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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-01-07 · 1 (7.1.1927) · p. Seite 1

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
1 (7.1.1927)
Article
Inhalt
Date
1927-01-07
Page
Seite 1 (sequence 1)
Language
German
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Nachrichtenblatt üer Israelitischen Kultusgememüe in München unü öes Llerbanöes bayerischer Israelitischer Gemeinöen Vagerische Israelitische Gemeinüezeitung Erscheint am Anfang jeöen Monats. — Verlag: S. Heller, München, Bezugspreis für nicht eingewiesene Bezieher: Mark 4.— für öas Herzog Marstraße 4/Kernsprecher 550--, Postscheckkonto Nr. )5S7 München. Jahr. Anzeigenpreis: Oie 4 gespaltene mm - Zeile 40 Pfennige. Bchristlektung: Or. Lugen Bchmiöt, Rechtsanwalt in München, Karlstraße 6. Kamilienanzeigen, Stellengesuche unö ähnliche Angebote 15 Pfennige. 19*7 München, 7. Januar Hr.f Inhalt: Spinoza im Urteil seiner Zeitgenossen — Über jüdische Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern — Ein versunkener jüdischer Friedhof — Sabbatpredigt zum Wochenabschnitt Schemot — Neue Beiträge zur Geschichte der Juden in Bamberg — Aus dem Verbände — Lehrerzeitung — Aus der Gemeinde —; Bücherschau — Vereine — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Betreffend: die Veräußerung von Kultstätten und Kultusgegenständen und die Erhaltung des gemeindlichen Besitzes — Betreff: Gewährung einer einmaligen Notzuwendung an Beamte usw. — Betreff: Beamtenbezüge ab 1. April 1926 — Betreff: Bestellung eines Kassiers für den Bezirksausschuß Kitzingen — Personalnachrichten — Kalendarium. Spinoza im Urteil seiner Zeitgenossen Von Dr. Hans Taub Schopenhauer hat einmal angeregt, eine tragische Literaturgeschichte zu schreiben. Er wollte damit andeuten, wie verdienstvoll es wäre, darzutun, wie den Großen der Menschheit die eigenen Land- und Zeitgenoffen das Leben sauer machten und wie die führenden Geister sich jeden Zoll ihres Schaffens im Kampfe mit der lebenden Generation förmlich erobern mußten, bis endlich die späte Nachwelt ihnen den verdienten Lorbeer reicht. Ist doch die Lebensgeschichte des Genies sehr oft ein Leidensweg, nicht selten sogar eine Tragödie. Namentlich die Geschichte der großen Denker des 16. und 17. Jahrhunderts — man erinnere sich nur an Giordano Bruno, der auf dem Scheiterhaufen endete und an den etwa dreißig Jahre jüngeren Luilio Vanini, dem am 19. Februar 1619 in Toulouse vor seiner Verbrennung die Zunge herausgeriffen wurde — ist mit Blut geschrieben. In diese furchtbare Periode schwerster religiöser Erschütterungen, deren Sinnbild für uns Deutsche der 30jährige Krieg ist, fällt auch das Leben Spinozas, dieses kurze und doch so gewaltige Leben, das kaum mehr als 44 Jahre umfaßt (1632 — 1677). Wer einen tiefen und unmittelbaren Einblick in diesen einzigartigen Menschen gewinnen, wer sein nach außen so bewegtes, nach innen so sanftes und stilles Erdenwallen gewiffermaßen m i t e r - leben will, greife zu einem Buche, das als die schönste aller Spinozabiographien anzusprechen ist: „Maledictus und Benedictus."' Dieses Buch gibt keine Biographie im landläufigen Sinne. Y Ernst Al 1 kirch: Maledictus und Benedictus. Spinoza im Urteil des Volkes und der Geistigen bis auf Constantin Brunner. Leipzig 1924. Verlag von Felix Meiner. Es enthält die bedeutsamsten Dokumente aus dem Leben des großen Mannes, aus denen der Leser den Inhalt selbst ablesen mag. So tritt in diesem Buche der Verfasser nach einer gewichtigen Einführung vollständig hinter den Gegenstand zurück, der indes wahrlich mächtig genug ist, uns noch heute zu erschüttern. Dies gilt vor allem von dem ersten Teil des Werkes: „Spinoza und seine Zeitgenossen", während der zweite Teil „Spinoza im Urteil der Nachwelt" zwar auch noch reichlich mit Perfidien durchsetzt ist, aber infolge der großartigen Bekenntnisse eines Ioh. Chr. Edelmann, Lavater, Herder, Goethe', Schleiermacher, Schelling, Renan zu „unserm Heiligen"^ schließlich doch wie ein brausender Orgelklang auSklingt. Beansprucht also der zweite Teil, über dem sich mehr und mehr der BenedictuS Spinoza (der Gepriesene) erhebt, vorwiegend literarisches Interesse, so ist der weniger umfangreiche erste Teil, der vorwiegend dem Maledietuö (dem Verfluchten) gilt, ein doeument humain ersten Ranges. Man könnte ihn dahin zusammenfaffen, daß, was Altkirch bereits in der Einleitung andeutet, Spinoza zu seinen Lebzeiten nur von vier Menschen in seiner ganzen Größe wenigstens zuweilen geahnt ', von seinen Freunden mißverstanden und von seinen ' „Ich lese mir Frau v. Stein die Ethik des Spinoza. Ich fühle mich ihm sehr nahe, obgleich sein Geist viel tiefer und reicher ist als der meinige." Goethe an Knebel am I I. November 1784. 3 Goethe über Spinoza an Frau v. Stein am 19. November 1784. ' Vom Deutschen Heinrich Oldenburg rm^d^^olländern Simon de Vries, Cuffeler und Lukas.

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