Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 12 (3.12.1926)
- Article
- Der Breslauer K.-C.-Tag
- Date
- 1926-12-03
- Page
- Seite 314 (sequence 2)
- Language
- German
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314 Bayerische Israelitische Gemeindezeilung Rr. 12 geschäftsführende Ausschuß wurde neu gewählt. Eine Reihe von Persönlichkeiten, die auch außerhalb des K.C. im deutschen Judentum bekannt sind, wurden in den G.-A. gewählt: 1. Berliner Mitglieder: Richard Auerbach, Berlin (Bav., Thur.); Hermann Berlak, Berlin (Sprev., Ghib.); Franz L. E. Fuchs, Berlin (Dav., Sprev.); Ludwig Holländer, Berlin (Lic.); Hans Lennhoff, Berlin (Sil., Rhen.-Pal., Sprev.); Ludwig Mayer, Berlin (Lic., Rhen.-Sil.); Erwin Rofenow, Berlin (Sprev.-Ghib.); Erich Stern, Berlin (Ghib., Rhen.-Sil. Alb.); Dipl.-Jng. Sally Sandelowsky (Bin.),.Berlin. Auswärtige Mitglieder: Julius Bier, Köln (Rh.-Sil., Lic., Rh.-Guest.); Hugo Ehrlich, Tilsit (Sprev., Frib.); Erwin Friede, Hannover (Lic.); David Krombach, Essen (Thur.); Max Mainzer, Frankfurt (Bad.-H., Spr., Bad- K.); Ernst Rosenthal, Breslau (Thur.); Eugen Schmidt, München (Lic.); Fritz Schindler, Beuchen (Biadr.-B.); Siegfried Urias, Hamburg (Ghib., Hans., Sax.); Georg Klein (Lic.-Rass.), Frankfurt a. M. Die Veranstaltung war ein bedeutsamer Erfolg und ein Markstein in der Entwicklung des K.C. 5lus dem Verbände Verbandstagung. Die nächste Tagung des Verbandes bayerischer Israelitischer Gemeinden wird voraussichtlich am 13. und 14. März 1927 in Fürth stattfinden. Waisenhausdirektor Dr. Deutsch in Fürth zu seinem 70. Geburtstag. Wie in der letzten Nummer dieser Zeitung bereits erwähnt wurde, feierte Direktor Dr. Deutsch in Fürth am 27. Oktober seinen 70. Geburtstag. An diesem Tage konnte der hochverehrte Jubilar auf ein reichgesegnetes Leben zurückblicken, gesegnet in dem Sinne, daß es erfüllt war mit reicher Arbeit, mit Mühe und Sorge und mit glücklichem Erfolge. Geboren in einem Vororte von Fünfkirchen (im Burgenlande), besuchte D. auf Grund gründlicher Vorbereitung in der Heimat die Jeschiboth in Duna-Szlerdakely und Preßburg und gehörte hier bald zu den besten Vachurim. Nach Abschluß dieser Studien wendete sich D. nach Deutschland und war u. a. als Lehrer im Hause von Dr. Markus Lehmann s. A. in Mainz tätig und arbeitete in dieser Zeit auch mit am Mainzer „Israelit". Schon in diesen jungen Jahren vertrat D. furchtlos und aufrecht den Standpunkt der Gemeindeeinheit, ohne irgendein Tüpfelchen seiner religiösen Gesinnung zum Opfer zu bringen. Dieser Gesinnung ist D. bis auf den heutigen Tag treu geblieben. Nach Unioerfitätsstudien in Heidelberg und Berlin promovierte D. in Gießen mit einer Arbeit über: Die Sprache Salomos nach der Auffassung in Bibel und Talmud. Nach erfolgreicher Lehrtätigkeit in der Horowitz'schen Religionsschule in Frankfurt a. M. folgte D. der Wahl als Distriktsrabbiner und Leiter der Präparandenschule in Burgpreppach. Hier erwartete den jugendlichen Gelehrten eine schwere Aufgabe als Nachfolger des allzufrüh dahingegangenen Rabbiners und Gründers der Anstalt Abraham Hirsch s. A. Aber rasch arbeitete sich D. in die reiche Arbeit für den großen Rabbinatsdistrikt und die Schule ein. Allen seinen Schülern an dieser Anstalt wird der Unterricht Deutschs unvergessen bleiben; gewürzt mit Humor und geistreichem Witz, wurden wir freundlich und erschöpfend eingeführt in schwerste Partien des Talmuds; in der Bibelexegese lernten wir die tiefsten Probleme sehen und erfassen; unser