Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 10 (7.10.1926)
- Article
- Herr Oberlehrer M. Schweitzer in München
- Date
- 1926-10-07
- Page
- Seite 270 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2727810-2727823-2727833--01405-2730342- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
270 Bayerische Israelitische Geuieilchezeitung Nr. 10 Herr Oberlehrer M. Schweitzer in München, feierte am 22. September 1926, seinen siebzigsten Geburtstag. Herr Schweitzer, dem niemand seine siebzig Jahre ansieht, wirkte nach Absolvierung des Bayer. Lehrerseminars in Schwabach, der Reihe nach in Aschaffenburg, Frankfurt a. M„ Norden, Glogau. Seit dem Jahre 1917 lebt der Jubilar in München, wo er sich infolge seines vielseitigen Wissens, insbesondere seiner gediegenen Kenntnisse auf dem Gebiete der jüdischen Religionswissenschaft, sowie infolge seiner großen, pädagogischen Erfahrung, und nicht zuletzt durch sein reiches, schriftstellerisches Talent, einen großen Bekannten- und Freundeskreis erwarb. Eine breitere Grundlage für seine unterrichtliche Tätigkeit, gewährte Herrn Schweitzer die im Jabre 1918 erfolgte Gründung der hiesigen Talmud-Thora-Schule. Die alljährlichen Chanukkaaufführungen' der Talmud-Thora-Schule, stets Werke des Herrn Schweitzer, die zu den beliebtesten Veranstaltungen dieser Anstalt gehören, bewiesen, daß der Jubilar, nicht nur sein wissenschaftliches Können, sondern auch seine künstlerische Befähigung in Dienste der ihm anoertrauten Jugend stellt. An seinem Ehrentage gingen Herrn Schweitzer, der sich als Gelegenheits- und Festdichter weit über die Kreise unserer Gemeinde einen Namen gemacht hat. nebst seiner ebenbürtigen Gemahlin, überaus zahlreiche Beweise seiner Wertschätzung und Beliebtheit zu. Der Verein „Talmud-Thora-Schule" München ehrte seinen verdienten Lehrer durch eine Ehrengabe, die ihm vom 1. und 2. Vorsitzenden in seiner Wohnung persönlich überreicht wurde. Möge dem Veteranen des Lebens und der Arbeit an Seite seiner Gemahlin und im Kreise seiner Kinder und Enkel ein heiterer Lebensabend beschieden sein. Synagogenrenovieruug und Einweihung in Sulzbürg. Sulzbürg, der idyllisch gelegene Marktflecken in der Oberpfalz, hatte früher eine ansehnliche jüdische Gemeinde, die aber ietzt auf wenige Mitglieder zurückgegangen ist. Dieselben betrachten es aber als Ehrenpflicht, ihre altehrwürdige Synagoge in gutem Zustand zu erhalten. Bor zwei Jahren konnte die Gemeinde das 125jährige Bestehen des Gotteshauses feiern. Im vergangenen Jahr wurde dasselbe mit elektrischem Lickt ausgestattet und jetzt. Dank der Bemühungen des rührigen Vorstands, Herrn Rosenwald, vollständig renoviert. Die Gemeinde ließ es sich nicht nehmen, den ersten Gottesdienst in den verschönerten Räumen feierlich. zu begeben und hierzu auch Gäste aus der Umgegend sowie den Israelitischen Gemeindeverband einzuladen, welcher die Sache finanziell gefördert hat. Herr Distrikts-Rabbiner Dr. Weinbera übernahm die Festpredigt und würdiote rühmend den eckt jüdiscken Geist, welcher in dieser kleinen Gemeinde herrsche. Der Verband ließ seine Wünsche durch Herrn Dreichlinger iNeumarkt) überbringen. Für die Gemeinde Sulzbürg war der Taa ein wichtiger Festtag und auck mit Reckt. Die altehrwürdige Stätte wurde zu einem wahren Sckmuckkästchen ausgestaltet, und besonders wurde darauf gesehen, daß bei der Bemalung und Ausschmückung die ursvrüngliche Art wieder beibehalten worden ist. Der Aufenthalt stimmt zur Andackt. aber auch zum Nachdenken. Welch heilige Begeisterung für unser Judentum und welche Onferfreude muß unsere Voreltern beherrscht