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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1926-10-07 · 10 (7.10.1926) · p. Seite 267

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
2 (1926)
Issue
10 (7.10.1926)
Article
Sir Herbert Samuel spricht in München über die Palästinafrage
Date
1926-10-07
Page
Seite 267 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 10 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 267 lischen 'Juden hätten eine verstärkte Pflicht der Anteilnahme am Aufbau, weil die englischen Juden Angehörige der Mandatsmacht feien. Da aber das Mandat vom Völkerbund verliehen fei, müßten auch die Juden der anderen Länder Mitarbeiten. Da auch Deutschland nunmehr im Völkerbund sitze, sei es wünschenswert, daß auch die deutschen Juden mehr noch als bisher sich für Palästina interessieren. Keine Regierung könne gegen eine solche Mitarbeit -etwas einwenden. Der deutsche Jude könne dabei ebenso, gut Deutscher bleiben wie der englische Jude Engländer, der französische Franzose. In der nun folgenden Aussprache führte Curt Vlumenfeld, Berlin, Mitglied des Präsidiums des Keren Hajesiod, Vorsitzender der Zionistischen Vereinigung in Deutschland aus: Die viel umstrittene Politik des Ausgleichs, wie sie im englischen Weißbuch enthalten und durch die Verwaltung Sir Herbert Samuels verwirklicht worden sei, sei zwar im Prinzip zu billigen, in vielen Einzelheiten aber einer Revision zu unterziehen. Zum Schluß seiner Rede frage er dann Sir Herbert, ob er die Unterstützung des Keren Hajesiod für notwendig erachte, damit das Werk von Palästina vollendet werden könne und ob er an das Gelingen des Werkes glaube. Sir Herbert Samuel bejahte diese Frage und erwiderte: „Als ich zum ersten Male nach Palästtna kam, war ich hoffnungsvoll, daß das Werk gelingen werde, als ich zurückkam, war ich überzeugt." Nunmehr fragte der Vorsitzende der Münchener Ortsgruppe des C.-V., Herr Dr. Ludwig Wassermann, ob die Kritik der palästinensischen Bevölkerung und der Zionisten an der englischen Verwaltung, wie sie insbesondere im Memorandum an die Mandatskommission zum Ausdruck gekommen ist, berechtigt sei und ob sie die Mandatsmacht ungünstig beeinflussen könne. Sir Herbert führte daraufhin aus, die Kritik richte sich hauptsächlich gegen die unzulängliche Landzuteilung und gegen die Schulerziehung. Eine größere Zuteilung von Kulturland durch die Regierung sei nicht möglich, weil dieselbe solches nicht besitze und es den Arabern auch nicht wegnehmen könne! Über das Schulwesen sei zu sagen, daß die Regierungsschulen größtenteils von Arabern begründet und besucht würden, während die Juden selbst die Kontrolle in ihren eigenen Schulen ausübten. Solange die Regierung nicht die Schule leite, habe sie auch nicht dafür zu sorgen. Eine Kritik würde allerdings nur dann ungünstig auf die englische Regierung wirken, wenn sie von schlechten Willen zeuge. Auf die Frage nach der Entwicklung der hebräischen Sprache erwiderte Sir Herbert, daß wohl 95 .Prozent des Unterrichts in hebräischer Sprache erteilt würden. Im Parlament würde hebräisch, arabisch und englisch offiziell gesprochen. Wer ie in Palästina gewesen sei, habe keinen Zweifel an der Zukunst der hebräischen Sprache. Hinsichtlich des Zusammenlebens von Juden und Arabern führte Sir Herbert aus: Beide würden wohl nicht untereinander, wobl aber nebeneinander friedlich zusammenleben, in der Weise, daß sowohl die Juden wie die Araber ihre eigenen Städte und Dörfer bewohnen. Sir Herbert Samuel bemerkte humorvoll, er sei trotz seines Namens kein Propbet und könne daher über die weitere Entwicklung in dieser Hinsicht nichts Voraussagen. Nach der Diskussion dankte Herr Rabbiner Dr. Baerwald dem Redner und würdigte die Verdienste dieses vornehmen, von höchster Gerechtigkeitsliebe geleiteten englischen Staatsmannes. In einem Schlußwort faßte der Leiter des Abends, Herr Dr. Straus, nochmals den Inhalt der Rede des früheren englischen Oberkommissars zusammen. Lebhafter Beifall dankte Sir Herbert Samuel für seine interessanten Ausführungen. K. Professor Dr. Karl Neumeyer. Am Schlüsse des Sommerhalbjahres 1926 wurde vom Staatsministerium für Unterricht und Kultus auf Antrag der juristischen Fakultät dem außerordentlichen Professor für internatiostäles Privat-, Straf-. Prozeß- und Verwaltungsrecht, Vergleichung der modernen Rechte und allgemeinen Rechtslehre an der Universität München, Dr. Karl Neumeyer, der Titel und Rang eines ordentlichen Professors verliehen. Diese äußere Anerkennung rechtfertigt es, wenn auch das vom Verbände der israelitischen' Gemeinden Bayerns und der jüdischen Gemeinde München herausgegebene Blatt des stillen, der Adolf Rothschild Neue Modelle Kostüme, Klei der,Mäntel Pelze, Wäsche, Korsettö M ü n ch e n Theatinersir. 7/I Graf-Arco-Palais. Eingang Maffeistr.

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