Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 9 (8.9.1926)
- Article
- Rothenburg
- Date
- 1926-09-08
- Page
- Seite 248 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2727810-2727823-2727832--01323-2730220- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
248 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 9 ten den Abend. Auch hier wieder bewies Herr Josef Wimpfheimer sein dichterisches Können. Erst in später Mitternachtsstunde endete die in allen Teilen wohlgelungene Feier. Mönchsroth. Durch den unerwarteten Tod des Herrn Luis Lernte, hier, erhielt unsere altehrwürdige Kultusgemeinde einen unersetzlichen Verlust. Obgleich wegen des hl. Sabbats, an dessen Abend der sanfte Tod erfolgte, eine Todesanzeige in der Lokalzeitung nicht erfolgen konnte, verbreitete sich die Schmerzensnachricht wie ein Lauffeuer von Mund zu Mund. Und jeder, der davon Kenntnis erhielt, ließ es sich nicht nehmen, dem edeln Verblichenen die Beweise der Liebe und Anhänglichkeit zu bekunden. Von nah und fern versammelte sich eine unzählige Menge vor dem Trauerhause. Herr Rabbiner Dr. Munck, welcher noch vor Abfahrt nach der letzten Ruhestätte eingetroffen war, schilderte in meisterhaften Worten das vorbildliche Leben des teuren Verblichenen. Lehrer Erlebacher gab in treffenden Worten dem Schmerze Ausdruck, den er selbst und die gesamte jüdische Gemeinde erlitten hat, als ob ein Glied aus dem eigenen Körper gerissen wäre. Im Gottes- und Lehrhause, wo er stets einer der ersten war, verursacht sein Hinscheiden eine dauernde Lücke. Ein Stück Geschichte unserer berühmten Kultusgemeinde ist mit ihm leider allzufrüh ins Grab gesunken. Neustadt a. d. Saale. Von der Regierung von Unterfranken und Aschaffenburg wurde der Hauptlehrer Karlmann Wähler an der israelitischen Volksschule in Neustadt a. d. Saale, zum Oberlehrer nach Gruppe IX der Bes.-Ordnung befördert. kihingen. Seinen 75. Geburtstag feierte am 28. Juli der in Handelskreisen bestens bekannte und hier allseits beliebte Privatier Herr Benjamin Stern. Der Jubilar war 33 Jahre Vorstand der Israelitischen Gemeinde und mußte infolge Krankheit zurücktreten, wurde aber in Anbetracht seiner Verdienste zum Ehrenvorstand ernannt. Die Verwaltung der Kultusgemeinde hat es sich am Geburtstage nicht nehmen lasten, dem Jubilar ihre Glückwünsche persönlich zu übermitteln. Herr Benj. Stern zeigt heute noch das vollste Interesse für alle Fragen der Stadt und regste Anteilnahme für die Belange der Kultusgemeinde. Möge auch weiter dem „Geburtstagskinde" ein sonniger Lebensabend beschieden sein. Bad Brückenau. Am 25. Juli blickte das Hotel Kaufmann auf sein 50jähriges Bestehen zurück. Aus diesem Anlaß veranstalteten die zahlreichen Gäste des Hotels einen Festabend, der Zeugnis davon ablegte, in welchem Maße es die Besitzer verstanden, sich die Zuneigung ihrer Gäste zu erwerben. ttus der Gemeinde. Fünfundzwanzigjähriges Geschäftsjubiläum. Am 1. September feierte Herr Eduard Schöpflich, Goldschmiedmeister und Juwelier in München, sein 25jähriges Geschäftsjubiläum. Telegrammablösungsformulare. Der israelitische Frauenverein (e. V.) von 1830 macht darauf aufmerksam, daß Telegrammablösungsformulare, die dem Verein Mittel zuführen, den Verbraucher aber finanziell durchaus nicht mehr in Anspruch nehmen als ein aufgegebenes Telegramm, im Bureau des. Armenpflegers, wie bei der Vorsteherin an allen Wochentagen von 10—12 Uhr, sonst in der Gemeindekanzlei während der Bureaustunden, erhältlich sind. Berichtigung. Der gemeindliche Kalender für das Jahr 1926/27 enthält folgende Unrichtigkeiten, die wir zu berichtigen bitten: 1. Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Die Telephon-Nummer ist nicht 58 871 sondern 58 821. 2. Frau Minna Hahn, Mathildenstr. 