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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1926-10-07 · 10 (7.10.1926) · p. Seite 271

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
2 (1926)
Issue
10 (7.10.1926)
Article
Bürgertugend [Rezension]
Date
1926-10-07
Page
Seite 271 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 10 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 271 seine Art der Arbeit und des wirtschaftlichen Aufstiegs in gewissem Umfang charakteristisch ist für den deutschen Mittelstand überhaupt, dem bis 1914 90 Prozent der deutschen Juden angehörten. Was bürgerliche Tugenden sind, geht aus diesem — mit fast nüchterner Sachlichkeit geschriebenen — Bericht hervor: Unbestechlicher Wirklichkeitssinn, Optimismus und Unternehmungsgeist, eiserner Fleiß und Sparsamkeit und — alles krönend — ein sozialer, menschenfreundlicher Geist, der unablässig um das Wohl feiner Untergebenen bemüht ist. Er baut den Arbeitern gute Wohnungen, beschafft ihnen nicht nur billige, sondern auch vollwertige Nahrungsmittel, beteiligt sie am Erfolg des Unternehmens, schafft Anreiz zur Sparsamkeit und organisiert — schon im Jahre 1905! — in seiner Jutespinnerei und -Weberei Betriebsräte! Er schreibt darüber: „Was das Betriebsrätegesetz nach schweren Kämpfen 1920 in Deutschland einsührte, hatten wir 15 Jahre früher nach 15monatlicher Betriebserfahrung freiwillig eingeführt und damit — wie es bei freiwilligem Entgegenkommen immer der Fall ist — viel Besseres erreicht, als das Gesetz." — Noch interessanter als Bahrs Tätigkeit als Kaufmann und Industrieller ist die als Politiker. Er berichtet: „In meiner Jugend war es mehr oder weniger selbstverständlich, daß jeder Städter liberal war." Das klingt uns heute fast unwahrscheinlich — ebenso wie die Schilderung des „geselligen Vereins", den er 1875 in seiner Vaterstadt gründet. Derselbe umfaßt nahezu alle geistig Interessierten der kleinen Stadt; hier sind in allwöchentlichem Zusammensein — neben Philologen, Kaufleuten, Richtern, Ärzten — auch Rabbiner und Pfarrer vereinigt. . Bahr ist im Wechsel der Zeiten den Idealen seiner Jugend treu geblieben: er steht an prominenter Stelle in der Demokratischen Partei, die das Erbe des Liberalismus angetreten hat... und ist — fast überflüssig zu sagen — ein scharfer Gegner der antisemitischen Strömung in Deutschland. In einem Walter Rathenau gewidmeten Kapitel schreibt er: „Der Ekel steigt dem ernst Denkenden empor, wenn man sieht, mit welch bodenloser Gemeinheit der antisemitische Kampf geführt wird, der das deutsche Volk in den Augen der andern Nationen aufs tiefste schändet. Für die Zukunft aber muß vorgesorgt werden, indem man in Schulen und Universitäten die Männer zur Geltung bringt, welche der Vergiftung unserer Jugend durch antisemitische Hetze entgegenarbeiten. Lehrer, die solche Verhetzung fördern, müssen entfernt oder unschädlich gemacht werden." — Wir wünschen den Anregungen, die dieses Buch in politischer, volkswirtschaftlicher und menschlicher Hinsicht in großer Fülle bietet, ein kräftiges Echo in allen Kreisen. Erna Straus. Jüdische Frontsoldaten aus Württemberg und Hohenzollern. Auf dieses Büchlein, herausgegeben vom Württembergischen Landesverband des Zentralvereins, muß aufmerksam gemacht werden. Es enthält eine genaue Namensliste der Frontsoldaten aus den genannten Landesteilen. Nach einer auf Seite 7 des Büchleins gegebenen Zusammenstellung entfallen auf 10 824 reichsdeutsche jüdische Einwohner Württembergs