Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1926
- Issue
- 10 (7.10.1926)
- Article
- An die Mitglieder des israel. Lehrervereins für Bayern
- Date
- 1926-10-07
- Page
- Seite 20 (sequence 1)
- Language
- German
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(Mitteilungen Des Jftaelitifrfjen Lehrervereins für Wem Schriftleitung: M. Rosenfeld, München 1926 München, 7. Oktober Nr. 10 5ln die Mitglieder des Israelit. Lehrervereins für Vavern Infolge Vereinbarung mit dem Präsidium des Verbandes, den Vertretern des „Jüdischen Echo" und dem Verlag B. Heller, sollen aus organisatorischen Gründen unsere „Mitteilungen" von nun an als regelmäßige Beilage der „Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" erscheinen. Bis zum Ende des Jahres wird das Mitteilungsblatt wie bisher auch mit dem „Echo" herauskommen. Wir wollen bei dieser Gelegenheit der Schriftleitung und dem Verlag des „Jüdischen Echo" unseren Dank für das uns jederzeit bewiesene Entgegenkommen, wie für die Förderung der schulischen Interessen aussprechen, die die Zeitung seit drei Jahren uns angedeihen ließ. Die Vereinsmitglieder werden von jetzt ab die „Gemeindezeitung", soweit für sie das Blatt nicht ohnehin schon eingewiesen ist, regelmäßig erhalten. Mitglieder, denen die Zeitung nicht oder nicht regelmäßig zugehen sollte, wollen sich zwecks weiterer Veranlassung an den Schriftleiter wenden. München, 1. Oktober 1926. Verwaltung des Israelitischen Lehrervereins: S. Dingfelder M. Rosenfeld 1. Vorsitzender Schriftführer vericht über die 45. Mitgliederversammlung des Israelitischen Lehrervereins für vavern Von Max Adler (München) . Wir bringen einstweilen diesen mehr stimmungsgemäß gehaltenen Bericht über unsere Würzburger Versammlung, das genaue Protokoll mit den gefaßten Beschlüssen wird in einer weiteren Nummer zum Abdruck kommen. Der Schriftleiter. Am 29. und 30. August fand die 45. Mitgliederversammlung des Israelitischen Lehrervereins für Bayern in Würzburg statt. Zahlreich waren die jüdischen Lehrer aus allen Gegenden des Bayernlandes erschienen, um Anteil an den Verhandlungen der Standesorganisation zu nehmen. Wer die Tagesordnungen der letzten Lehreroersammlungen aufmerksam liest, der wird zu seiner besonderen Freude bemerken, daß. jetzt standespolitische Fragen gegenüber den berufswissenschaftlichen immer mehr in den Hintergrund treten. Dank der Arbeit des Verbandes.beschäftigt sich die Lehrerversammlung nicht mehr in dem früheren Ausmaße mit wirtschaftlichen Fragen. Es wäre allerdings falsch, wenn man daraus schließen wollte, daß die Lehrer keine wirtschaftlichen Sorgen mehr hätten. Die waren noch nie so groß wie jetzt; aber wir Lehrer sind verständig genug, sie als Ausfluß der allgemeinen Notlage zu betrachten und finden uns damit ab. Schon der Begrüßungsabend — an dem die Herren Heß und Lazarus als Vertreter des „Verbandes", Herr Bezirksrabbiner Dr. Hanover (Würzburg) und Herr Engel im Namen der Vorstandschaft der Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg Begrüßungsworte sprachen — galt der Berufswissenschaft. Herr Oberckantor Heimann (Augsburg) referierte in tiefgründiger Weise über: „Die Entwicklung des Synagogengesanges von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart." Statt einer nichtssagenden Würdigung sei hier ein kurzer Auszug aus seinem Referate wiedergegeben: Schon in den ältesten Zeiten wurde, wie aus der Bibel bekannt, der Gottesdienst Israels durch Musik beeinflußt: (Lied am roten Meere, nach Herder „das älteste und klingendste Siegeslied der Erde", das „Brunnenlied", Lobgesang Deborahs und Baraks nach Bezwingung des Feindes.) Auch in den Prophetenschulen gab es Musik und Gesang. Uber die Verwendung der Musik beim eigentlichen Kultus berichtet