9, bittet unter dem Titel XII: Rituelle Restaurants, zur Kenntnis zu nehmen, daß wohl bei ihr die Mensa — ritueller Mittagstisch der Ortsgruppe München des jüdischen Frauenbundes für den Mittelstand — untergebracht ist, daß sie aber außerdem, wie schon seit 23 Jahren, noch einen privaten Mittagstisch hält, der von der Mensa unabhängig ist. Frau Hahn ist Mitglied des Hamburger Vereins und des Gastwirtsverbandes. vücherschau. Der Morgen. Das zweite Heft des II. Jahrganges bringt wieder eine Fülle des Interessanten und zeigt, welche Bedeutung diese Zeitschrift schon heute im deutsch-jüdischen Geistesleben einnimmt. Sophie Cassel berichtet über das Leben von Salomon Maimon, den bekannten Philosophen der Aufklärungszeit, dessen Leben durch das Beispiel der Tragik eines Emanzipationsversuches überpersönliche Bedeutung gewinnt. — Das ewige Problem der Gerechtigkeit in der Welt behandelt Thieberger in einem Aufsatz „Jona Hiob und das Problem der Gerechtigkeit", scharf die großen Fragen herausstellend: „Aber der Glaube an eine absolute Gerechtigkeit in der Welt hat seit je mit dem Widerspruch der menschlichen Erfahrung gerungen und sich an ihm gewandelt. Ja, die verzweifeltste Frage des Monotheismus, die der übrigen Antike fremd blieb, ist diese: Kann der Mensch auch nur gerecht sein wollen? Und hart daneben: Ist das Leid die Buße für verletzte Gerechtigkeit?" — Aster feiert in einem Aufsatz zum 70. Geburtstag die Bedeutung Sigmund Freunds für die Psychologie. Goldstein setzt seine äußerst verdienstvollen Untersuchungen über die völkische Ideologie fort und greift einen der wichtigsten Punkte heraus: Ist Fichte ein Gesinnungsgenosse der Völkischen? Die Bedeutung solcher ernster Untersuchungen kann nicht hoch genug veranschlagt werden. Erwähnenswert sind weiter Fritsche „Erwägungen zu Nathan dem Weisen", Julius Bab „Goethe und die Juden" (eine Fortsetzung). Rudolf Hallo „Die Schriftzeichen von Sinai und das Problem der heiligen Schrift". S. Lea, ein Spiel in 5 Teilen, von Robert Reiner. Kommissionsverlag Ewer-Buchhandlung, München. Preis 1.— Ä. Ein Spiel aus deutscher und jüdischer Vergangenheit in der Zeit der Kreuzzüge. Ein Judenmädchen Lea von dem Burgherrn ob ihrer Schönheit begehrt, weiß diesen durch ihre Seelengröße zum Verzicht zu bestimmen. Dem Verfasser ist es gelungen, uns jene fernen Zeiten nahezubringen, den Druck des Ghettos, der Rechtlosigkeit und wieder die Seelengröße, die jenes überwand. Das Spiel erscheint recht geeignet, in das Repertoire von Liebhaberbühnen und Vereinen ausgenommen zu werden. Zu diesem Zwecke ist dieses dankenswerte Merkchen verfaßt. S. Briefe an einen antisemitischen Freund. Von U. R. Deutsch. Leipzig 1926, bei Gustav Engel. Ein ernstes und auch interessantes Buch, die Apologie eines Christen. Interessant ist dieses Buch vor allem dadurch, daß es einen Einblick in die Seele eines christlichen Deutschen gibt, der sich aus ehrlicher Überzeugung gegen den Antisemitismus wendet. Und gerade hieraus ist zu sehen, wieviel Irrtum noch zu überwinden ist. S. Zedakah. Die zweite Nummer der Zedakah, Zeitschrift der jüdischen Wohlfahrtspflege, herausgegeben von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, ist nunmehr erschienen. Die Nummer enthält folgende Aufsätze: Eugen Caspary: Unsere Tagung am 6. Juni 1926 in Düsseldorf. (Worte der Begrüßung). — Dr. Leo Baeck: Der geistige Gehalt der jüdischen Wohlfahrtspflege. — Dr. Wittelshöfer und Dr. Georg Baum: Die Fürsorge für wirtschaftlich Notleidende. — Dr. Felix A. Theilhaber: Jüdische Bevölkerungsfragen. — Dr. Friedrich Ollendorff und Hilde Ottenheimer: Jüdische Jugendnot und Jugendhilfe. — Georg Lubinski: Das soziale Programm der jüdischen Jugend. — Georg Sawady: Die Fürsorge für jugendliche Psychopathen. — Paula Ollendorff: Die Fürsorge für Gefangene und Strafentlassene. — Dr. I. W. Samson: Neuzeitliche Maßnahmen der Tuberkulosen-Bekämpfung und -Fürsorge. — Frieda Weinreich: Stand der Maßnahmen zur Bekämpfung der