Blick wurde geschärft für historisches Geschehen und für geschichtliche Zusammenhänge. Unter seiner Leitung, im Verein mit einem vorzüglichen Lehrerkollegium, genoß die Schule ein ausgezeichnetes Ansehen. Zahlreiche Schüler strömten ihr zu und reiche Mittel aus allen Kreisen. Die Jahresberichte der Anstalt aus jener Zeit legen noch heute beredtes Zeugnis davon ab. Nach solch gesegneter Tätigkeit folgte im Februar 1895 D. einem Rufe als Direktor des Waisenhauses in Fürth — die Oberrabbinerstelle in Altona hatte er vorher abgelehnt — als Nachfolger des im Juli 1894 plötzlich dahingegangenen und hochverdienten Dr. Königshöser s. A. Als D. hier im Jahre 1920 sein 25jähriges Ortsjubiläum feierte, konnten man mit Recht auf seine ausgezeichnete, segensreiche Tätigkeit Hinweisen. Und dieser Arbeit ist D. ungebeugt treu geblieben, auch als ihm die Gattin entrissen wurde und ihn schwere Krankheit heimsuchte. Daneben entfaltete der Jubilar von Anfang an reiche Lehrtätigkeit für Erwachsene. Seine Kurse erfreuten sich lebhaften Zuspruchs; er lehrte an der Israelitischen Realschule in Fürth, übte eine reiche Tätigkeit aus in Rabbinatsfunktionen und Rabbinatsvertretungen in Fürth und Nürnberg. Dabei fand D. noch Muhe zu wissenschaftlichen Arbeiten. Es möge dem Jubilar auch weiterhin vergönnt sein, seine reiche Arbeit ungeschwächt fortzusetzen und vor allem begleite ihn der Segen, der „dem Vater der Waisen" im Sinne unserer Lehre zuteil wird. D. I. Bamberger, Nürnberg. Fürth. Am 30. Sept. ist Herr Lübeck aus dem Dienst der Israelitischen Kultusgemeinde mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand geschieden. Durch mehr als dreißig Jahre hat er als Kantor der Hauptsynagoge fungiert und Religionsunterricht an den Volksschulen und am Gymnasium erteilt. Seine trefflichen musikalischen Fähigkeiten und seine gründliche musikalische Schulung haben ihm reiche Erfolge eingetragen, die sich besonders bei der Einführung des Nürnberger Gebetbuchs bewährt haben. Im Unterricht wußte er Ernst und Würde zu paaren und die Herzen seiner Schüler für die religiöse Erkenntnis zu erschließen. Dankbar blicken weite Kreise auf den im Dienste bewährten Beamten, der es verstanden hat, Verständnis des Judentums zu verbreiten und sich die Liebe weiter Kreise durch die Führung eines Amtes zu erwerben. Diesen Gefühlen gab die Predigt des Rabbiners Dr. Behrens am Vorabend des Simchas- Thora-Festes lebhaften Ausdruck. Wir wünschen dem verehrten Manne nach reich gesegneter Lebensarbeit einen recht glücklichen Ruhestand. Das Bayerische Staatsministerium hat ihm durch das Direktorat des Gymnasiums die Anerkennung seiner Dienstleistung aussprechen Bad kissingen. Dem unter der Leitung des Herrn Rabbiners Dr. Bamberger stehenden Verein Jsr. Kurhospiz ist es gelungen, durch den Erwerb eines eigenen Hauses sein seit Jahren angestrebtes Ziel zu erreichen. Das neuerworbene Kurhaus Villa Bavaria, in herrlicher freier Lage am Fuße des Altenberges gelegen, ermöglicht im kommenden Sommer die Eröffnung im eigenen Hause, nachdem, um einem dringenden Bedürfnisse zu genügen, dasselbe im vergangenen Sommer in gemieteten Räumen eine überaus segensreiche Tätigkeit entfaltet hat. Das neuerworbene Heim ist gut eingerichtet und liegt in nächster Nähe der Bäder und Quellen, und durch die Eröffnung desselben werden dem Verein weitere Freunde und Gönner zugeführt werden. __■ _' —l*1 ■>-U" k> HAUS DER MÜNCHEN KARLSPLATZ 5 QUALITÄJSS r O F F E 4 STARK & Cie. x NÜRNBERG J LUITPOLDSTRASSE 11