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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1926-09-08 · 9 (8.9.1926) · p. Seite 247

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
2 (1926)
Issue
9 (8.9.1926)
Article
Die Ferienkolonie in Krumbach
Date
1926-09-08
Page
Seite 247 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 9 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 247 Die Ferienkolonie in Krumbach. Am Sonntag, dem 14. August, in aller Herrgottsfrüh, um 6 Uhr, machte sich eine Reihe von Damen und Herren, welche in München fürsorgerisch tätig sind, auf, um das in vollem Betrieb befindliche Ferienheim in Krumbach (Schwaben) des Münchener ifrael. Vereins für Ferienkolonien und zur Bekleidung von Schulkindern, zu besuchen. Sie wurden dort freudig vom Lokalkomitee, von Schwester Laura, welche heuer zum achtzehnten Male Ferienkolonisten betreut, und ihrer Nichte als Helferin, sowie von der neuen Hausverwalterin Frau Adler, empfangen. Auch die Kinder, 54 an der Zahl, zeigten eine herzliche Freude über den Besuch, welcher ja in erster Linie ihnen galt. Sie bewiesen nachmittags durch Vorführung von reizenden Tänzen, humorvollen Deklamationen und Gesang und einem kleinen, gut gespielten Theaterstück, daß Schwester Laura und ihre Nichte nicht nur auf die körperliche Erholung ihrer Schutzbefohlenen achten, sondern durch geistige Anregung Munterkeit und Lebensfreude in der Jugend wecken. Es war rührend, mit welch ungekünstelter, herzlicher Liebe die Kinder an beiden hängen, wie auch an der Frau Verwalterin, welche mit größtem Eifer und Verständnis Haus und Küche in Ordnung hält. Ein Gang durch alle Räume überzeugte uns von tadelloser und praktischer Einteilung allenthalben. Ein Teil des Hauses steht während der Monate außerhalb der Ferien für erholungsbedürftige Frauen und Mädchen bereit. Es wäre wohl zu überlegen, ob nicht innerhalb der Schulzeit besonders schwächliche Schüler oder vor der Schulpflicht stehende Kinder, wie das schon vor der Kriegszeit war, das Ferienheim genießen könnten. Räume sind ja genügend da. Um bei etwa vorkommender ansteckender Erkrankung die anderen Kinder zu bewahren, wurde auf Anregung des Herrn Bezirksarztes, welcher mir bei einer Unterredung seine vollste Zufriedenheit mit unseren Einrichtungen kundgab, eine eigene Absonderungsabteilung geschaffen, aus welcher ein rasch genesendes, nicht mehr ansteckungsfähiges Kind bald wieder zu seinen Kameraden zurückkehren oder ein längerer Behandlung bedürftiges, ohne die Mitbewohner des Hauses zu gefährden, dem Krankenhause zugeführt werden kann. Schwester Laura ist durch ihre beruflichen Kenntnisse in der Lage, die Gesundheit der Zöglinge zu überwachen und rechtzeitig ärztlichen Rat einzuholen. Daß die Verkösttgung reichlich und entsprechend ist, dafür spricht das gute Aussehen der Kinder. Dem lebhaften Dank für die Bemühungen des Krumbacher Ortsausschusses um die Kolonie, für die Tätigkeit der Schwester Laura und der Verwalterin gab Herr Albert Landauer trefflichen Ausdruck. Ihm, dem geistigen Urheber und Förderer der segensreichen Einrichtung, wie auch der Münchener Vorstandschaft und den anderen Gästen wurden liebe Worte gewidmet. Neben guter Verpflegung und Wartung bieten Luft- und Lichtgenuß aus dem Spielplatz, Spaziergänge in den schönen Wäldern beim Krumbad, Badegelegenheit in der sehenswerten städtischen Badeanstalt, alle Möglichkeiten der Erholung und Kräftigung. Haben doch nicht nur die Kinder der Ärmsten, sondern die aller Stände, besonders des finanziell gesunkenen Mittelstandes, nach langer, anstrengender Unterrichtszeit einen richtigen Genuß der Ferien so nötig! Ihr Wert an körperlicher Stärkung und geistiger Erfrischung ist überaus hoch. Vor Jahren konnte ich gerade an Krumbacher Ferienkolonisten Nachweisen, daß richtig angewandte Ferientage denen, welche während des Schuljahres