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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1926-11-08 · 11 (8.11.1926) · p. Seite 291

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
2 (1926)
Issue
11 (8.11.1926)
Article
Kitzingen
Date
1926-11-08
Page
Seite 291 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 11 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 291 kihingen. Am 8. Tage des Hüttenfestes, dem sogenannten Schlußfeste (30. September) beging Frau Rabbiner Judith Adler mit Gottes Gnade ihren 90. Geburtstag. Als Tochter des heute noch viel genannten und berühmten Rabbiners S. B. Bamberger seinerzeit in Würzburg und Gattin des verstorbenen, über 40 Jahre dahier amtierenden, gütigen Rabbiners Immanuel Adler, ging durch ihr ganzes bisheriges Leben ein tiefinniger Zug von edler Frömmigkeit, der sich besonders auf dem Gebiete der Menschenliebe und Wohltätigkeit auswirkte. Heute noch, in ihrem hohen Alter, ist die verehrungswürdige Jubilarin peinlichst bestrebt, den Gesetzen ihrer Religion getreu zu leben und Wohltätigkeit zu üben ist ihr zur zweiten Natur geworden. Darum nahm die ganze Kultusgemeinde und noch eigens das verehrliche Distriktsrabbinat, die Kultusverwaltung, sowie der israelitische Frauenverein regsten Anteil, die Feier zu einer erhebenden zu gestalten. Möge der himmlische Vater die allseits beliebte Jubilarin weiterhin in seinen Schutz nehmen, auf daß sie in gleicher körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische noch viele Freuden erlebe an Enkel- und Urenkelkindern und an ihrer treu ergebenen Gemeinde. kihingen. Die Beerdigung des Privatiers Herrrn Benjamin Stern gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung der Trauer. Das Trauergefolge setzte sich aus einer schier unübersehbaren Menge aus allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung zusammen, die von hier und auswärts gekommen waren, um dem allseitig hochgeschätzten Manne die letzte: Ehre zu erweisen. In seiner Trauerrede entwarf Herr Bezirksrabbiner Dr. Wohlgemuth ein Bild des Entschlafenen. In Anlehnung an die charakteristischen Wesenszüge, die die Bibel an Noah heroorhebt, schilderte er, wie Benjamin Stern vor allem ein Mann in des Wortes prägnantester Bedeutung gewesen sei, eine Persönlichkeit mit starkem Willen, großer Tatkraft und unerschütterlicher Uberzeugungstreue. Diese Eigenschaften bewirkten es, daß ihm bald die Führerrolle in der Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde zusiel, der er mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Vermögen diente. Sein Name ist unlösbar mit der Geschichte der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde verknüpft. In Anerkennung der großen Verdienste, die er sich um Werden und Wachsen der Gemeinde erwarb, errichtete diese anläßlich seines 29jährigen Vorstandsjubiläums eine Benjamin Sternsche Jubiläumsstiftung zur Ausbildung von israelischen Lehrern und ernannte ihn ferner zum Ehrenvorstand der Israelitischen Kultusgemeinde. Der Redner schilderte weiterhin die tiefe Religiosität und Wohltätigkeit des Verklärten. Seine Wohltätigkeit machte keinen Unterschied zwischen Glaubensgenossen und Andersgläubigen. Im Jahre 1914 errichtete er in Gemeinschaft mit seinem Bruder, Herrn Siegmund Stern, zum Andenken an seine Eltern die Hirsch und Helene Sternsche Armenstistung beim Stadtmagistrat Kitzingen und bestimmte, daß die Zinsen zur Hälfte christlichen und zur Hälfte israelitischen Armen zusallen sollen. Benjamin Stern war ferner ein aufrichtiger Mensch, ein Kaufmann von größter Zuverlässigkeit und Redlichkeit, und die von ihm seit dem Jahre 1876 im Verein mit seinem Bruder geleitete Firma verdankte ihre Blüte diesen strengen Grundsätzen. Er befolgte in seinem kaufmännischen Leben die strengen ethischen Forderungen, die das israelitische Schrifttum aufstellt. — Herr I. Ullmann, der erste Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde, sprach sodann im Namen der Verwaltung der Kultusgemeinde dem hochverdienten Ehrenvorstand, mit dem er 25 Jahre in der Verwaltung zusammen gearbeitet habe, heißen Dank aus. Seine vortrefflichen Eigenschaften sichern ihm ein ewiges Gedenken in den Annalen der Gemeinde. — Im Namen der Frankenloge widmete Herr Bankier Hermann aus Würzburg dem treuen Logenbruder herzliche Worte des Gedenkens und Abschiedes. Herr Religionslehrer und Kantor Bamberger sprach sodann tiefgefühlten Dank aus für das, was Benjamin Stern für die Schule geleistet hat. Der Leichenzug machte einen Umweg, um die sterbliche Hülle Benjamin Sterns noch einmal an der Synagoge vorüberziehen zu lassen, der seine Liebe und ein großer Teil seiner Lebenskraft gegolten haben. Als der Trauerzug sich an dem Gotteshause vorüberbewegte, dessen Tore weit geöffnet waren, da war es, als grüßten die Säulen der Synagoge noch einmal den Mann, der das Gotteshaus so sehr geliebt, und alle Teilnehmer des Trauergefolges waren tief erschüttert. Als sich auf dem israelischen Bezirksfriedhof in Rödelsee der Grabhügel über Benjamin Sterns irdischer Hülle wölbte, hatten wir einen Mann zu Grabe getragen, der zu den Besten der Stadt Kitzingen gehörte. Adolf Rothschild M ü n ch e n Theakinerstr. 7/1. Graf-Arco-Palais Eingang Maffeißr. Neue Modelle Feinste Maßanfertigung Friedenspreise Kostüme,Kleider,NTantel Pelze, TLäfche, Korsetts ...

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