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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1926-10-07 · 10 (7.10.1926) · p. Seite 266

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
2 (1926)
Issue
10 (7.10.1926)
Article
Fürth
Date
1926-10-07
Page
Seite 266 (sequence 1)
Language
German
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266 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 10 5lus dem Verbände Fürth. Am 27. Oktober vollendet Herr Direktor. Dr. Teutsch, hier in voller körperlicher und geistiger Rüstigkeit sein 70. Lebensjahr und zugleich einen Zeitraum von 40 Jahren, seitdem derselbe vom Religionsleiter in Frankfurt a. M. in den bayerisch israelitischen Gemeindedienst übergetreten ist. Von allen Seiten gewürdigt und verehrt, ist ihm auf den mannigfachen Gebieten seiner Tätigkeit hoher Erfolg, in trefflichen Kindern reiches Glück erblüht. Freunde und Schüler vereinigen sich in dem Wunsche, daß es dem Jubilar noch lange vergönnt sein möge, seinen Ämtern vorzustehen, von seinem 'Wissensborn alt und jung zu laben und seinen Einfluß, wie bisher, im Interesse des Gemeindefriedens und der Einheit des Judentums geltend zu machen. Alpenau. Eine Reihe verdienter jüdischer Lehrer konnten im vergangenen Jahre auf eine 25-, bzw. 50jährige Tätigkeit in ihren Gemeinden zurückblicken. Ihnen reiht sich am 1. Oktober Herr Benzion Wechsler an, der 25 Jahre als Religionslehrer Kantor und Lehrer feine Gemeinde betreut hat. Der Sohn eines bedeutenden Talmudgelehrten, der an den Talmud-Thoraschulen in Schwabach und Höchberg segensreich wirkte, widmete er sich der Tradition seiner Familie folgend dem Lehrerberuf. Nach dem Seminaraustritt (Würzburg 1890) amtierte er in mehreren Kleingemeinden und folgte 1901 einer Berufung in die noch immer stattliche Gemeinde Alpenau. Als Sekretär der Kultusverwaltung und als Kassier und Schriftführer des Frauenvereins nahm er hervorragenden Anteil am Gemeindeleben. Seiner werbenden Tätigkeit gelang es die Synagoge gründlich zu renovieren und der Gemeinde ein würdiges Gotteshaus zu erhalten. Über den engen Kreis hinaus wirkte er im Verband Bayer. Israel. Gemeinden, im Lehrerverein und der Aguda stets fördernd, wenn es auch seiner Natur nicht entsprach, sich in den Vordergrund zu drängen. Das Vertrauen seiner christlichen Mitbürger übertrug ihm in den Kriegsiahren das Versorgungswesen, viele Jahre stand er ein eifriger Schüler Jahns an der Spitze des Turnvereins, leitete er als Dirigent den örtlichen Gesangverein. So wird der Ehrentag des tüchtigen Schulmanns, des pflichtbewußten Beamten und allgemein geachteten Bürgers ein Ehrentag auch für die Kultusgemeinde und das Städtchen werden. S. D. Aus ber Gemeinde Sir Herbert Samuel spricht in München über die Paläsiinafrage. Während der vergangenen hohen Feiertage weilte der ehemalige englische Oberkommissar von Palästina Sir Herbert Samuel mit seiner Gemahlin in München. Anläßlich seiner Anwesenheit hatten einige Persönlichkeiten der Kultusgemeinde München einen kleinen Kreis von Gästen zu einem Empfangsabend im Hotel Continental eingeladen. Sir Herbert Samuel hatte es freundlicherweise übernommen, vor ihnen ein Referat über Palästina zu halten. Nach der Begrüßung durch den Leiter der Versammlung, Herrn Dr. Elias Straus, und dem Vorsitzenden der Kultusgemeinde, Herrn Oberlandesgerichtsrat Dr. Alfred Neumeyer, ergreift Sir Herbert Samuel das Wort zu seinem Vortrag. Er berichtet kurz über die Entwicklung, die die Wirtschaftslage Palästinas feit der Mandatsübertragung an England genommen hat. Das Land, das bis dahin fast ohne Eisenbahn und ohne Häfen gewesen sei, habe sich in der kurzen Zeit durch die Tatkraft der jüdischen Einwanderer emporgearbeitet; das Sumpfgebiet, der Herd der Malaria, habe dem Kulturland weichen müssen und die jüdische Bevölkerung habe sich gut entwickelt, begünstigt durch das Zuströmen des Kapitals, und die Einwohnerzahl habe sich in dieser kurzen Zeitspanne verdreifacht. Dann spricht Sir Herbert Samuel über die kulturelle Entwicklung des Landes. Er legt dar, wie sich das kulturelle Leben auf der hebräischen Sprache aufbaut und wie diese in Schule und Wirtschaftsleben, in Theater und Parlament und im Alltag angewendet wird. Hierauf leitet der Referent zu den politischen Problemen Palästinas über und führt folgendes aus: Nach der Balfour Deklaration war eine große Unruhe unter den Arabern entstanden. Sie befürchteten, daß sie. die eingesessene Bevölkerung, ihres Landes beraubt und zu Unterdrückten der eingewanderten Juden gemacht würden. Diese Verwirrung wurde vermehrt durch die Zweideutigkeit des englischen Wortes „nationality". das gleichzeitig Nationalität und Staatsangehörigkeit bedeutet. Aber die englische Regierung bat durch das „Weißbuch" im Jahre 1922 klug vermittelt und die Ruhe wieder hergestellt. In diesem Weißbuch ist die Balfour-Deklaration eindeutig interpretiert. Es gibt keine jüdische Staatsangehörigkeit, sondern nur eine palästinische und die palästinische Staatsangehörigkeit besitzen Juden, Christen und Araber gemeinsam. Die Errichtung einer jüdisch-nationalen Heimstätte in Palästina sollte die staatsbürgerliche Stellung der Juden in anderen Ländern keineswegs berühren. Die irrtümliche Auffassung, daß Valästina so iüdisch werden sollte, wie England englisch sei. wurde so durch dieses Weißbuch nockimals ausdrücklich richtig gestellt. „Es ist nicht wahrscheinlich", sagt Sir Herbert Samuel wörtlich in der Diskussion, in der er nocbmals auf diesen Vunkt zurückkam. ..daß Palästina jemals das jüdisch-nationale Heim sein wird, aber i n Valästina wird den Juden ein Heim geschaffen werden können." Das jüdische Heim könnte es nur sein, wenn es ganz iüdisch wäre, da aber ein so großer Prozentsatz von Arabern dort ist. wird man immer nur sagen können, daß im Land ein jüdisches Heim begründet werden kann. Und nun foricht der Redner von der Verpflichtung zur Unterstützung des Aufbauwerkes in Palästina. Insbesondere die eng- * HAUSER’S HOTEL „DER REICHSADLER“ * MÜNCHEN, HERZOG-WILHELM-STRASSE 32 Albert Hauser, Eigentümer In unserem prachtvollen Cafe spielt täglich nachmittags und abends das Original Holländische Attraktions - Orchester Louise Guidemond in Nationaltracht EINTRITT FREI * *

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