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Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern · 1926-10-07 · 10 (7.10.1926) · p. Seite 21

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Journal
Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1926
Issue
10 (7.10.1926)
Article
Bericht über die 45. Mitgliederversammlung des israelitischen Lehrervereins für Bayern
Date
1926-10-07
Page
Seite 21 (sequence 2)
Language
German
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21 Mitteilungen des Israelitischen LchrervereinS für Bayern Nr. 10 Verdienste um den Synagogengesang fanden eine eingehende Würdigung, besonders der 4. Band seines Lebenswerkes „Thillos l'el eljion". Mit einem warmen Appell an die Kollegen, das Chasonos intensiver als bisher zu studieren, schloß der Referent seinen interessanten Vortrag. Zur Ergänzung dieser geschichtlich-theoretischen Ausführungen brachten die Herren Müller (München), Eschwege (Würzburg) und Heimann (Augsburg) einzelne Stücke aus dem 4. Band desKirschnerschen Werkes in vollendeter Weise zum Vortrag. Alles in allem: ein sehr gelungener Begrüßungsabend. In der Hauptversammlung erstattete zunächst Dingfelder seinen Tätigkeitsbericht. In gewohnter sachlicher Weise berichtete er über die Geschehnisse innerhalb des Vereins im letzten Jahre. Die Hauptversammlung sei für ihn ein „Jom hasikoron" und für die Mitglieder ein „Jom hadin". Aber wer stets seine Schuldigkeit getan, brauche dieses „Gericht" nicht zu fürchten. Aus dem sehr eingehenden Berichte seien nur einzelne Punkte hervorgehoben: 1. Der Verein habe sich für bedrängte Kollegen mit Erfolg eingesetzt. 2. Der Lehreroerein bzw. dessen Vorsitzende haben an der Verfassung des Verbandes und insbesondere am § 25 derselben, am „Beamtenrecht", nicht erfolglos mitgearbeitet. Wenn auch manche Kollegen mit mir der Ansicht sind, daß das Beamtenrecht in wesentlichen Punkten verbesserungsbedürftig ist, so gebührt doch den Lehrerabgeordneten in Tagung und Rat, die sich alle Mühe gaben, ein brauchbares Veamtenrecht mitzuschaffen, der Dank der Kollegen. Daß die Rechtsverhältnisse der jüdischen Beamten sich gebessert haben, ist zweifelsohne. Der Vorsitzende konnte dies dadurch am treffendsten beweisen, daß er einen Artikel eines jüdischen Lehrers in der „Augsburger Abendzeitung" vom 21. März 1900 (als die A. A. noch fortschrittlich war) über das damalige jüdische „Beamtenrecht" zur Verlesung brachte. 3. Er erwähnte weiter die Verhandlungen, die der Lehrerverein mit dem allgemeinen Lehrerverband führte, um die Grundlage zum Beitritt des Israelitischen Lehrervereins für Bayern zu schaffen. Uber diesen Punkt referierte der Schriftführer Rosenfeld noch einmal besonders. Er führte die Gründe an, die in der Vergangenheit zur Ablehnung des Anschlusses führten, wies aber nach, daß jetzt der Zusammenschluß dringend notwendig geworden sei, besprach die Vorschläge, die der Israelitische Lehrerverein für Bayern dem Lehrerverbande unterbreitete und die fast durchweg die Billigung des Verbandsvorstandes erlangten und empfahl den Beitritt, der dann auch einstimmig beschlossen wurde. So ist nun ein seit vielen Jahren gehegter Wunsch unserer Besten zur Tatsache geworden. Möge unserem Vereine und dem Gesamtverbande dieser Zusammenschluß zum Segen gereichen! Nachdem der Vorsitzende in seinem Tätigkeitsberichte noch der freudigen und traurigen Ereignisse innerhalb der Lehrerfamilie gedacht, sprach er über die Gegenwartsaufgaben der jüdischen Lehrer. Der jüdische Lehrer sei ein Diener der Öffentlichkeit, ein treuer, pflichteifriger Mitarbeiter in der Gemeinde. Seine Arbeit gelte der Allgemeinheit. Jeder Lehrer habe auch die Pflicht, auf seine eigene Fortbildung bedacht zu sein. Wenn auch die Zahl der jüdischen Volksschulen sich dauernd vermindere, so müsse der jüdische junge Lehrer trotzdem die Fortbildungskurse besuchen und sich der Anstellungsprüfung unterziehen. Nur ein vorzüglich vorgebildeter Beamter kann der wahre Vertreter seiner Gemeinschaft sein und sich mit Erfolg gegen alle Angriffe gegen dieselbe zur Wehr setzen. Fortbildung aber auch auf jüdischem Gebiete! Arbeit in den Bezirkskonferenzen! Arbeit an uns und für den Beruf! Arbeit aber auch außerhalb des Berufes in der Jugendhilfe und Jugendbewegung und an allen jüdischen Bestrebungen! Das fei unser Ziel! Mögen diese eindringlichen Worte unseres Vorsitzenden auf guten Boden gefallen sein! Jeder, der in Liebe am Judentum hängt, wird einen arbeitsfreudigen Lehrerstand, der auch in der Sorge für die Allgemeinheit nicht ermüdet, begrüßen. Darum sollte man die Mitarbeit der jüdischen Lehrer nicht unmöglich machen. Zur Illustration dieses Wunsches nur die eine Tatsache: