Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 12 (3.12.1926)
- Article
- Dr. Menki Ichenhäuser [Nachricht]
- Date
- 1926-12-03
- Page
- Seite 317 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 Bayerische Israelitische Gememdezeilung 317 plus der Gemeinde Am 10. Oktober verschied zu Meran, wo er zur Erholung weilte, Herr Dr. Menki Jchenhäuser im Alter von 44 Jahren. Der Verlebte entstammte einer alten angesehenen Familie zu Fürth und erfreute sich in weitesten Kreisen als Arzt und Mensch größter Hochschätzung. Mit der Frau und Familie beklagen viele Freunde sowie Patienten den bescheidenen Mann, der zahlreichen Bedürftigen ein treuer Berater und Helfer war. Jüdische Lehrkurse im Dezember. I. Dr. E. Brandenburg: Einführung in die Kultur und Kunst des alten Orients u. deren Einflüsse auf die Kultur der Gegenwart. Vortragsserie, mit Lichtbildern: 1.12. 26 — 4. Abend: Die Hettiter und der Jnselkreis. 8.12.26 — 5. Abend: Palästina. 15.12.26 — 6. Abend: Die Einflüsse des alten Orients auf den Occident und bis heute. Jeweils Mittwoch von 7.15 Uhr bis 8.15 Uhr im Bibliotheksaal. II. Studienprofessor Dr. H. Klugmann: Gestalten der jüdischen Geschichte in diasterischem Gewände. 1.12.26 —• 4. Abend: „Herodes und Mariamne" von Friedrich von Hebbel. 8.12.26 — 5. Abend: „Uriel Akosta" von Karl Gutzkow. 16.12. 26 — 6. Abend: „Nathan der Weise" von G. E. Lessing. Jeweils Mittwoch von 8.30 Uhr bis 9.30 Uhr im Vibliotheksaal. III. Soziale Arbeitsgemeinschaft: Die soziale Diagnose. Leitung: Dr. med. et phil. W. Eliasberg, Großhesselohe. 30.11.26 — 4. Abend: Dr. Menne (Vorstand des städt. Berufsamtes München): „Soziale Diagnose vom Standpunkt des Berufsberaters". Weitere 2 Abende am 7. und 14.12.1926. Jeweils Dienstag von 6.30 Uhr bis 8 Uhr im Bibliotheksaal. IV. Historische Arbeitsgemeinschaft: Dr. L. Feuchtwanger: Das neue Testament und seine Beziehungen zum Judentum. Lektüre und Studium der jüdischen Quellen. 30.11.26 — 3. Abend. 14.12. 26 — 4. Abend. Jeweils Dienstag von 8.15 Uhr bis 10 Uhr im Beratungszimmer. Auf vielseitigen Wunsch fiel wegen des Chanukkah-Festes der dritte Abend der Historischen Arbeitsgemeinschaft am 30. November aus. Die nächsten zwei Abende finden am 14. Dezember 1926 und 11. Januar 1927 statt. V. Pädagogische Arbeitsgemeinschaft: A. Schaalmann: Das Kind in den ersten vier Schuljahren. 2.12.26 — 4. Abend: Hofrat Dr. Doernberger:.„Gesundheitspflege des Schulkindes". 9.12. 26 — 5. Abend: „Religiöse Erziehung". Jeweils Donnerstag 8.15 Uhr bis 10 Uhr im Bibliotheksaal. Der bisherige Verlauf der Abende ergibt die Notwendigkeit, die noch ausstehenden Themen im Frühjahr 1927 zu behandeln. Weitere Ankündigung darüber wird noch in der Gemeindezeitung erfolgen. Jüdischer Wohlfahrtsfilm: Ein Freitagabend Die Vorführung dieses Films, die für 12. Dezember 1926 vorgesehen war, wird aus das Frühjahr 1927 verschoben, da der Film noch durch Aufnahme bayerischer Wohltätigkeitsanstalten ergänzt werden soll. Näheres wird an dieser Stelle noch bekanntgegeben. Ergebnisse meiner letzten Forschungsreise in Palästina 1925/26. Ende Oktober sprach Dr. E. Brandenburg über die Ergebnisse seiner letzten Forschungsreise. Der Referent, auf dessen zur Zeit stattfindenden ausgezeichneten Vortragszyklus über „Kultur und Kunst des alten Orients" wir nochmals ausdrücklich Hinweisen, führte folgendes aus: Wer im Leben seine eigenen Wege geht, sich besonders in wissenschaftlichen