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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-03-08 · 3 (8.3.1927) · p. Seite 73

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
3 (8.3.1927)
Article
Gründung des Landesverbandes jüdischer Metzgermeister in Bayern
Date
1927-03-08
Page
Seite 73 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 3 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 73 Gründung des Landesverbandes jüdischer TNehgermeisler in Bayern Würzburg, 13. Februar 1927. Zur Gründung des Verbandes jüdischer Metzgermeister in Bayern hatten sich im Hotel Goldschmidt dahier nahezu 100 bayerische jüdische Metzger eingefunden. Als Gäste waren erschienen: Herr Justizrat Dr. Haas als Vorsitzender der hiesigen Kultusverwaltung, Herr Rabbiner Dr. Hanover und Herr Stadtrat Stöckinger als Obermeister der Fleischerinnung. Herr Hermann Schild (Würzburg) eröffnete die Sitzung, begrüßte die Erschienenen und begründete die Notwendigkeit der heutigen Tagung. Herr Justizrat Dr. Haas legte die Zweckmäßigkeit einer Organisierung dar, die ein Vertretung gegenüber den Behörden eher ermöglichte als eine Vertretung von Zivilpersonen. Er betrachtet die jüdischen Metzger als außerordentlich wichtige Faktoren einer jüdischen Gemeinde, weil sie letztere mit rituellem Fleisch versorge. Herr Rabbiner Dr. Hanover führt den Ausspruch an: Spät kommt ihr, doch ihr kommt. Er hält die Konstituierung der bayerischen jüdischen Metzger im jetzigen Zeitpunkt als etwas verspätet, doch sei sie überaus begrüßenswert. Er glaubt den Grund dafür, daß die jüdischen Metzger gerade jetzt so sehr zur Organisierung drängen, in der im Landtag zur Debatte stehenden Schächtfrage zu sehen. Es sei bedauerlich, daß in einem Kulturstaat die Frage der Unterbindung eines religiösen Gebots, wie es das Schächten darstelle, im Parlament durch die Behandlung der Schächtfrage zur Debatte gestellt worden sei. Wichtiger sei die Erörterung der Frage, auf welch rascheste Weise man so unsagbar viel Not und Leid, das zur Zeit unter den Menschen stärker vertreten ist denn je, lindern könne. Man stelle aber scheinbar diesem Gedanken den Gedanken der Schonung der Seele des Tieres voran. Das Judentum beherzige von jeher das Gebot der Schonung des Tieres, welches ihm durch fein Religionsgesetz so oft geboten ist. Herr Levi (München) hielt ein Referat über die Bedeutung der Schächtfrage im Lichte der gewerblichen, wirtschaftlichen und kulturellen Betrachtung. Dabei betonte er die Notwendigkeit der Organisierung. Der neu zu gründende Verband habe den Zweck, die speziellen Interessen der jüdischen Metzger, namentlich in religiösen Neuheiten in Herren- und Damen-Stoffen Feinste deutsche und englische Fabrikate Fragen, zu wahren, nicht aber, wie das in einigen Zeitungsnotizen zum Ausdruck gekommen sei, vom allgemeinen deutschen Fleischerverband sich loszusagen. Referent, wie auch Herr Weil (Nürnberg) behandelten die im Landtag zur Debatte stehende Schächtfrage und bemängelten, daß der Fleischerverband bezüglich der Wahrung der Interessen seiner jüdischen Mitglieder versagt habe. Beide beziehen sich auf die Reichsversassung. welche allen Staatsbürgern Religionsfreiheit zusichere. Der Schächtakt sei für den Juden ein religiöses Gebot und ein solches könne keineswegs von einem deutschen Einzelstaat untersagt werden. Ein Schächtverbot hätte übrigens für den Staat überaus große Nachteile. Durch die geringere Zahl von Schlachtungen würden Tausende von Schlachthofgebühren nicht mehr eingehen. Würde Bayern das Schächtverbot erlassen, so bestehe kein Zweifel, daß künftighin die bayerischen Kurorte: Brückenau, Garmisch-Partenkirchen, Kissingen, Reichenhall, Tölz usw. von Juden gar nicht mehr oder nur spärlich besucht würden. Des weiteren mache ein Schächtverbot Hunderte von jüdischen Metzgerfamilien, ihre Gesellen und sonstige Angestellten brotlos, so daß all diese Personen der Erwerbslosenfürforge des Staates zur Last fielen. Die Versammlung beschloß einstimmig die Gründung des „Landesverbandes jüdischer Metzgermeister in Bayern", die Annahme der Satzungen, die Wahl 'des Herrn Max Levi (München) zum ersten Vorsitzenden, sowie die Wahl von weiteren 14 Vorstands- bzw. Ausschußmitgliedern, welch letztere den verschiedenen bayerischen Regierungsbezirken, einfchießllich der Pfalz und Koburg, angehören. Möge der neugegründete Verband im Interesse des Judentums, wie zum Wohle der jüdischen Metzger Deutschlands arbeiten und gedeihen. Die jüdischen Blinden in Not! Der Hilfsverein der jüdischen Blinden in Wien bittet uns, Nachstehendes in unserem Blatte zu veröffentlichen. Der Verein, der seit Jahrzehnten für die Ärmsten seiner Schützlinge aufs Tatkräftigste sorgt, ist wegen allzu großer Inanspruchnahme von seiten der armen Blinden und infolge der allgemeinen wirtschaftlichen Krise gegenwärtig aller Barmittel gänzlich entblößt und daher außerstande, selbst in den traurigsten Fällen helfend einzugreifen. Er erlaubt sich daher die jüdische Bevölkerung ganz ergebenst um Spenden fiir die Ärmsten unseres Volkes zu bitten. Jede Spende, möge sig noch so klein sein, zählt und ist dieselbe entweder an die Redaktion dieses Blattes unter der Bezeichnung „für jüdische Blinde" oder an das Sekretariat des Hilfsvereins der jüdischen Blinden, Wien II, Rembrandtstraße 18, Postscheckkonto Berlin: 108819, zu richten. Mitbrüder, die jüdischen Blinden rufen Eure Barmherzigkeit an, laßt diesen Ruf nicht unerhört an Euren Ohren vorübergehen. Kralliger frischen Früchten destilliert ORANGE Probieren Sie i nl In allen Feinkostgeschäflene-hältlich. Wir sind auch bereit, Bezugsquellen nachzuweisen

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