Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 11 (8.11.1926)
- Article
- Eduard Sonder, Kitzingen
- Date
- 1926-11-08
- Page
- Seite 290 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2727810-2727823-2727834-2730391--01465-2730461- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
290 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 1 Bus dem Verbände Eduard Sonder, kitzingen Am Sabbatausgang des 16. Oktober hauchte Eduard Sonder in Kitzingen nach kurzem Krankenlager — aber unerwartet für seine, Umgebung — seine edle Seele aus. Bestürzung und Erschütterung rief die Trauerbotschaft über den Heimgang des erst Sechzigjährigen in der Gemeinde Kitzingen und in weitesten Kreisen der bayerischen Judenheit hervor. War doch der Name Eduard Sonder eng verknüpft mit den Geschicken der Kultusgemeinde, mit den wirtschaftlichen und idealen Bestrebungen seiner Vaterstadt, in deren Wirtschaftskreisen er eine führende Stellung einnahm, und nicht zuletzt mit dem Aufbau und Ausbau des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Mit Eduard Sonder ist eine Persönlichkeit von uns gegangen, die, fest verwurzelt mit den Traditionen des angestammten Väterglaubens, ausgestattet war mit einem Geschenk der Natur, das unsere Alten, die wir die Weisen nennen, als höchste der menschlichen Tugenden preisen: dem Lew tow, dem guten Herzen. Aus ihm quoll die gewinnende, vornehme Freundlichkeit und Milde, die ihm die Herzen eroberte, jene Ed, ,rd Sonder Hilfsbereitschaft und edle Hingabe^ welche ihn in zahlreichen Körperschaften und Vereinigungen zum geschätzten Mitarbeiter, Führer und zum selbstlosen Förderer aller jüdisch-sozialen Bestrebungen machte. Wohl selten hat die Stadt Kitzingen eine solch große Zahl von Leidtragenden an einer Bahre vereinigt gesehen als am 19. Oktober, als es galt Eduard Sonder die letzte Ehre zu erweisen. Zur Trauerfeier am Sterbehause hatte sich .eine unübersehbare Zahl von Teilnehmern aus allen Schichten, der Bevölkerung und aus allen Teilen des Landes eingefunüen. Bezirksrabbiner Dr. Wohlgemuth gab in seiner Trauerrede ein Lebensbild des Entschlafenen. Er gedachte besonders seines verdienstvollen Wirkens in der Kultusgemeinde, deren Vorstandschaft er fast zwei Jahrzehnte angehört hatte, hqrvorhebend, daß der Heimgegangene trotz des großen Umfanges seines Geschäftes jederzeit die eigenen wirtschaftlichen Interessen zurückgestellt hat, wenn es galt, im Dienste der Allgemeinheit und des Judentums zu arbeiten. Dem Dank der Kultusgemeinde verlieh der 1. Vorsitzende, Herr Isidor Ullmann, noch besonderen Ausdruck. Namens des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeindcm widmete Herr Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer aus München dem Verewigten ehrende Worte für sein Wirken innerhalb des Verbandes, dessen Rat er seit Bestehen als Mitglied angehört hat. Das Referat für Subventionen an notleidende Gemeinden war seinen Händen armer traut. Die edle Hilfsbereitschaft, die ihn auszeichnete, und die jederzeit betätigte Bereitwilligkeit, sich über die Nöte, der hilfesuchenden Gemeinden durch eigene Anschauung an Ort und Stelle ein zuverlässiges Bild zu machen, stempelten ihn zum unentbehrlichen und unersetzlichen Mitarbeiter im Verbände, in dessen Geschichte sein Name mit ehernen Lettern eingegraben ist und bei dessen Mitgliedern er ein Denkmal unvergänglichen Dankes sich gesetzt hat. Bankdirektor Herrmann aus Würzburg brachte die Trauer der Frankenloge um den Freund und Bruder, der dem Beamtenrat angehört hatte, zum Ausdruck, Kommerzienrat Brennfleck aus Sulzfeld widmete einen ehrenden Nachruf für den Fränkischen Weinhändlerverein, Fabrikbesitzer Büchner aus Kitzingen für das Handelsgremium seiner Vaterstadt, dessen 2. Vorsitzender der Entschlafene nahezu 20 Jahre war. Es sprachen noch Herr Lehrer Bamberger für die Israelitischen Schulen und Wohlfahrtseinrichtungen der Gemeinde, des Entschlafenen edle und selbstlose Opferbereitschaft rühmend, ferner ein Prokurist der Firma für das Personal. Rechtsanwalt Dr. Rosenthal (Würzburg) und Bezirksrabbiner Dr. Bamberger (Kissingen) brachten den Dank des Israelitischen Kurhospizes und des Israelitischen Kinderheims in Bad Kissingen für die vom Entschlafenen betätigte Fürsorge zum Ausdruck. Im Namen des konservativen Blocks im Bayerischen Verband nahm Oberlehrer Stoll (Würzburg) von dem treuen Freund und Mitarbeiter in tief bewegten Worten Abschied und gedachte im Aufträge des Israelitischen Lehrervereins für Bayern besonders der wohlwollenden Stellungnahme, die Eduard Sonder dem seit Jahrzehnten um Sicherung seiner rechtlichen, sozialen und materiellen Stellung ringenden Beamtenstand entgegengebracht hat. Auch das Israelitische Lehrerseminar in Würzburg betrauert den Verlust eines Freundes und edlen Gönners. Am Grabe, klagte noch Herr Justizrat Dr. Hommel (Schweinfurt) um den Heimgegangenen Freund. Eine unabsehbare Menschenmenge formierte sich zum Trauerzuge, der an der geöffneten Synagoge vorbeiziehend, durch die Straßen der Stadt nach dem benachbarten Rödelsee hinüberpilgerte. Am Fuße des idyllisch gelegenen Schwanberges, der traumverloren in die sonnige Herbstlandschaft hinausblickte, wurden die sterblichen Überreste in die kühle Erde gebettet, während der herbstlich bunte Wald auf der nahen Bergeshöhe die Farben des Melkens und Vergehens hexvorzauberte und die gesegneten Fluren der Umgebung das melancholische Lied anstimmten von Reife,. Vollendung und Heimkehr. I. St.-W. Fürth. Am 27. Oktober vollendete Waisenhausdirektor Dr. Herrmann Deutsch in Fürth das 76. Lebensjahr. Dr. Deutsch promovierte 1885 in Gießen und war von 1887—1895 Distriktsrabbiner und Leiter der Präparandenschule in Burgpreppach. Im Februar 1895 übernahm Dr. Deutsch die Leitung der israelitischen Waisenanstalt in Fürth, um die er sich große, Verdienste erworben hat. Neben dieser Tätigkeit nahm er auch in hervorragendem Maße am jüdischen Gemeindeleben teil und entfaltete eine reiche literarische Tätigkeit. Möge der Jubilar noch viele Jahre wie bisher in jugendlicher Frische seine Tätigkeit fortsetzen. S&nnec fcauferb & .SS ' f \ALPURSA \Ch.ocoCcui&n.