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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-02-09 · 2 (9.2.1927) · p. Seite 45

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
2 (9.2.1927)
Article
Tagung des Frauen-Bundes
Date
1927-02-09
Page
Seite 45 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 2 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 45 Ijabe, sei für sie besonders schwer gewesen, heute gäbe es kein Zurück mehr, es gelte neue Ideale zu schaffen, persönliches Leben mit sozialem Empfinden zu durchsetzen. Die Vorsitzende dankte der Rednerin, die reicher Beifall lohnte. Geselliges Beisammensein bei musikalischen und rednerischen, ernsten und heiteren, ideellen und materiellen Genüssen vereinten Einheimische und Gäste. Der nächste Tag war ein Arbeitstag; er begann mit den ernsten Nachrusworten für die Seniorin Kathi Haymann, brachte die Verlesung des Protokolls der letzten Versammlung und den Bericht der Arbeitsleistung des Verbandes und seiner Vereine. Der Kassabericht zeigt zwar ein regelmäßigeres Beitragszahlen, aber noch große Ebbe. Die Wahl des bisherigen Vorstandes wurde zur Wiederwahl. In der Fortsetzung der Tagesordnung standen drei Anträge zur Diskussion. Der e r st e galt der produktiven Erwerbslosenfursorge. Die Begründung wurde in ihrer sachgemäßen Weise anerkannt, löste aber lebhafte Debatten aus und zeigte eine gewisse Mutlosigkeit der Durchführung gegenüber. Zwei Anträge hierzu wurden einstimmig angenommen; der erste gilt der Anregung an alle Vereine zu einem Versuch im Sinne des Antrages zu handeln; der zweite einer Eingabe an den Verband Israelitischer Gemeinden, diese Versuche womöglich mit Mitteln zu unterstützen. Der zweite führte in seiner Begründung die Notwendigkeit der Haushaltungsschule in Wolfratshausen vor Augen und brachte in seiner Verfolgung die verschiedensten Vorschläge, sowohl zur pekuniären Unterstützung, wie zur Verbreitung der Idee,. Der dritte Antrag der Tagesordnung galt der Werbung zur Gründung von Ortsgruppen, Gewinnung und Zusammenschließung auch der kleinsten Vereine und zeigt die Wege, die zu diesem Zweck zu gehen sind; er warb um Bildung einer Propagandakommission, zu der die Frauen Krämer, Auerbach und Wilmersdörser bestimmt wurden. Nach der Mitteilung, daß die Pfalz sich zu einem Zweckverband zusammenschließen mußte und nach Festsetzung einer zu zahlenden Pauschalsumme für diesen Verband schloß die Sitzung. Nach einer kurzen Mittagspause fuhren die Delegierten in Autos nach Wolfratshausen, wo sie das Kinderheim und die Haushaltungsschule besichtigten und die besten Eindrücke für die gewünschte Propaganda mit nach Hause nahmen. Der Abend brachte bei übervollem Saal die interessantesten Ausführungen über „Wege und Irrwege der modernen Erziehungslehre" von Frau Dr. Strauß (München). In meisterhafter Weise führte die Referentin in das neue Leben auf dem Gebiete der Erziehung ein; nicht mehr der Pädagoge, sondern der Psychiater habe jetzt das erste Wort. Die Lehre Freuds, die selbst im zarten Kindesalter schon sexuelle Einflüsse sehen wolle, und Adlers sind überholt durch die Einstellung Prof. Jungs und das Wichtigste erscheint der Einfluß, daß wir unsere Kinder oder Mitmenschen zurück zu den zehn Geboten führen, in denen die Grundlehren aller Pädagogik enthalten sind. Wir sollen von ihnen nicht mehr verlangen als Gott von uns. In der Diskussion kamen hauptsächlich Pädagoginnen zu Wort, von denen die eine betont haben wollte, statt Psychiater sei Psychologe zu setzen. Im Schlußwort weist die Referentin darauf hin, daß Freud und Adler „Provinzen der Seele" gegeben hätten, der richtige Weg zur Erziehung aber Pädagogik und Psychologie zugrunde legen müsse. Der Vortrag hinterließ den tiefsten Eindruck und unter dessen Nachwirkung schloß die Vorsitzende mit warmen Dankesworten die Versammlung. H. Am 1. Februar beging im jüdischen Schwesternheim Schwester Laura Hahn ihr 20jäyriges Dienstjubiläum. Aus diesem Anlaß wurden ihr nebst zahlreichen Gratulationen eine gleiche Fülle von Blumen und namhaften Geschenken von Freunden und ehemaligen Patienten aus jüdischen und nichtjüdischen Kreijen gewidmet. Schwester Laura war außer ihrer Pflege für die Klinik seit 18 Jahren in der jüdischen Fereienkolonie in Krumbach alljährlich ini Sommer mit den Kindern als Pslegeschwester tätig und es wurde ihr von seiten der Kinder der Ferienkolonie am Dienstag nachmittag in der Klinik ein sehr gelungenes Spiel zum Zeichen des Dankes der Kinder geboten. Schwester Laura erfreut sich allgemeiner Beliebtheit. Möge es ihr vergönnt sein, noch viele Jahre zum Segen der Mitmenschen und zu ihrer eigenen Befriedigung tätig zu sein. d Wege und Irrwege modernen pädagogischen Forschens. Über obiges Thema sprach Montag, den 16. Januar, Frau Erna Straus im Rahmen der Tagung des „Jüdischen Frauenbundes" im Sitzungssaal der Gemeinde. Die Rednerin wies mit Recht darauf hin, daß Theorie und Können nicht identisch sei, daß aber trotzdem der Theorie eine gewisse Bedeutung für die Praxis nicht abgesprochen werden könne. Der Maler studiere Kunstgeschichte und Anatomie, der Komponist Kompositionslehre. So könne die Theorie auch für die Erziehung förderlich sein. Hiervon ausgehend wandte sich die Rednerin den modernen pädagogischen Richtungen zu und wies darauf hin, daß man in pädagogischen Dingen vielfach nicht mehr zum Lehrer, sondern zum Arzt gehe. Dies zeige unter anderem der starke Besuch des Münchener Vortrages von Dr. Alfred Adler (Wien). Diese Einstellung sei bedauerlich, denn Ärztliches und Erzieherisches sei voneinander zu trennen. Beide hätten allerdings Gemeinsames auf dem Gebiete der Psychologie. Und in den neuen Erkenntnissen der Psychologie, die die ärztliche Wissenschaft gebracht habe, sei allerdings auA für die Pädagogik Wertvolles zu finden. Die geniale Entdeckung Freuds von der Bedeutung des Unterbewußtseins schaffe für die Pädagogik wichtige Folgerungen. Im wesentlichen glaubte die Vortragende jedoch von den hauptsächlich in Betracht kommenden Richtungen der neuen Psychologie, Freud und Adler, wenigstens für die Pädagogik, abrücken zu ijeWüivtfc Aeit 50 ofa&ten Öffein^ctttcitun« deA ^ÖöftümiAcA

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