Die liberale Fraktion hat für die Tagung des bayerischen Gemeindeverbandes im rechtsrheinischen Bayern keinen einzigen Lehrer aufgestellt! Die konservative Fraktion hat nur in Unterfranken Lehrer als Vertreter für würdig befunden. Nur die jüdische Volkspartei macht eine rühmliche Ausnahme! Aus dem gleichen Wunsche heraus — Mitarb eit um des Judentums willen — ist auch der Antrag Brückheimer entstanden, der in der abgeänderten Fassung: „In rabbinerlosen Gemeinden ist der unwiderruflich angestellte Lehrer stimmberechtigtes Mitglied der Verwaltung" — einstimmig angenommen wurde. Aus der Behandlung dieser Frage in den maßgebenden Instanzen wird man ersehen, ob die aktive Mitarbeit der Lehrer, die nur aus jüdischem Interesse gefordert wird, erwünscht ist oder nicht. In einigen anderen deutschen Staaten (Württemberg, Meiningen usw.) hat das jüdische Leben in der Gemeinde durch die verantwortungsvolle Mitarbeit der Lehrerschaft viel gewonnen. Der Israelitische Lehrerverein für Bayern hat sich eine Hilfskasse zur Unterstützung von Lehrerwitwen und -Waisen geschaffen. Diese Kasse ist der Inflationszeit zum Opfer gefallen. Die Generalversammlung hat nun beschlossen, dieses soziale Hilfswerk aus eigener Kraft neu aufzubauen. Voraussetzung hierzu war eine ganz wesentliche Erhöhung der Mitgliedsbeiträge, die einstimmig bewilligt wurde — ein schönes Zeichen für den Opfersinn des jüdischen Lehrers! Nach der Erledigung dieser standespolitischen und organisatorischen Fragen kam wieder die Berufswissenschaft zu ihrem Recht. Dr. Hammelburger (Würzburg) hielt ein inhaltlich und rhetorisch gleich vorzügliches Referat über das Thema: „Welche Forderungen stellen wir an den jüdischen Geschichtsunterricht und an feine Lehrmittel?" Auf Wunsch der Generalversammlung wird Dr. Hammelburger sein Referat in der Beilage der „Gemeindezeitung" veröffentlichen. Aus diesem Grunde kann hier von einer Besprechung abgesehen werden. An der regen Diskussion beteiligten sich u. a. Frl. Löb (Köln), die es bitter beklagt, daß die jüdische Gegenwartsgeschichte so stiefmütterlich behandelt werde; Oberlehrer Stoll, der jüdische Heimatsgeschichte betrieben haben will; Dr. Bamberger, der Quellenstudium verlangt und Dr. Hanover, der bei 2 Wochenstunden keine Möglichkeit gegeben sieht, all die schönen Ziele, die das Referat und die Diskussion aufgestellt, zu verwirklichen. Die vorgesehene Aussprache über das vorjährige Referat Hirnheimers, „Hebräischer Sprachunterricht im Sinne des Arbeitsunterrichts" mußte leider, der vorgerückten Zeit halber, unterbleiben. Vielleicht nehmen verschiedene Kollegen zu dem in Broschürenform erschienenen Referat Hirnheimers in unserer Lehrerbeilage Stellung. Sehr wichtig ist nach meiner Meinung die Bearbeitung von geeigneten jüdischen Lehrbüchern im Sinne des Arbeitsunterrichts. Mögen sich berufene Kollegen zu dieser Arbeit finden! Über ein neues Schiurbuch, (Sefer nio fefosojim, erschienen bei Kauffmann, Frankfurt a. M.) des Kollegen Adler (Nürnberg) referierte Oberlehrer Anfänger (Würzburg). Seine Ausführungen klangen in die Aufforderung an alle Kollegen aus, sich dieses Buch zu verschaffen, und durch Vorträge hieraus den Sabbatfchiur zu einer Quelle der Belehrung und Erbauung für die Gemeinden zu gestalten. Den Abschluß der Generalversammlung bildete die Trauerkundgebung für Geh. Justizrat Dr. Held (Nürnberg), über die der Schriftführer Rosenfeld in Nummer 9 der Lehrerbeilage des „Jüd. Echos" schon eingehend berichtet hat. Wir Lehrer werden das Andenken an diese „Jdealgestalt eines deutschen Juden" stets in Ehren halten. Der Wert einer Versammlung liegt nicht in den schönen Worten, die gesprochen werden, sondern in den geistigen Werten, die jeder Versammlungsteilnehmer mit nach Hause nimmt. Ich glaube nicht, daß, auch nach solchen Maßen gemessen, die Lehrerversammlung nutzlos war. Jeder einzelne hat Neues gehört und gelernt, das er daheim anwenden wird; jeder einzelne hat aber auch die Überzeugung mitgenommen, daß er auch außerhalb seines Berufes an den großen Aufgaben des Judentums mitzuarbeiten verpflichtet ist. | praparandenlehrer (Dax Gutmaiin | Am ersten Abend des Rofch-Hafchonoh, dessen Festtagsliturgie in erschütternder Weise die Gebundenheit des Menschenschicksals an den göttlichen Richterspruch uns zum Bewußtsein bringt) hauchte Max Gutmann seine edle Seele aus. Am zweiten Tage des Rosch-Haschonoh wurde, was sterblich an ihm war, auf dem Beis hachajim zu Fulda der Erde übergeben. Mit Max Gutmann ist ein frommer Jude, ein ideal gesinnter Lehrer, ein guter Mensch ins Grab gesunken. Geboren im Jahre 1876 in Kleinsteinach und ausgewachsen in einem von tiefem!

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