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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1926-11-08 · 11 (8.11.1926) · p. Seite 296

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
2 (1926)
Issue
11 (8.11.1926)
Article
Central-Verein / S. K.
Date
1926-11-08
Page
Seite 296 (sequence 1)
Language
German
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296 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 11 Vereine. Lentral-Derein. Zu einer machtvollen Kundgebung gestaltete sich der Abend, den die hiesige, Ortsgruppe des Central-Vereins unter der Losung: „Nord und Süd, Ost und West im Kampfe für Deutschtum und Judentum" am 11. Oktober einberusen hatte. Lange vor der festgesetzten Stunde war der Cherubinsaal der „Vier Jahreszeiten" bis auf den letzten Platz besetzt, und als der Vorsitzende der Ortsgruppe, Dr. Ludwig Wassermann, die Erschienenen begrüßte, kann er aus der großen Zahl der Anwesenden feststellen, welch großes Interesse dem C.-V. und seiner Arbeit mit Recht gerade in München entgegengebracht wird. Er weist auf die mehr als 30jährige segensreiche Tätigkeit des C.-V. hin, der heute eine der wichtigsten und machtvollsten Organisationen für die jüdischen Interessen in Deutschland darstellt, dem Männer, wie Horvitz und Fuchs ihre Lebensarbeit widmeten, für deren Ideale, aber auch in der Gegenwart Männer, wie Brodnitz und Holländer, wirken, die in unserer Mitte zu begrüßen uns heute abend eine besondere Ehre und Freude bedeutet. Nicht alles, was der C.-V. leistet, kann und darf in öffentlicher Versammlung erörtert werden. Manche Erfolge offenbaren sich in den Erscheinungen der Gegenwart, ube^Mnere Hauptarbeit wird ihre Wahrheiten erst dann därttMlönnen, wenn sie historisch geworden sind. Von starkem Beifall begrüßt, führt Justizrat Dr. B r o d n i tz etwa folgendes aus: „Es A em seelisches Bedürfnis derer, die in der Abwehrfront stÄhen, mit den Brüdern 'und Schwestern Fühlung zu nehmen, fur die man den großen Kampf führt, deren Seelenheil einem anvertraut ist. Namen und Persönlichkeiten, müssen sich ve>rbinddn, das wirkt belebend auf die Führer. Ihnen ist der C.-V. wie eine Burg, wohin sich, wie im AÜertum, die Bedrängten flüchten. Unsere Aufklärungsarbeit wächst von Tag. zu Tag, sie hat Kur Vertiefung des ursprünglichen Problems geführt, sie verlangt energische Betätigung gemäß unserer besonderen Eigenart. Leider müssen wir eine bedauerliche Unkenntnis in unseren eigenen Reihen seststellen, die nicht daran denkt, daß es eine historische Vergangenheit gibt, die, uns auch in der Gegenwart bedeutsame Aufgaben auferlegt. Zwar hören wir oft: „Das ist unmöglich!" Aber lehrt uns das Schicksal unseres Vaterlandes nicht/ daß es feine Aufgabe ist, das Unmöglichste möglich zu machen? Der C.-V. muh zu einer Gewerkschaft allex Gleichgesinnten werden, die sich bewußt sind, für eine hohe sittliche Idee zu kämpfen." Dr. Herzberg (Hannover) erinnert an die gemeinsame Abwehrarbeit zur Zeit des „Ruhrkampfes", und Rabbiner D r. B ra u n sch w e i gar (Oppeln) weist auf die heftigen Kämpfe hin, die die schlesischen Juden durchführen mußten, als es galt zu beweisen, daß auch sie mit allen Fasern an der alten Heimat liegen - Trotz wüster antisemitischer Angriffe in Wort und Tat lassen sie sich in ihrer Mitarbeit nicht beirren, wolltMsie/NWtdaß heiligstes Gut uns entrissen würde, jener Boden, wo/ieure Angehörige ruhen, jene Gotteshäuser, wo man gemenHDst gebetet für des Vaterlandes Wohl, jene Straßen, wo wir siWce sonnige Kindheit verlebten. Nicht der negative Gedanke hat die schlesische Judenheit bei ihrer Option beeinflußt, daß Potzys Herrschaft eine minderwertige sein könnte, sondern die positive--ErwiVUNg: ^,Wir haben unter dem Banner des Deutschtums -geblüht und uns wphl gefühlt!" Den Höhepunkt des Abends bilden die trefflichen Worte des mit starkem Beifall begrüßten DL^Kollünder> der etwa folgendes ausführt: „Als ich hier F^etwa 22 Jahren die ersten Schritte zur Gründung einer Ortsgruppe unternahm,/da waren, besonders auf dem Lande, schon Anzeichen einer rechtlichen Unterdrückung und wirtschafüichen Bo^vWümg der Juden in Bayern vorhanden. Der Antrag H e im'y$üc. damals die Juden nur prozentual zum Richtemmt zulaff^'wMte, war nur ein Glied-in der langen, langen Kette der DestMtzungen und Kränkungen,' denen gerade Bayerns Judenheit aüsgHetzt worden ist.".. Das uralte „Blutmärchen" erseht in den-neuesten Berichten des Nürnberger „Stürmer" seine Auferstehung, weil, die aufgereizten Nerven der modernen Menschheit Nahrung brauchen. Der Eisenbähnättentäter Schlesinger wird trotz authentischer Widerlegung zum Äuden gestempelt, weil man glaubt, straflos das Judentum beschimpfen zu