Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 9 (8.9.1926)
- Article
- Betrachtung zu Rosch-Haschonoh
- Date
- 1926-09-08
- Page
- Seite 243 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 9 Bayerische Israelitische Gemeindezeilung 243 velrachlung zu Nosch-6aschonoh Das Neujahrsfest, das uns Ln der heiligen Schrift als Tag der Erinnerung, als Tag des Posaunenschalls verkündet wird, ist -ein hohes und heiliges Fest für alle Bekenner des Judentums. So mannigfache Veränderungen die Reform auch vorgenommen hat, an dem Neujahrsfest wurde ebensowenig wie an dem Versöhnungsfest gerüttelt. Die Feier dieser Feste zeigt, daß die Gesamtheit des Judentums diesem die Treue bewahrt und die Pietät gegen dasselbe nie hintangesetzt hat. Kein anderes unserer Feste zeigt uns auch so die Vorsehung im Leben des einzelnen Menschen, wie in dem der Völker so klar und eindringlich wie das Neujahrsfest. Wir feiern dasselbe am ersten Tag des siebenten Monats und finden als einen der Gründe hierfür in dem Ausspruch „Vetischri nivro Haolam" „im Tischri wurde die Welt erschaffen". Ein alter Weiser erklärt dies dahin, die Welt ist in den Herbsttagen geschaffen worden und die Menschen mußten sich erst durch die Rauheit des Herbstes und die Strenge des Winters hindurch arbeiten, um . sich für den Genuß des Frühlings und des Sommers fähig und würdig zu machen. Er findet dieses Bild im Hinblick auf den Satz „tof lagever ki jefso Ol binurov, es ist gut für den Menschen, wenn er das Joch in der Jugend trägt", d. h. durch eine strenge Jugend auf den Ernst des Lebens hingewiesen wird. Ein weiterer Ausspruch unserer Weisen lautet: „Der Mensch wird am Neujahrstag gerichtet, das Urteil aber wird am Gerichtstag (Jom Kipur —Jom Hadin) besiegelt." Der Spruch bedeutet auf menschliche Verhältnisse übertragen, daß wie im Leben einem Verurteilten Zeit gegeben ist, das Urteil durch Beweise seiner Unschuld umzustoßen oder Bewährungsfrist zu erlangen, so soll auch hier bis zum Dersöhnungstag dem milden Richter Beweise gegeben werden, welche einem gnädigen Urteil die Wege ebnen. Unsere Bekehrung, dieUmwandlung unseres Denkens und Handelns, das Gelöbnis einer besseren Handlungsweise ist ja auch der Inhalt unserer Gebete am hohen Tag. Sie erinnern uns nicht nur an dir Entstehung des Weltalls, an alle kleinen und wertvollen Ereignisse des Lebens, in denen sich das Dasein Gottes kundgibt, sie zeigen auch den Weg, auf dem sich unsere guten Vorsätze entwickeln können. Unsere geistige und sittliche Wiedergeburt muß das Fazit sein, das wir aus diesem Tage ziehen. Mehr als das Fassen besserer Vorsätze können wir nicht leisten. Vom Neujahrs- bis zum Versöhnungstage ist es schon möglich eine Änderung unseres Lebens eintreten zu lasten, die Zeit ist nicht zu kurz, dem Lebenswandel eine andere Richtung zu geben. In dieser Zeit können die guten Entschlüsse zur Reife gelangen. Unsere Weisen machen uns im Mdrafch darauf aufmerksam, daß es in der heiligen Schrift bei der Vorschrift über das Mustafopfer an den Festtagen heißt, „ihr sollt es darbringen", während es bei den: Neujahrsfest heißt, ihr sollt es tun, d. h. vollbringen". Sie erklären dies dahin, daß die Festtagsopfer den Zweck haben die innere Bekehrung vorzubereiten, während das Neujahrsfest bereits die Tat gezeitigt haben soll, die dann am Versöhnungstage den neuen Menschen zeigt. Mit solchen Vorsätzen wollen wir die Schwelle des neuen Jahres überschreiten, welches uns ein Jahr des Friedens und des Glückes sein möge. A m i t a i. Zentralstelle für jüdische 5ldop1ionsvermi11lung Die Zentralstelle für jüdische Adoptionsvermittlung und Pflegestellenwesen e. V., Elberfeld, Genügsamkeitsstraße 7, gibt folgendes zur Kenntnis: „In den letzten Jahren haben sich die Fälle gehäuft, in denen jüdische Kinder in christlicher Umgebung erzogen wurden und somit dem Judentum verloren gingen. Der Jüdische Frauenbund hat deshalb die Arbeit der A d o p t i o n s- und Pflegestellenvermittlung ausgenommen. Die Aufgabe der Adoptionszentrale ist einerseits armen, elternlosen Kindern ein Heim zu geben und anderseits kinderlose Eltern durch ein Kind zu beglücken. Die Adoptionsoermittlung hat schon eine erhebliche Anzahl von Kindern in Familien untergebracht und dadurch, wie aus vielen Zuschriften an uns ersichtlich ist, in manche Familie Glück getragen. Die jüdische Gemeinschaft aber ist der Sorge für diese Kinder enthoben. Da nicht alle Kinder für Adoption in Frage kommen, auch nicht alle für Anstalten geeignet sind und im Grunde jede Familienerziehung einer Anstaltserziehung vorzuziehen ist, hat sich aus der Adoptionsarbeit heraus die Pflegestellenvermittlung entwickelt. Bisher hat es kaum jüdische Pflegestellen gegeben, so daß in vergangener Zeit und leider auch heute noch jüdische Kinder in christlichen Häusern untergebracht sind. Die Zentrale ist nun bemüht, Pflegestellen zu finden. Eine größere Zahl steht schon heute zur Verfügung der jüdischen Gemeinden. Diese, sowie die Adoptionsarbeit kann nur durchgeführt werden, wenn der Zentrale für Adoptionsoermittlung und Pflege stellen wesen die ideelle und finanzielle Mithilfe weitester Kreise gesichert ist." Das Wohlfahrtsamt des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden ist bereit, Gesuche in dieser Richtung zu vermitteln. Feine Qualitätsstoffe und Tuche IMPORT tur Damen und Herren i m p o r t WEINBERGER & BISSINGER Rindermarkt 7 MÜNCHEN / AUGSBURG beim Fuggerdenkmal