und Hohenzollerns 1674 Frontsoldaten (ohne die übrigen Kriegsteilnehmer!). Von 1674 Frontsoldaten sind 270 gefallen, wurden 533 verwundet, haben 1071 Frontauszeichnungen, darunter 581 mehrfache Frontauszeichnungen erhalten. Im Vorwort zu dem verdienstvollen Werkchen heißt es: Wir wollen an dieser Stelle für unsere engere Heimat den namentlichen Nachweis liefern, daß beinahe 1700 Juden aus Württemberg und Hohenzollern an der Front gestanden sind, wobei wir genau angeben, bei welchen Fronttruppenteilen sie gedient haben. Wir wissen, daß auch dieser Nachweis böswillige Gegner nicht entwaffnen wird. Aber jeder unbefangene Mensch kann aus den nachfolgenden Namenslisten sich überzeugen, wie viele von uns ihr Leben in die schanze geschlagen und wie viele es leider verloren haben. Mögen unsere eigenen Brüder und Söhne nie vergessen, was die geleistet haben, die vor dem Feind standen! Vereine. Jüdischer Jugendverein. Der Jüdische Jugendverein München nimmt ab Samstag, 9. Oktober, seine Tätigkeit in vollem Umfange wieder aus. Wird wie bisher die Dreiteilung der Vereinsabende so weit wie möglich beibehalten und so die Geselligkeit und der gesellige Zusammenschluß der Mitglieder weitere Pflege erfahren, so soll im kommenden Winter die ernste, bildende Arbeit besonders in den Vordergrund treten. Die mit so viel Beifall aufgenommenen Vorlesungen über die Geschichte des Jüdischen Volkes werden in gleicher Weise von Herrn Prof. Klugmann fortgesetzt. Eine Reihe bedeutender Redner wird über Themata von allgemein st em Interesse zusammenhängend sprechen. Kunst und Literatur sollen in Kursen und eigenen Veranstaltungen entsprechende Würdigung finden. Für die Ausgestaltung der Freitag-Abendfeiern wird ebenfalls in reichem Maße Sorge getragen werden. Es ist möglich, daß die erste dieser Feiern am 8. Oktober das ehemalige Vorstandsmitglied des Jüdischen Jugendvereins, Herr Rabbiner Dr. Max Elk halten wird, der um diese Zeit in München weilen wird. Das Programm für die Winterarbeit ergeht noch gesondert an die Mitglieder, während zu dem Vortrags-Abend am Dienstag, dem 12. Oktober im Museum-Saal, „Der moderne Mensch und die Religion", mit dem Herr Dr. Elk anläßlich seines Aufenthaltes in München die Tätigkeit des Vereins in liebenswürdiger Weise zu eröffnen zugesagt hat, keine weitere Einladung mehr erfolgt. Das große Interesse, das den Vorträgen Dr. Elks eignet, drückt dem Jüdischen Jugendverein für diesen Abend die Rolle des bloßen Veranstalters auf, gebietet ihm, über das Vereinsinteresse hinaus, den Abend jedermann zugänglich zu machen. Er rechnet es sich zu hoher Ehre, aus dem Gebiete des Geistes Wegbereiter sein zu können. Gerade darin erblickt er seine Interessen und seine ureigenste Tätigkeit, sich mit solchen Abenden in den Dienst der breiten Öffentlichkeit zu stellen. Die Vorstandschaft. Bar-Kochba, München. Tennisabteilung. Das interne Tennisturnier gelangte in dieser Woche zum Austrag. Die Siegerverkündung findet gelegentlich des 15jährigen Stiftungsfestes des B.- K. M. am Samstag, den 9. Oktober, abends halb 9 Uhr, statt. Die Leitung. perfonalnachrichten Beerdigungen und Sterbefälle. 27. 8. Ehrenfeld Alexander, 57 I. 1. 9. Goldschmidt Sofie, 78 I. 4. 9. Neumetzger Paula, 59 I. 8. 9. Sontheimer Rosa, 63 I. 10. 9. Neumann Max, 49 I. kein« Qualitätsstoffe und Tuche Import tur Damen und Herren i m p o R.T WEINBERGER & BISSINGER Rindermarkt 7 MÜNCHEN / AUGSBURG beim Fuggerdenkmal

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