Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 2 (9.2.1927)
- Article
- Ortsgruppe München des jüdischen Frauenbundes
- Date
- 1927-02-09
- Page
- Seite 46 (sequence 1)
- Language
- German
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46 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 2 müssen. Bei Freud wurde die Überbetonung der Sexualität abgelehnt, bei -Adler die Überbetonung des Machtgedankens, seine Negierung einer angeborenen Begabung, die besondere Art seiner Ermutigung. Die, Vortragende stellte der Triebfreiheit die Freiheit der Persönlichkeit gegenüber, so wie sie sich Schiller dargestellt hat, der erklärte: der Mensch ist frei und wäre er auch in Ketten geboren. Die Moral, die 10 Gebote gäben uns die Antwort. Sie verlangten nicht die Verneinung der Triebe, sondern sie forderten ethische Freiheit. — Die klugen und interessanten Ausführungen fanden verdienten Beifall. Die neuere Psychologie kam be,i dem Referate wohl etwas schlecht weg. Daß man heute mehr zu ärztlich-pädagogischen Vorträgen als zu fachpädagogischen Vorträgen geht, entspricht dem gesunden Bedürfnis, das Gute zu nehmen, wo man es findet, ohne sich um die Zuständigkeit viele Sorgen zu machen. Die wohl mit Recht betonte Überspannung der Sexualität bei Freud wird durch Gesühlsmomente nicht wirksam genug widerlegt. Daß bei Alfred Adler der Machtgedanke überbetont, oder gar die Moral verdrängt sei, ist wohl nicht richtig, denn nichts ist bei Alfred Adler stärker betont als die unzerstörbare Macht des Gemeinschaftsgefühls, die immanente Logik des menschlichen Zusammenlebens, also mit den Worten der Referentin „die im Unterbewußtsein wurzelnde Moral". Die etwas prononcierte, Stellungnahme Adlers zur Frage der Begabung bietet natürlich Angriffsflächen genug. Diese Stellungnahme dient aber nur der Aufgabe, Grenzen hinauszuschieben für die Entwicklung, wo in Wirklichkeit keine vorhanden sind, sondern nur die Angst. Keineswegs schließt diese Stellungnahme aus, zu ermuntern und zu ermuttgen, auch auf Gebieten, wo sich ein Kind leicht tut, oder, wenn man so will, wo es begabt ist. Daß die neuen Methoden der Psychologie von unberufenen Händen mißbraucht werden, ist bedauerlich, abe,r keine Schuld dieser Methoden. Denn, wie die Rednerin richtig bemerkte, es kommt auf die Persönlichkeit an. S. Ortsgruppe München des Jüdischen Frauenbundes. Am Donnerstag, dem 10. Februar 1927, spricht Frl. Dr. Julie Meyer (Nürnberg) über „Die Jugendbewegung und ihr Einfluß auf die Kultur der Gegenwart" im Bibliotheksaal der Gemeinde, Herzog-Max- Straße 7/II. Die Geschichte der Juden in Dichtung und Lied In einer Konzertveranstaltung der Lehrkurse unserer jüdischen Gemeinde am 19. Januar im Herkulessaal erfreute der Berliner Oberkantor Magnus D a v i d s o h n die Zuhörerschaft durch seine hochentwickelte Sing- und Sprechkunst. Diese allein wäre wohl kaum imstande gewesen, anderthalb Stunden hindurch, von der ersten bis zur letzten Minute, die restlose Anteilnahme, die gespannteste Aufmerksamkeit sich zu erzwingen, besäße der Meistersänger nicht auch die Fähigkeit, den seelischen Stimmungsgehalt seiner gesanglichen und rezitatorischen Vorträge, ihre zumeist jüdische Eigenart, zu erfassen und die Saiten im Herzen seiner ergriffen lauschenden Hörer zum Mitschwingen zu bringen. Reiche Gelegenheit hierzu und zur Entfaltung seines künstlerisch