unter schlechten Wohnungs-, Ernährungs- und manchmal Familienverhältnissen leiden, innerhalb einiger Wochen einen Zuwachs an körperlicher Gesundheit bringen, welcher oft das während der Schulzeit gegenüber Gleichaltrigen bestehende Mindermaß einholt, namentlich, wenn ein öfterer Genuß der Ferienkolonie ermöglicht wird. Doch auch die Schule zieht von dieser Förderung Nutzen. Durch leibliche Gesundheit und geistige Frische wird der Schulerfolg begünsttgt. Als auswählender und vorschlagender Arzt und Schularzt bedauere ich immer wieder, daß die Ferienkolonienvereine, auch unsere Münchener, für jüdische Kinder nicht so viel Mittel haben, um alles Erstrebenswerte zu leisten, namentlich auch zu wenig, um Kränkliche, sehr Schwächliche, welche besonderer Obsorge bedürfen, in geeignete Heime und Heilstätten genügend lange zu schicken. Den sich mit solch edler Menschenliebe befassenden Vereinen sollten weit mehr Spenden zufließen. Segensreiche Stiftungen — zum großen Teil sind sie ja der bösen Zeit zum Opfer gefallen — sollten erhöht oder neu geschaffen werden. Gesundheit und damit Glück für einzelne, für die Familie, für die Gesamtheit erwächst hier. Welch erhebendes, beglückendes Gefühl ist es, blasse Wangen wieder erblühen, magere Gesichtchen sich wieder runden, müde Augen erglänzen, schwache Glieder wieder erstarken zu sehen! Gibt es ein schöneres Geschenk? Doernberger. Rothenburg. Am Schabbos Ki feze fand die Abschiedsfeier unseres allseits hochverehrten Herrn Lehrers Hofmann statt, der fast ein Menschenalter — 51 Jahre — seine Kraft in den Dienst unserer Gemeinde gestellt hat. Wenn schon bei der am 31. Oktober 1925 begangenen 50jährigen Dienstjubiläumsseier dem Jubilar hochverdiente Ehrungen zuteil wurden, so gab auch diese Feier wiederum Zeugnis von der Liebe und Anhänglichkeit, die Herrn Hofmann mit seiner Gemeinde und diese wieder mit ihm verbanden. Zugleich fand auch die Einführung des als Nachfolger berufenen Herrn Lehrer Liffgens, statt. In der Synagoge sprach Herr Distriktsrabbiner Dr. Munck und wandte die Worte unseres Stammvaters Jakob: Lau aschalechacho ki im berachtoni — „ich entlasse dich nicht, du habest mich denn gesegnet,, — auf den Scheidenden an. Unter tiefsinniger Auslegung der Thoraworte: Jifkaud elauke horuchaus usw. — „es bestimme Gott einen Mann über die Gemeinde, der sie aus- und einführen möge" — sprach Herr Dr. Munk zu dem neu ins Amt tretenden Lehrer. Herr Liffgens richtete unter Zugrundelegung des Haphtoroh-Satzes: Ki hehorim jomuschu w'lagwoaus temutenu, w'chasdi usw. — „Berge werden weichen und Hügel wanken, aber meine Gnade von dir wird nicht weichen und der Bund meines Friedens nicht wanken, spricht der Ewige, dein Erbarmer" — herzliche Worte an den scheidenden Kollegen, und legte das Programm seiner künftigen Tätigkeit in der Gemeinde in Anlehnung an das Prophetenwort: W'erastich li l'aulom usw. — „ich verbinde mich mit dir auf immer; ich verbinde mich mit dir in Recht und Gerechtigkeit, in Liebe und Erbarmen; ich verbinde mich mit dir im Glauben, daß du erkennest den Ewigen" — in zu Herzen gehender Weise dar. Bei der abends im Hotel Eisenhut abgehaltenen Feier richtete der Vorstand der hiesigen Gemeinde Theodor Mann innige Worte der Anerkennung an den Scheidenden und überreichte ihm die Urkunde als Ehrenmitglied der Gemeinde. Als Vorsitzende des Frauenvereins dankte Frau Helene Löwenthal für die dem Verein lange Jahre geleisteten Dienste als Kassier und Schriftführer und überreichte eine Radierung, darstellend das Rathaus von Rothenburg. Mehrere Gemeindemitglieder sprachen herzliche Worte des Abschieds. In rührender Weise dankte Herr Hofmann für die ihm allseits erwiesene Aufmerksamkeit. Musikalische Darbietungen und Gedichte in vollendeter Weise, von ehemaligen Schülern und Schülerinnen vorgetragen, verschön-

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