haben, wenn kleinere Gemeinden solck schöne Gotteshäuser errichten konnten. Möge dies unserer jetzigen Generation und unserem Nachwuchs ein Vorbild sein. vückerschau. Babel: „Geschichten aus Odessa*." Es ist ein seltsames Buch: Der Osten, wie er sich in jüdischen Augen spiegelt — in den armen Augen unterdrückter und gepeinigter Menschen, die eine bunte, romantische Welt mehr erleiden als erleben und sich ihr bißchen Teil an dieser süßen, berauschenden Mannigfaltigkeit des östlichen Lebens erstehlen müsien. Mitten unter Vorstadtbanditen. Kupplerinnen, betrunkenen Matrosen, Mohammedanern. Juden und Russen. Gaunern und Polizisten, die plündern. stehlen, saubere und unsaubere Geschäfte treiben. Ehen und Brände stiften—dahin führt uns Babel und wir erleben dieses Odessa und diese Menschen, wie mir die Erzählungen der großen Russen — Busckkin, Dostoiewsti. Tolstoi — erleben. Trotz aller Buntheit bleibt der Grundton des Buches wehmütig: Immer ist es der arme kleine * Erschienen im Malik-Verlag, Berlin. Preis M. 3.—. Judenjunge auf der Friedhofsmauer, der uns diese Geschichten vermittelt — das kleine Babel selber — ob wir nun begeistert mit ihm den kühnen Taten BenjaKrick's, des großen jüdischen Räuber.,königs" von Odessa lauschen, oder wie in den beiden letzten Erzählungen eigene Kindheitserlebnisse — Pogromerinnerungen — von ihm hören. Gerade dieses „Helldunkel" — ein Auge weint, während das andere lacht — ist es, was den ganz eigenartigen, ganz starken Reiz des Vabel'schen Buches und des ostjüdischen Antlitzes überhaupt ausmacht. Anne Stern. Hertz. Dr. Jos. Herm. Jüdische Gedanken und Gedanken über Judentum. Autorisierte Übersetzung aus dem englischen von Rosalie Perles und Geleitwort von Felix Perles, Leipzig 1924. Gustav Engel. Der britische Oberrabbiner hat eine große Zahl von Gedanken, Aussprüchen, Betrachtungen, Erzählungen usw. zusammengestellt, die von den verschiedensten Autoren stammend, Lichter auf das Judentum, seine Gedankenwelt, seine Einrichtungen und seine Natur werfen. Von der Bibel bis zu Schriftstellern der Neuzeit, auch Nichtjuden, finden wir Zeugnisse aller Art, die die Themen behandeln: „Ich bin ein Jude", „das Volk des Buches", „das Zeugnis der Nationen", „die Stimme des Gebets", „die Stimme der Weisheit". So liegt eine Anthologie vor uns, die zum Nachdenken und Weiterlesen anregt. — Für Münchener Gemeindemitglieder werden die Namen der Übersetzerin und des Verfassers des Geleitwortes von besonderem Interesse sein. ld. Prüfer Johann. Pädagogische Vorträge für Eltern. Leipzig 1925. G. V. Teubner. Eltern, die für die Erziehung ihrer Kinder eine Beratung haben wollen und nach einem Buche greifen, sind oft enttäuscht, weil ihnen meist schwierige, psychologische Erörterungen entgegentreten, die sie für die Praxis der Kinderstube nicht verwerten können. Das vorliegende Buch füllt eine oft empfundene Lücke aus. Es zeigt den Eltern in Beispielen, die aus dem Leben gegriffen sind, wie man sich zum Kinde stellen muß, wie man Lügen, Eigensinn begegnet, wie man Strafen, Spiel, Taschengeld behandeln soll usw. Es hält sich gleicherweise von vernünftiger Strenge wie Schwäche dem Kinde gegenüber fern und wird allen Eltern ein sicherer und klarer Berater sein. ld. Vürgerkugend. Im Verlag F. A. Herbig, Berlin W 35, ist erschienen: „Eines deutschen Bürgers Arbeit in Wirtschaft und Politik." Diese Selbstbiographie des Kaufmanns und Industriellen Max Bahr in Landsberg a. W. (Nicht-Jude) ist deshalb für uns Juden interessant, weil Wcmsjßähm ORANGE IJril ati'r r ßJzÖrfgßriJi HM Ulüa&istei? /$pf OVGkyertSJfirscfi. Iljjlk i*