m m 7172*2 S2*n '2 22D7U m 33737'» p"ps n'stnn 2*S2 222120711 7221071 i7’ns 21221? 12 717102*71 tiS'77 'N jrnns 12 □-:£ Ty'jEH'p 7122* nn7 crn 17S2 7221m 72171s 71207 2'Oinn i7ii7s! 710271 ““122 7172* 77’77i7 “ms pn2* 12 712*37 -itrs 7121271 S2 bp 2120 2trvtj Tisnim 71121» 711x371» 73721 212 2271 i:S pi S321 713? 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Auch an dieser Stelle sei der Wunsch ausgesprochen, daß ein gütiges Geschick uns den Menschen und Künstler Kirfchner noch recht viele Jahre gesund und frisch erhalten möge. Ad meoh \v’ esrim schonoh! Jahresbericht 1925—26 der 45. Mitgliederversammlung am 30. August 1926 erstattet von S. D i n g f e l d e r, 1. Vorsitzender (Schluß) Leider fand der Nachsatz: „Auf die Kantoren, die zugleich als Religionslehrer verwendet werden, finden die Vorschriften der Ziffer 4 entsprechende Anwendung", nicht die Annahme im Plenum. Nicht Standesrücksichten haben uns bei dieser Forderung geleitet, sondern, wie wir in einer ausführlichen Denkschrift darlegten, die Erfahrung, daß die Mehrzahl der Beamten ohne seminaristische Vorbildung infolge iher ungenügenden Allgemeinbildung und der Unkenntnis der deutschen Sprache nicht die Autorität in ihren Gemeinden erlangen, die sie für ihre Tätigkeit in Gotteshaus und Schule brauchen; aber auch als Repräsentanten des Judentums können sie nicht die Interessen ihren Gemeinden gegenüber der nichtjüdischen Bevölkerung vertreten. In einer durch Antisemitismus aufgewühlten Umgebung ist in Mittel- und Kleingemeinden der Lehrer der berufene Mann, Anfeindungen gegen unsere Religion und gegen das Judentum zurückzuweisen. Wie das mit Erfolg geschehen kann, das zeigte unser Freund, Hauptlehrer Levite (Gunzenhausen), in einer Gaulehrerversammlung, in der ein junger Lehrer aus dem völkischen Lager Juden und Judentum beschimpfte. In Wort und Schrift führte Levite die Abwehr. Er richtete eine Beschwerde an den Vorstand des Bayerischen Lehrervereins, die sich die Verwaltung unseres Vereins in einem Begleitschreiben zu eigen machte und unterstützte. Ich verlese Ihnen die in jeder Weise befriedigende Antwort des Bayerischen Lehreroereins: Unterm 14. Februar haben Sie mir mit Ihrem Begleitschreiben eine Beschwerde des Herrn Kollegen Levite (Gunzenhausen) über die ihm be,i einer Gaulehrerversammlung in Gunzenhausen durch antisemitische Angriffe, widerfahrene verletzende Behandlung zugestellt. Meine vielfache Inanspruchnahme durch dringliche und verantwortungsvolle Vereinsaufgaben sowie die Notwendigkeit eines mehrfachen Schriftwechsels mit dem Herrn Kreisvereinsvorsitzenden Därr (Nürnberg), der als Mitanwesender bei der kritischen Versammlung von mir um einen ausführlichen sachlichen Bericht gebeten wurde, haben die Erledigung der Angelegenheit zu meinem Bedauern länger hinausgezögert, als es im allgemeinen meine Gewohnheit ist. Ich bitte das zu entschuldigen. Inzwischen habe ich dem Herrn Kollegen Sepite durch einen unterm 16. d. M. an ihn gerichteten Brief selbst Kenntnis gegeben, in welchem Sinne ich an den damaligen Versammlungsleiter, Herrn Bezirks-Vereinsvorsitzenden Schiller in Psofeld, geschrieben und ihm die Notwendigkeit, daß wir in unserem Vereinsleben jede Art von parteipolitischen Ausfällen, die Andersdenkende verletzen können, im Interesse der Einheit unseres Standes unbedingt vermeiden müssen, so wie es die gute alte Tradition unseres Bayer. Lehrervereins wie immer so auch heute noch ist. Ich bitte Sie, von der Abschrift meines an Herrn Levite gerichteten Briefes Kenntnis zu nehmen. Ergänzend kann ich hierzu bemerken, daß ich selbstverständlich von dem Vorfall nur mit lebhaftem Bedauern Kenntnis nehmen konnte. An dem längst zum Gemeingut gewordenen Grundsätze der Neutralität unseres Lehrervereins in religiösen und politischen Fragen hat sich auch heute nicht das Geringste geändert. Ich bin daher überrascht, aus Ihrem Briefe zu vernehmen, es sei nicht das erstemal, daß Sie als Vertreter der israelitischen Lehrerschaft gegen antisemitische Übergriffe beschwerdeführend an die Vorstandschaft des Bayer.