Dingen nicht an die „Schulmeinungen" kehrt, der wird natürlich vom großen Publikum, das blind den sog. Autoritäten folgt, nicht verstanden werden. Außerdem pflegt die „offizielle Wissenschaft" solche Außenseiter nach Kräften zu ignorieren oder zu bekämpfen, was an und für sich ziemlich irrelevant wäre, wenn dadurch leider nicht oft die wahre Forschung ernstlich gefährdet würde; ich denke nur an den genialen Eduard Glaser, der durch solche Machenschaften, verbunden mit Antisemitismus, zugrunde ging, statt daß man seine Forschungen, die ersten grundlegenden über Arabien, förderte und unterstützte! Der Kreis nun aber, vor dem ich heute spreche, bildet in bezug auf das eben Gesagte durchaus eine Ausnahme, denn wenn ich auch, und zwar mit vollem Bewußtsein, immer meine eigenen Wege gegangen bin und deswegen „selbstverständlich" auch angefeindet wurde, so hat das aber die leitenden Persönlichkeiten der Kultusgemeinde keineswegs gehindert, meinen Arbeiten volles Verständnis entgegenzubringen und sie zu fördern, wie sie es nur immer konnten! Daher möchte ich der Gemeinde in der Person der Herren Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, Dr. Baerwald und Dr. E. Straus auch bei dieser Gelegenheit meinen aufrichtigen Dank aussprechen! Als ich im Mai d. I. von meiner letzten Reise zurückkam, war es zu spät, um noch einen Vortrag zu halten, und darum erfülle ich jetzt, ich kann nur sagen eine freudige Pflicht, wenn ich Ihnen über die Ergebnisse derselben berichte. Wissenschaftliche Ergebnisse. Wie Sie es teils aus früheren Vorträgen oder Arbeiten in der „Bayr. Jsr. Gem.-Ztg." wissen, ist mein Spezialgebiet die Felsarchitektur, d. h. die Erforschung aller Objekte, die aus dem lebenden Fels gemacht sind, besonders solcher sakralen Charakters, wie Kultgrotten, Felsaltäre usw. 1913, 1923 und 1925 untersuchte ich namentlich die Umgebung Jerusalems, und das Gesamtergebnis scheint auf den ersten Blick überraschend, sogar befremdlich zu sein: nämlich daß sich gerade dort, wo lange Jahrhunderte der Mittelpunkt des jüdischen Glaubens, der Theokratie sogar war, eine relativ große Anzahl von Kultobjekten in Felsarchitektur durchaus nicht-jüdischer, sagen wir ruhig kanaanitischer Art oorfindet, während man doch eigentlich annehmen sollte, daß diese Überbleibsel heidnischer Kulte besonders durch die „Orthodoxie" zur Zeit ihrer Herrschaft vertilgt worden wären. Wie erklärt sich nun dieser scheinbare Widerspruch? Curtiß hal ein dickes, dreibändiges Werk geschrieben, in welchem er nachweist, daß der Islam der heute noch in Palästina lebenden Fellachen und Araber eigentlich kein solcher ist, sondern nur ein mit einem notdürftigen Mäntelchen behängtes Heidentum kanaanitischer Provenienz. Nun ist es aber nur ein logischer Schluß, daß, wenn von den ältesten Zeiten bis zum Beginn der jüdischen Ära und auch nach derselben bis heute kanaanitischer Götzenkult in Palästina lebte und noch lebt, er auch während der jüdischen Herrschaft existiert haben muß! Ganz von den einzelnen Stellen abgesehen, haben wir ja auch den Beweis dafür in der Bibel, denn wie ein roter Faden geht die ewige Klage der Propheten durch deren Schriften, daß die Juden immer wieder zu den alten Kulten abfallen! Seidenhaus J.Haimann A.-G., München Gründungsjahr 1845 Maximiliansplatz 12 Gründu^gsjahr 1845 SPEZIALHAUS GROSSEN STILS FÜR SAMT UND SEIDE Geschäftsstellen: KREFELD — ZÜRICH — MAILAND - LYON — PARIS