Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 3 (8.3.1927)
- Article
- Moses Reus, s. A., Hofheim
- Date
- 1927-03-08
- Page
- Seite 72 (sequence 2)
- Language
- German
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72 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 3 ein getreues und erschöpfendes Bild von demselben als Mensch, Familienvater, Wohltäter der Armen und Bedrückten, Kultusvorstand, Vorsitzender des Rabbinats- und Distriktsausschusses und langjähriges Mitglied des Kuratoriums der Talmud-Thorah-Schule Burgpreppach, deren Zusammenbruch durch eigenartige Verhältnisse ihn mit großer Wehmut erfüllte und dessen Sehnen nach Wiederaufrichtung derselben nicht zum Schweigen kam. In Vertretung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden würdigte in markanten Worten Herr Justizrat Dr. Hammel aus Schweinfurt, dessen klugen Sinn und seine bescheidene Zurückhaltung, seinen weitausschauenden Blick und weisen Ratschläge, die immer gern gehört wurden, sowie seine eifrige Mitarbeit seit Gründung des Verbandes und seine rege Teilnahme an allen Sitzungen ohne Rücksicht auf Zeitopfer und Entfernung. Für den Stadtrat Hofheim, der vollzählig vertreten war, brachte Herr Bürgermeister Uhl in tiefgerührten Worten den Dank für seine siebenjährige unermüdliche Mitarbeit in der Stadtverwaltung zum Ausdrucke. Aus den weiter sich anschließenden Ansprachen kamen die hohe Wertschätzung und Beliebtheit des Verlebten und die Gefühle des Dankes noch zum Ausdrucke durch Herrn Kaufmann Adler (Haßfurt) für das Handelsgremium, durch Herrn Leonhardt Hofheim als Vertreter des Gewerbe- und Handelsvereins (Hofheim) und Umgebung, durch Herrn Lehrer Adler (Königshofen) für den Distriktsausschuß und das Kuratorium der Talmud-Thora-Schule Burgpreppach und für? den Turnverein Lendershausen, der vollzählig mit umflorter Fahne erschienen war, durch Herrn I. Schunk aus Lendershausen. Die Liebe und Anhänglichkeit der Familie brachte endlich noch ein Schwiegersohn des Verewigten, Herr Rechtsanwalt Heyum aus Frankfurt a. M., in tiefempfundenen Dankesworten zum Ausdruck. Am Grabe würdigte Herr Lehrer Blumenthal (Hofheim) in sichtlich erregter Stimmung und tiefgerührtem Danke die Verdienste des allzufrüh Verlebten um das Wohl der Kultusgemeinde und dessen hingebungsvolle und aufopfernde Teilnahme innerhalb des Beerdigungsvereins des Bezirksfriedhofes Kleinsteinach, dessen r e g st e s Mitglied er war. Mit dem Heimgange Moses Reus wurde ein gut Stück jüdisches Gemeindeleben Hofheims zu Grabe getragen. Möge derselbe in dem geweihten Boden, der Ruhestätte so manches großen Thoragelehrten, wie z. B. des allbekannten Verfassers des berühmten Ritualwerkes „Nachlas Schiwoh" und des Distriktsrabbiners Adler aus Burgpreppach, ausruhen von seinem arbeitsreichen Leben und dessen Verdienste in der verwaisten Kultusgemeinde fortleben und ihm zum ewigen Ruhme gereichen. Secher Zadik liwerocho, Das Andenken des Gerechten sei zum Segen. S. B. H. Fürth i. B. Am 8. Januar starb im Alter von fast 82 Jahren Herr Rudolf Steinhardt. Ein Mann von besonderer feinsinniger Bildung und vornehmer Gesinnung hat er sich um das Musikleben und um die Pflege der Musik in der Stadt Fürth bleibende Verdienste erworben. Unter seinen Verdiensten und Schöpfungen ist besonders der „Philharmonische Verein" hervorzuheben, der alljährlich nach den Absichten seines Begründers Rudolf Steinhardt e>inem großen musikliebenden Publikum die erlesensten Genüsse vermittelt. Das Andenken des trefflichen Mannes wird in unserer Mitte in dankbarer Erinnerung weiterleben. Unsere Gemeinde und unsere Stadt hat einen schweren Verlust erlitten. In der Nacht zum Sonntag, dem 23. Januar 1927, ist Herr Eduard Mohr, Fabrikbesitzer und Handelsrichter, einem Herzschlag erlegen. Ausgezeichnet durch ungewöhnliche Geistesgaben und hervorragende kaufmännische Bildung, erfreute er sich in allen Kreien der Stadt und der Gemeinde hoher Verehrung und Wertchätzung. Der Tradition seiner alteingesessenen Familie folgend, war er Mitglied des großen Verwaltungsausschusses der Israelitischen Kulutusgemeinde und des Handelsgremiums der Stadt Fürth. Der Handelskammer Nürnberg gehörte, er als Mitglied an, am Landgericht Fürth wurde er zum Handelsrichter berufen. In einer großen Zahl gemeinnütziger Vereine, besonders des Kaufmännischen Vereins, stand er an leitender Stelle, von allen Kreisen verehrt wegen der Sicherheit seines Rates, der Milde, Gerechtigkeit und Versöhnlichkeit seines Urteils. Er war ein Mann vielseitiger wissenschaftlicher Interessen und künstlerischer Neigungen. An der Verwaltung und Entwicklung unserer Gemeinde hat er bedeutenden Anteil genommen. Die 'Trauer um den verehrten Mann, um diese seltene Persönlichkeit, kam bei der Bestattungsfeier am 25. Januar zu elementarem Ausdruck. Um die tieftrauernde Familie scharte sich eine unabsehbare Schar teilnehmender Verwandten und Freunde. Nach der eingehenden Würdigung der Persönlichkeit Mohrs durch den Rabbiner Dr. Behrens und dem eindrucksvollen Nachruf für die Israelitische Kultusgemeinde durch Herrn Stadtrat Direktor Karl Kunreuther legten die Vertreter des Landgerichts und zahlreicher Korporationen unter Ansprachen Kränze an seine,r Bahre nieder. Ehre seinem Andenken! Am 24. Januar starb im Alter von fast 67 Jahren der Großindustrielle Herr Meyer B e n d i t. Mit ihm ist der Seniorchef der allseits bekannten und beliebten Spieaelglasfabrik S. Bmdit & Söhne nicht mehr. — An seiner Bahre sprachen — unter großer Beteiligung von Verwandten und Freunden — Herr Rabbiner Dr. Behrens und Herr Direktor Winkler für den Verband der Spiegelglasfabriken. Ehre seinem Andenken! Mönchsroth. Einen schmerzlichen Verlust erlitt die, hiesige Gemeinde durch das unerwartete Ableben der Frau B e h r, einer Frau, die jedermann mit Rat und Tat beistand. Ihr Haus stand offen für jeden Hilfesuchenden. Schopfloch. Am 12. Februar begingen in Anwesenheit der Kinder und deren Familien Herr Moritz Herold und seine Gattin das Fest der goldenen Hochzeit. In dem geschmückten Gotteshause hielt der Lehrer und Kultusbeamte Herr Rosenstein unter Anlehnung an den Anfang des 127. Psalmes eine Ansprache an das Jubelpaar und die Gemeinde. — Der frühere Kultusvorstand der Gemeinde, Herr Fabrikant Max Rosenfeld, feierte dieser Tage im Kreise der Gesamtfamilie bei guter Gesundheit seinen 70. Geburtstag. —