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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-03-08 · 3 (8.3.1927) · p. Seite 57

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
3 (8.3.1927)
Article
Inhalt
Date
1927-03-08
Page
Seite 57 (sequence 1)
Language
German
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Bayerische Nachrrchtenblatt der Israelitischen Kultusgemeinöe in München unü des Verbandes Vagerischer Israelitischer Gemeinden Israelitische Gemeinöezeitung Erscheint am Anfang jeden Monats. — Verlag: V. Heller, München, Herzog Marstraße 4, Kernsprecher 9J099/ Postscheckkonto Nr. J987 München. Schristleitung: Or. Eugen Schmidt, Rechtsanwalt in München, Karlstraße 6. Vezugspreis für nicht eingewiesene Bezieher: Mark 4.— für das Jahr. Anzeigenpreis: Die 4 gespaltene mm - Zeile 40 Pfennige. Kamilienanzeigen, Stellengesuche unü ähnliche Angebote if Pfennige. 1927 München, S. März Ar. z Inhalt: Aus der Geschichte der Israelitischen Kultusgemeinde Fürth — Die Schrift — Der Mensch und die Bibel — Zur Geschichte der Israelitischen Waisenanstalt in Fürth — Aus dem Verbände — Lehrerzeitung — Aus der Gemeinde — Bücherschau — Vereine — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen des Verbandes Israelitischer Gemeinden: Tagesordnung für die Versammlung des Rats und der Tagung — Bekanntmachungen über die soziale und kulturelle Wohlfahrtsrente — Bekanntmachung über Kredite für Wohlfahrtsanstalten — Bekanntmachung der Israelitischen Kultusgemeinde München; Bekanntmachung über den Haushaltplan für das Geschäftsjahr 1927 —- Haushaltplan der Israelitischen Kultusgemeinde München für 1927 — Personalia — Kalendarium. gus der beschichte der Israelitischen kultusgememde §mth Ein Festgruß zum Verbandstage am 15. März 1927 von Rabbiner Dr. Behrens (Fürth) Die Gemeinde Fürth rüstet sich zu ihrem Ehrentage am 15. März, an dem sie die Vertreter des Bayerischen Judentums, Rat und Abgeordnete des Verbandes, die Mitglieder der Bayerischen Rabbinerkonferenz und zahlreichen Vertreter der Bayerischen Israelitischen Gemeinden, in ihren Mauern begrüßen wird. In dem Kranz der Israelitischen Gemeinden Bayerns, nimmt Fürth eine besonders intereffante und bemerkenswerte Stellung ein, auf deren Geschichte hinzuweisen in einer Stunde geboten erscheint, in der die führenden Persönlichkeiten der bayerisch-jüdischen Bevölkerung erneut zur Beratung der integrierenden Angelegenheiten, der Aufgaben und Ziele der gesamten ihr anvertrauten Gemeinschaft, zu bedeutsamer Bekundung ihres Willens und ihrer Gesinnung, zusammentreten. Der Mittelpunkt ihres Strebens ist die ideale Lebensauffassung, die ebenso sehr in der edlen Überlieferung der religiösen Gedankenwelt, wie in der schicksalgemäßen Verflochtenheit, mit der Geschichte des heimatlichen Bodens verwurzelt ist. Erweist sich das Alter zahlreicher bayerischer Gemeinden als weit zurückreichend in die Vergangenheit, tief verbunden mit der kulturellen Entwicklung des engeren Vaterlandes, so hat die Gunst der Zeiten in besonders hohem und glücklichem Maße die Sonne einer gleichmäßigen Entfaltung ihrer Kräfte der Gemeinde Fürth leuchten lassen. Durch mehr als vier Jahrhunderte läuft der Strom ihres individuellen Lebens, niemals durch gewaltsame Störungen, wie Vertreibungen und Verfolgungen, unterbrochen, soweit nicht das gemeinsame Erleben, wie der Dreißigjährige Krieg, auch hier Wunden von besonderer Art geschlagen hat, die durch Flucht, durch Lücken in der Kette der Rabbinen, sich tief in ihre Annalen eingegraben haben. Die vielhundertjährige Verbundenheit der Bevölkerung hat einen befriedigenden Modus Vivendi geschaffen, der selbst in den härtesten Proben Stich gehalten hat und selbst den harten Proben der neueren Zeit mit ihren völlig veränderten politischen Methoden, Trotz bot. Damft gewinnt Fürth eine durch Generationen behauptete Stellung, mit der keine bayerische Gemeinde sich vergleichen kann. Fürth ist die nxi -v>- die Muttergemeinde Bayerns in geschichtlich schwerster Zeit geworden. Am Ende des 18. Jahrhunderts die gefeierte Stätte des Talmudstudiums, zu der die Jünger der Wissenschaft in einer an Hochschulen armen Zeit, strebtem Neben Hamburg und Frankfurt a. M. barg Fürth eine der bedeutendsten talmudischen Lehrftätten des Zeitalters. Inmitten jener Epoche, die die Juden von 1500 bis 1550 aus ganz Bayern vertrieb, entsteht in Fürth in allmählichem Wachstum eine israelitische Gemeinde, die, von starken Traditionen getragen und zusammengehalten, zu hoher Blüte gelangt und die Entwicklung der eigenen Heimat außerordentlich glücklich befruchtet hat. Die Gemeinde Fürth, ist in ihrem Werden und Entstehen nur dadurch erklärlich, daß nach der Vertreibung der Juden aus Nürnberg im Jahre 1499, eine jüdische Kolonie in der Nähe dieses hervorragenden Verkehrszentrumö unentbehrlich war. Die Familienzahl war in Fürth nie beschränkt, ein Hindernis seitens des Staates hat es nie gegeben. Arbeitsfreude, Bürgertugend, Familienadel haben hier eine sorgsame Pflegeftätte gefunden. Wie die Söhne Fürths den Namen der Heimatgemeinde weit hinausgetragen haben in die Welt und ihm Treue hielten, so haben die Angehörigen der Gemeinde Fürth, ebensosehr die Werke der Nächstenliebe und die Pflege der Religion und der Wissenschaft in den eigenen Kreisen gefördert, wie sie ihre Heimatstadt mit hochherzigen Stiftungen, mit bedeutsamen Schöpfungen schmückten, und in Wort und Tat niemals aufgehört haben, an bedeutender Stelle der Wohlfahrt der Stadt zu dienen.

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