Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 3 (8.3.1927)
- Article
- Aus der Geschichte der israelitischen Kultusgemeinde Fürth
- Date
- 1927-03-08
- Page
- Seite 58 (sequence 2)
- Language
- German
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58 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 3 Aus Alt-Fürth: Wirtshaus „Zum Lindwurm", Untere Königsstraße.. Renoviert Stadtbauamt. Phot.: Dr. K. Gröber. Zahlreiche Denkmäler,. Zeichen der Erinnerung, Bauten und Straßennamen, legen beredtes Zeugnis ab von dem ausgeprägten und starken Heimatgefühl der Juden Fürths, aber auch von der Verehrung, die in allen Kreisen der Bürgerschaft lebendig ist, von der Dankbarkeit, die den gefeierten. Namen jüdischer Persönlichkeiten Fürths gewahrt bleibt. Trotzdem eine Fülle von Einzeldarstellungen' sich mit Episoden und Persönlichkeiten, aus der Vergangenheit Fürths beschäftigen, ist eine umfassende Gesamtdarstellung der Geschichte der Gemeinde Fürth, noch nicht bearbeitet, eine Aufgabe der historischen Wissenschaft, die wegen der reizvollen Fülle der Nachrichten und wegen der Eigenart der Erscheinungen wünschenswert bleibt. Wir verzeichnen voll Dankbarkeit die Verdienste, die sich eine große Reihe von namhaften Männern der Wissenschaft, um die Aufhellung der Vergangenheit unserer Gemeinde, erworben haben und stellen im Folgenden die Daten zusammen, die für einen breiteren Leserkreis von Interesse sein dürften. Die Gründung der Gemeinde Fürth fällt in das Jahr 1528; fast ein Menschenalter nach der Vertreibung der Juden aus Nürnberg. In diesem Jahre erwirkte Männel (Mendel), Sohn des Weinschenken Symelin aus Nürnberg die Erlaubnis sich in Fürth niederzulassen. Dieses Recht erhielt er vom Hause Brandenburg-Ansbach, wie denn die Gemeinde Fürth ihre Blüte den Markgrafen von Ansbach-Bayreuth verdankt, und die Gemeinde selbst als Fortsetzung der alten Gemeinde Nürnberg anzusehen ist. Die fürstliche Gnade mußte freilich erkauft und durch jährliche Abgaben erhalten werden, die die gute Laune der Behörden sicherten. Da es ohne Geldopfer nicht abging, mußte ein bestimmter Wohlstand beständig vorhanden sein. Der eigentliche Aufstieg der Gemeinde, der im 16. Jahrhundert, durch den Streit um die Hoheitsrechte zwischen den Brandenburgischen Fürsten und der Dompropstei in Bamberg, sowie durch den Hader mit der freien Reichsstadt Nürnberg, aufgehalten wird, fällt in den Beginn des 17. Jahrhunderts. Nachdem bereits 1601 der erste Privatgottesdienft in Fürth abgehalten wurde, wurde 1607 von der AnSbachfchen und Bambergfchen Judenschaft ein gemeinsamer Friedhof errichtet. Als ältestes Grabdenkmal gilt das des Vorgängers Anfchel Herlingen, der am 11. November 1607 gestorben ist. Der Friedhof wurde am 27. Juli 1617 durch Ankauf eines weiteren Grundstückes erweitert, neue Vergrößerungen erfolgten in den Jahren 1653, 1718, 1724, 1751 und 1782. (Siehe das Bild Seite 62). Nachdem die Juden Fürths ihre Toten in der Heimat, statt wie bisher in Baiersdorf, begraben durften, entstanden — falls sie nicht-schön älteren Datums sind — die frommen Brüderschaften, die ausschließlich die Liebesdienste bei Sterbenden und alle Verrichtungen bis zur Beisetzung versehen, unterstützt von dem Verein der „Frommen Frauen". (Chewroth). Unmittelbar bei dem alten Friedhof lag das Spital (Hekdesch), das Krankenhaus und Pfründnerheim vereinigte, erstmalig erbaut 1655, jetzt Theaterstraße 36, erbaut 1846. Am Ende des Jahres 1880 erwarb die Gemeinde das große Areal neben dem Zentralfriedhof an der Erlangerftraße, das feit dem Jahre 1906 als Gemeindefriedhof benutzt wird, mit einer großen, geräumigen Andachtshalle und allen erforderlichen Nebenräumen ausgeftattet ist. Durch eine breite Zufahrtsstraße gelangt man über eine schlichte Freitreppe in die weite Trauerhalle, die bisher selbst einem umfangreichen Zustrom von Trauergäften, Aufnahme zu' gewähren vermag. Neben den schlichten Feldern der Reihengräber, ist ein besonderes Feld vorgesehen, zur Aufnahme von Aschenurnen. Am Eingang des Friedhofes kündet ein einfaches Denkmal die Namen der dem Weltkrieg zum Opfer Aus Alt-Fürth: Vom Stadtlexshof. Phot.: Dr. Karl Gröber.