die Thora nur von der Begleitung des Opferdienstes durch die Priester mit Trompeten. Erft David gestaltete die liturgische Musik zu einem wesentlichen Faktor des Gottesdienstes durch levitische Sängerchöre, (Instrumentalbegleitung: Cymbeln, Harfen, Schosor usw.). Erweiterung fand die Instrumentalmusik im salomonischen Tempel. Auch im babylonischen Exil blieb die musikalische Institution erhalten. Über die innere Beschaffenheit der althebräischen Tempelmusik herrscht keine Klarheit. Auch der Talmud gibt hierüber keinen Ausschluß. Wahrscheinlich war sie einfach und kunstlos; denn die Musik nahm erst im 10. Jahrhundert eine höhere Kunstentwicklung. Der Gesang trug unisonen Charakter. Nach Ansicht unserer Quellenforscher haben wir im jerusalemischen Tempelgesang den Anfang unserer traditionellen Gesänge zu suchen. Über die weitere Entwicklung der traditionellen Melodien sind wir auf Mutmaßungen angewiesen. Die Verbreitung erfolgte durch mündliche Tradition, daraus resultieren die vielfachen Variationen. Durch die Zerstörung des zweiten Tempels verfielen die musikalischen Einrichtungen, aber der Gesang wurde in den Synagogen weitergepflegt. Berufsvorbeter gab es noch nicht. Der Würdigste war ausersehen, der Sch'liach Zibbur zu fein. Erst im 6. Jahrhundert soll es festangestellte Vorbeter gegeben haben. Bei Anstellung wurde man immer wählerischer. Nicht nur eine angenehme Stimme, sondern auch menschlich gute Eigenschaften wurden verlangt. Aus dem talmudischen Zeitalter gibt es Anhaltspunkte für das Vorherrschen des Sprachgesanges. Für das „Leienen" waren längst bestimmte Tonzeichen maßgebend. Die Tätigkeit des Vorbeters nahm mit der Erweiterung des Gebetrituals an Umfang zu und die Bedeutung der fynagogalen Gesänge steigerte sich mit der höheren Entwicklung der musikalischen Kunst, die den fynagogalen Gesang stark beeinflußte. Einen behütenden Aufschwung nahm der Synagogengesang durch den Ausbau der fynagogalen Poesie im Mittelalter (Piutim). Die Vorbeter ließen dabei auch manchmal Melodien, die nicht dem jüdischen Boden entstammten, erklingen, waren also auf die Reinheit der Synagogenmelodien wenig bedacht, sogar Volkslieder wurden verwendet. Durch die Verordnung des „Maharil", daß die in einem Orte herkömmlichen Minhogim der Liturgie nicht, abgeändert werden dürfen, beginnt im 15. Jahrhundert für die Geschichte des Synogogengefanges eine neue Epoche. Im 17. und 18. Jahrhundert änderte sich das Bild durch die Unmanieren und Geschmacklosigkeiten vieler Chasanim, die in Verbindung mit den „Meschorrarim" durch Bänkelgesänge und Gassenhauer den Gottesdienst herabwürdigten. Mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts trat ein vollständiger Umschwung in der Gestaltung des Synagogengesanges dadurch ein, daß sich die Einwirkung der höheren musikalischen Kunst auch im jüdischen Gottesdienst zeigte. Neues Leben erblühte aus den Ruinen des besonders in Deutschland in Verfall gekommenen Synagogengesanges. Zwar bedeutete die religiöse Reform, die eine radikale Umwandlung des Gottesdienstes erstrebte und das innerste Wesen des Synagogengesanges zu zerstören drohte, eine schwere Krisis. Aber kluge und fähige Männer, die unter dem musikalischen Einfluß von Bach, Händel und der Heroen Haydn, Mozart und Beethoven standen, erreichten eine Umkehr. Im Jahre 1839 erschienen die „Münchener Gesänge", von Maier Cohn herausgegeben, in denen die alten Melodien wieder zur Geltung kamen. Bahnbrechend wurde Sulzer's Lebenswerk „Schir Zion". In seinem Geiste arbeiteten eine ganze Menge begabter Kantoren: Weintraub, Deutsch, Friedmann, Naumburg usw. und besonders Louis Lewandowsky. Unter den bedeutendsten Kantoren der Ge-, genwart tritt vor allem unser Kirschner (München) hervor. Seine