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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-02-09 · 2 (9.2.1927) · p. Seite 47

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
2 (9.2.1927)
Article
Zurück zur Scholle
Date
1927-02-09
Page
Seite 47 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 2 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 47 den Boden bearbeiten, ein Antisemitismus nicht aufkommen konnte und so die Abwehr einen neuen wertvollen Impuls bekomme. So wurde dieser Abend für viele ein Ereignis, und die sich im Anschluß an das Referat entwickelnde, Diskussion zeigte brennendes Interesse für die aufgeworfenen Probleme. Unter großem Eindruck der Versammlung versprach Herr Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer die tatkräftigste Unterstützung dieser Sache seitens der bayerischen Gemeinden und betonte das Interesse, das die jüdische Allgemeinheit dem Siedlungsgedanken entgegenbringen müsse. Die Gutsbesitzer Kommerzienrat Schülein und Rosenthal begrüßten die vom Vortragenden aufgeworfenen Ideen und betonten die großen Schwierigkeiten, die sich besonders bei uns in Bayern einem solchen Versuch entgegenstellten. Herr Glasermeister Böhm brachte mit kernigen Worten zum Ausdruck, welch große Bedeutung gerade das Handwerk im Kampf mit dem Antisemitismus besitze und zeigte an seinem Arbeitskreis ein Stück praktischer Abwehr. In seinem Schlußwort aber begeisterte Herr Sandelowsky durch die Kraft seiner Ausführungen nochmals die Zuhörer, die sicher manche Anregung von dem Abend mit nach Hause nahmen. — Nun wird es sich zeigen, ob die, Idee auch ihre praktische Durchführbarkeit beweisen kann, ob der Ruf nach Beteiligung und Unterstützung ein entsprechendes Echo erfährt. Die Forderung „Zurück zur Scholle" geht nicht nur den einzelnen an, sie trägt die Verpflichtung für alle in sich, dem Werk zum Erfolg zu verhelfen. Niemand aber hat ein Recht, hier abseits zu bleiben. Darum frisch auf zur Tat, zeichnet die Anteilscheine für das Siedlungswerk des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Dr. Franz Gutmann. Coßmann-Werner-Bibliothek Der Ausbau der Coßmann-Werner-Bibliochek der Israelitischen Kultusgemeinde München schritt im letzten Jahre weiter fort. Durch die von den Gemeindekollegien bewilligten Etatsmittel konnten viele Neuerscheinungen auf dem Gebiete der jüdischen und hebräischen Literatur angeschafft und viele Werke ergänzt werden, so unter anderem das achtbändige Werk von Lazarus Goldschmidt: „Der babylonische Talmud". Demnächst wird eine Abteilung für Synagogenmusik eingerichtet. Die Bibliotheksverwaltung ist hierzu durch die hochherzige Schenkung unseres ersten Kantors, Herrn Emanuel Kirschner, in den Stand gesetzt worden, der einen großen Teil seiner Synagogengesang und -Musik umfassenden Sammlung der Bibliothek gestiftet hat. Für diese vorbildliche Unterstützung spricht die Bibliothek Herrn Kantor Kirschner ihren besonderen Dank aus. Dieser Abteilung werden auch die handschriftlichen Aufzeichnungen des Lehrers und Kantors Moritz Maier sei. And., die den gesamten gesanglichen Teil unseres hiesigen Gottesdienstes umfassen und die Frau Olga Maier in dankenswerter Weise der Bibliothek überwiesen hat, eingefügt, ebenso mehrere Kompositionen des verewigten Kantors Maximilian Löwenstamm, die sein Sohn, Herr Eugen Löwenstamm, gütigst der Bibliothek übergeben hat. Diese Abteilung soll Gelegenheit bieten, den jüdischen Gottesdienst in seiner musikalischen Ausgestaltung, zu studieren. Die Bibliothek ist an fünf Wochentagen (Montag, Dienstag und Donnerstag von 5—7, Freitag von 2—4 und Sonntag von 10—12 Uhr) geöffnet. Im Lesezimmer liegen außer den wichtigsten jüdischen Zeitungen in deutscher und hebräischer Sprache noch mehrere Zeitschriften auf, so Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, Jeschurum. Der Morgen, Menorah, Zeitschrift der Deutsch-Morgenländischen Gesellschaft, Zeitschrift des Deutschen Palästtna-Bereins, Kirjath, Sefer, Kreatur u. a. F. Israelitische Volksschule Die Einschreibung an der Israelitischen Volksschule München findet, wie an allen anderen Münchner Schulen, Mittwoch» den 23. Februar 1927, 8—12 Uhr vormittags, statt: Kinder, welche in die 1. Klasse, eintreten, melden sich zu dieser Zeit im Schulraum, Herzog-Rudolf-Straße 5/1. Schüler und Schülerinnen, welche aus anderen Schulen in die Israelitische Volksschule übertreten wollen, melden sich bei ihrem bisherigen Lehrer ab. Die Umschulung erfolgt dann von Amts wegen. Vorerst können nur Schüler und Schülerinneu in die untersten 4 Klassen ausgenommen werden. Alles Nähere ist den Bekanntmachungen der Stadtschulbehörde zu entnehmen. Israelitische Volksschule München. vückerschau Die Schrift Von „Die Schrift", zu verdeutschen unternommen von Martin Buber gemeinsam mit Franz Rosenzweig, erschien soeben der dritte Band: Das Buch „Er rief". — Wir verweisen unsere Leser auf das Inserat der „Ewer"-Buchhandlung in dieser Nummer. Die Werke von Buber und Rosenzweig wird die „Ewer"- Buchhandlung an den Vortragsabenden am 12., 13. und 14. Februar im Herkules-Saal ausstellen. Anger Erich, Das Problem der mythischen Realität. Verlag David, Berlin, 1926. In diesem Vortrag will Unger eine Einführung in das Werk von Oskar Goldberg: „Die Wirklichkeit der Hebräer, Einleitung in das System des Pentateuch", geben. Hoffentlich ist das Werk für weitere Kreise verständlicher geschrieben als dieser Vortrag mit seiner schwierigen Deduktion schwieriger religionsgeschichtlicher Probleme. Unger-Goldberg wollen eine Neuorientierung der Vorstellungen vom Alten Testament geben. Sie lehnen alle bisherige Bibelforschung ab, weil sie entlegene Zeiten mit Gegenwartsvorstellungen mißt und vergißt, daß für jene die Götter nicht Phantasiegebilde, sondern sehr reale Mächte und Wirklichkeiten waren. Diese beiden kritischen Grundgedanken sind zwar nicht neu, aber richtig. Die Auslegung jedoch, wie die alten Mythen als reale Wirklichkeiten zu erklären sind, nach Unger nämlich als biologische Kraftzentren eines Volkes, mutet selber wie eine jener Theorien der Mythologie und Ethnologie an, die er sonst ablehnt. Interessant und überzeugend erscheinen einige neuartige Erklärungs- und Übersetzungsproben aus dem Pentateuchwerk Goldbergs und erwecken den Wunsch, die anscheinend großangelegte Schrift, in die Unger einführen will, näher kennenzulernen. Dr. F. Vertretung: BAYERN-AUTO G.m.b.H.,Paul BUICK die Weltmarke in 127 Ländernivertreten Der moderne, populärste 6-Zylinder Neues Modell 1927 bereits lieferbar •Heyse-Str.9,Tel 58422/fewffi£

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