können. Eine solche, Rechts not, die im Juden einMyekt sieht/'dasnicht für voll genommen wird, das nicht gefchützt^zü. werden braucht, muß bekämpft und beseittgt werden, damit auch nicht im Ausland das deutsche Ansehen Einbuße erleide. (S. Fall Haas, Magdeburg.) Gegen Willkürmahnahmen mancher Finanzämter, besonders in Mitteldeutschland und Ostpreußen muß energisch Front gemacht werden. Dazu kommt noch eine immer mehr sich verbreitende W i r t s ch a s t s n o t. Der Berarmungskoeffizient unter der jüdischen Bevölkerung ist ein viel größerer, da der Handel, besonders aber in der Großstadt, außerordentlich stark in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Hierzu kommt die allmähliche Verdrängung der Juden aus zahlreichen großen wirtschaftlichen Unternehmungen, (Großbanken,, Jndustriekonzerne, Handelskreise, Kliniken usw.) die sich unter dem Deckmantel national-polittscher Beweggründe systematisch vollzieht.. Nehmen wir den gesellschaftlichen Boykott hinzu, der den Juden zu einem Kuli herabwürdigt, dann können wir vor allem die seelische Not der Heranwachsenden Jugend verstehen. Dem allen zu steuern ist unsere heiligste Pflicht. Anscheinende Kirchhofsruhe darf uns nicht erschlaffen lassen. Ein mystisch-romantischer^ Zug ist das Kennzeichen des neuen Geistes, den wir verstehen lernen müssen, wenn wir Erfolge erringen wollen. De,r sicherste Bürge aber im Kampfe ist die Geschlossenheit und Einigkeit aller Gleichgesinnten. Unter Hinweis auf die Notwendigkeit der Mitarbeit aller Kräfte, eines jeden an seinem Orte, schließt Dr. Wassermann mit herzlichen Dankesworten an die Redner die erhebend verlaufene Versammlung. S. K. Jüdisches Schachleben in München. Es ist eine sehr bekannte Tatsache, daß das Schachspiel, das zugleich als Spiel, als Wissenschaft, als Kunst und neuestens auch als Sport betrachtet und gewertet wird, von jeher unter den Juden mit Vorliebe gepflegt wurde. Es erübrigt sich hier auf die vielen jüdischen Schachspieler und Schachmeister aus der Vergangenheit hinzuweisen, deren Ruhm der Nachwelt erhalten blieb; auch aus der Gegenwart möchte ich nur auf eine unter den vielen jüdischen Schachgrößen Hinweisen: Auf den Schachmeister Emanuel Laster. Solche Tradiüon und solcher Ruhm verpflichten; daher sehen wir auch in vielen Städten jüdische Schachklubs, in denen die jüdischen Schachspieler sich vereinigt haben, um mit Gleichgesinnten das edle Spiel zu pflegen und sich darin wenigstens zu einem gewissen Grad von Meisterschaft heranzubilden: ich nenne da beispielshalber die Schachabteilung der Wiener Hakoah. Auch in München ergab sich die Notwendigkeit eines solchen Zusammenschlusses, um so mehr, als in der Nachkriegszeit die völkische Verhetzung auch in Münchener gute Schachvereine Eingang fand, in denen bisher bekannte Münchener jüdische Schachspieler stets gerne! gesehene Mitglieder und Gäste gewesen waren. Es wurde deshalb im Frühjahr 1922 in München ein jüdischer Schachklub gegründet, der unter dem Ehrenvorsitz des jüdischen Weltmeisters Laster steht und nach ihm seinen Namen erhielt. In diesem Klub findet der erfahrene und geübte jüdische Schachspieler Spielgenossen, mit denen der Kampf auf den 64 Feldern Freude, Anregung und Vergnügen bietet, der Anfänger Gelegenheit zum Weiterlernen durch die Praxis, aber auch Anleitung und Unterricht. Klubturniere spornen die Mitglieder an zu geistigem Training und zur Ausbildung in schönem, künstlerischem Spiel. In Simultanspielen zeigen die Besten des Klubs ihre Kunst und geben dabei auch den weniger geübten Spielern Chancen, die sie sonst gegen sie nicht haben. Eine reichhaltige Schachbibliothek bietet dem Anfänger Gelegenheit zur theoretischen Erlernung des Schachspiels, ermöglicht es dem guten Spieler, die schönen Partien der großen Meisterturniere nachzuspielen und sich an dem Reichtum der Ideen, die in ihnen enthalten sind, zu erfreuen und weiterzubilden. Gerade im Winter ist der jüdische Schachklub ein besonders angenehmer Aufenthalt für den, der sich einige Stunden in der Woche freimachen will von den Sorgen und Widerwärtigkeiten des Alltags. Wir rufen deshalb unsere jüdischen Kaufleute und Akademiker, die jüdischen Mittelschüler der oberen Klassen, besonders aber auch unsere jüdischen Lehrer, Studenten und Studentinnen. Kommen Sie zu uns, gleichviel ob als Mitglieder oder Gäste! Jeder, der Freude hat am Schachspiel, soll uns herzlich willkommen sein! Wir spielen jeden Montag abend von 8 bis 12 Uhr und Sonntag nachmittags von 1/2B—6 Uhr in unserem Klublokal: „Restaurant Herzog Heinrich," Ecke Landwehr-Mathildenstraße. Unser Mitgliedbeitrag beträgt jährlich nur 2R. 2.40, um

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