behandelten, in allen Lagen wohlklingenden Baßbaritons bot dem Vortragenden das anspruchsvolle Programm: „Die Geschichte der Juden in Dichtung und Lied", entnommen dem biblischen und nachbiblischen Stoffkreise. Unterstützt von der Mitwirkung des trefflich geleiteten jüdischen Gesangvereins und des Komponisten Schalit, hinterließ Davidsohn ttefe, nachhaltige Eindrücke, die den allseitigen Wunsch nach einem ähnlichen künstlerischen Erlebnis in absehbarer Zeit begreiflich erscheinen lassen. Bedauerlich bleibt aber die Feststellung eines beschämend geringen Interesses weitester Kreise an solchen Veranstaltungen. r. „Zurück zur Scholle" Der am 20. Januar im Saale den Gesellschaft Museum vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe München, veranstaltete Vortrag des Gutsbesitzers A. Sandelowsky aus Norgehnen (Ostpreußen) über „Judentum und Landwirtschaft", fand eine äußerst zahlreiche und interessierte Zuhörerschaft. — In Anbetracht des für das deutsche, Judentum äußerst wichtigen Themas hatte sich für die Einladung ein Komitee gebildet, dem der Gemeinderabbiner Herr Dr. L. Baerwald, die beiden ersten Vorsitzenden der Gemeinde, Herr Oberlandesgerichtsrat Neumeyer und Herr Justizrat E. Strauß, und der Vorsitzende der CV.-Ortsgruppe, Herr Dr. L. Wassermann, angehörten, und so wuchs dieser Abend schon dadurch weit über einen reinen Vereinsvortrag hinaus. Der Vortragende, der aus einer Landwirtsfamilie stammt, und seit seiner frühen Jugend auf dem Lande lebt und gearbeitet hat, verstand es, die zahlreichen Zuhörer in besonderer Weise zu fesseln. Seine reichen Erfahrungen, in einem für uns Großstädter fremden Lebenskreis, vermittelte uns ein Erlebnis besonderer Art. — Der Vortragende führte aus, daß gerade der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten mit seinen Zehntausenden von Mitgliedern, welche einst für den deutschen Boden gelitten und gestritten haben, besonders geeignet erscheint, die Idee „Zurück zur Schotte" zu propagieren. Mit dieser Idee, soll ein Werk der Gesundung geschaffen werden und neue Kräfte für Vaterland und Judentum gewonnen wer- Sandelowsky zeigte an Hand einer Reihe von treffenden Beispielen, daß gerade bei uns Juden ein immer stärker werdendes Großstadtproletriat in der Bildung begriffen sei, und daß es eine Pflicht und eine Notwendigkeit sei, hier Abhilfe zu schaffen. Aber der Feldzug „Zurück zur Schotte", der geführt werden müsse, solle auch ebenso der inneren Gesundung unserer Glaubensgemeinschaft, wie der der äußeren Beruhigung in unserem Vaterland dienen. Denjenigen unserer Glaubensgenossen aber, die das ernste Streben und den Willen zum Lande haben, soll eine Existenzmöglichkeit geschaffen werden, die ihnen wenigstens den notwendigsten Lebensunterhalt garantiert. Dort, wo verhetzte Gruppen dem jüdischen Landwirt die Lust zum Siedeln erschweren, soll er von einer starken Organisation gestützt und beraten, durch die Tat seine Eignung beweisen. Aber auch aus ethischen Gründen kann und muß die Idee gepflegt we,rden, bedeutet sie doch eine gewisse Regeneration einer, durch geschichtliche Entwicklung bedingten einseitigen Berufsbildung. Sandelowsky erklärte, daß überall dort, wo auf dem Lande Juden mit ihren Volksgenossen Hand in Hand Neuheiten in Herren- und Damen-Stoffen Feinste deutsche und englische Fabrikate 7/Jeinberyerr^ ><^CHENx^RINDERMARKT= 7^3^ Wsinger