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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1926-08-07 · 8 (7.8.1926) · p. Seite 228

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
2 (1926)
Issue
8 (7.8.1926)
Article
Gräberstiftungen und Grabpflege
Date
1926-08-07
Page
Seite 228 (sequence 2)
Language
German
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228 Bayerische Israelitische Geureindezeitung Nr. 8 Friedhöfen, soferne der Zutritt zu denselben allgemein gestattet ist, und selbst, soweit Zuwendungen nicht für die nötigen Leistungen ausreichen, für die Instandhaltung der Grabsteine sorgen müssen, wenn es ihnen nicht möglich ist, die Haftung durch andere Maßnahmen auszuschließen. Rechtsanwalt Justizrat Leo Oppenheimer (München). Zu Vorstehendem schreibt uns der Vorstand der Kultusgemeinde München: Den dankenswerten Ausführungen des Herrn Justizrats Oppenheimer kann durchweg beigepflichtet werden. Die Gemeinde München bemüht sich, trotz der Entwertung der Stiftunskapitalien nach Möglichkeit dem Willen der Stifter gerecht zu werden. Es darf anderseits aber erwartet werden, daß die Familienangehörigen der Stifter es sich angelegen sein lassen, die Stiftungsfonds, die durch die Inflation entwertet worden find, wieder aufzufüllen, und es so der Gemeinde zu erleichtern, die bei der Zuwendung der Stiftungskapitalien niedergelegten Wünsche der Verstorbenen in vollem Umfang zu erfüllen. Der Vorstand hat beschlossen, in diesem Sinne an die Familienmitglieder der Stifter heranzutreten und hofft, bei diesen Verständnis für feine Anregung zu finden. Freiwillige Sanitätskolonne. Herrn Hofrat Dr. Doernberger, Kolonnenarzt, Herrn Bankier Wurzinger, Beirat, Herrn Emil B r a d e r , Zugführer, wurde vom Bayerischen Landesverein vom Roten Kreuz das neu gestiftete Ehrenzeichen verliehen. Zeppelin-Eckener-Spende. Wir verweisen auf das Inserat der Zeppelin-Eckener-Spende in dieser Nummer. Jedem, der seinerzeit den Flug des ZR. III nach Neuyork mit Spannung und Bewunderung verfolgte, wird die Bedeutung der Fortführung des Zeppelinschen Lebenswerkes klar KOK1-Gro«hindlur,g i l Max Mü Her l|j KOHLEN-U. KOKS GROSS HANDLUNG Büro; Karolinenplate Nr. 5 Lager*. Hansasrraße27 vücherfchau. Das Jüöifcbe in meinem Wefen und Schatten Aus einer Rundfrage, die die „Jüdisch-liberale Zeitung" über obiges Thema vor einiger Zeit veranstaltete, entnehmen wir folgende Antworten: Arnold Zweig: Als ich Ihre Frage in mich hineinfallen ließ, selber neugierig, wann und wie lautend die Antwort heraufdringen werde, wußte ich mich besten Willens, auf eine Frage auch eine Auskunft zu geben: besprechbar erschien sie mir durchaus. Erst glaubte ich, mit einigen präzisen Sätzen zum Zentrum des Falles Vordringen zu können; dann schienen mir ein paar kurze Abschnitte zur Lösung zu führen; dann stand ich kurze Zeit ratlos, denn einen solchen Seinskomplex theoretisierend zu umreißen hatte ich mir ja wohl noch nie vorgenommen. Und mit diesem Worte „Seinskomplex" endlich, ward für mich Licht. Einen Seinskomplex kann ich, da ich wesentlich Gestalter bin, nur gestalthast abbilden und transparent machen; ja, lösbar, auslösbar, dem Verständnis und der inneren Anschauung erschlossen, sehe ich solche Fragwürdigkeiten nur durch Gestaltung'. Die Kunst nämlich hat unter anderm auch eine Aufgabe innerhalb des menschlichen Erkenntniskreises; sie schafft Erkenntnis durch Gestalt, Anschauung, durchleuchtete Abbildung, und zwar in Wesenssällen. Nun, das ist ein weites Feld. Die Bedeutung des Jüdischen inmeinem Wesen und Schaffen? Aber das heißt ja, die Frage nach mir selber stellen, nach dem geistigen deutschen Juden! Eine Romanthematik anschlagen, die, wie ich gut weiß, aus mich wartet und noch einige Zeit wird warten dürfen. So wie meine ganze Person bis in die Schriftzüge dieses Manuskripts hinein, da mein Denken in deutscher Sprache geschieht, durchädert ist von deutschem Element, — worüber ich mir einige Rechenschaft legte, als ich „Lessing, Kleist, Büchner" schrieb — so, nur noch unterhalb dieser hell beluchteten appollinischen Schicht, durchwaltet mich das Jüdische: grandios und entstellt, dionysisch tief und mit der vollen Realität und auch Gewöhnlichkeit des Wirklichen, ein Reichtum der Beheimatung, eine Zugehörigkeit zum mediterranen Klima und zum nordischen; kurz, eine Fülle und Aufgabe, die unverständlich ist, auch mir selber, bis ich sie gelöst habe: durch Gestalt. Es fehlt noch einiges bi's zum Stadium der Vorreise solchen Unternehmens, es fehlen vor allem noch alle Vorbedingungen künstlerischer Kristallisation; aber eines Tages wird diesess Werk, wenn ich und Sie es erleben, da sein, und wenn es gelungen sein sollte, werden Sie es erkennen an der Abwesenheit aller Elemente, die an diese Ihre Umfrage und meine anwortlose Antwort erinnern. Max Brod: „Die Bedeutung des Jüdischen in meinem Wesen und in meinem Schaffen" — ich glaube, ich müßte mein ganzes Wesen, mein ganzes Schaffen durchanalysieren, um eine erschöpfende Antwort auf Ihre Frage geben zu können. Denn obwohl gewiß auch andere Substanzen und Kulturen als die jüdische an meinen Lebensäußerungen Mitwirken, kann ich mir doch schlechterdings keine Lebensäußerung, ja keine noch so schwache Regung meiner Seele denken, an der mein Jude-Sein nicht unlösbar mitbeteiligt wäre. Ernst Liffauer: In meinem Äußeren, dessen jüdische Merkmale mit den Jahren deutlicher hervortreten. — In der Abwesenheit jeglichen Verständnisses für Trink- und Waid-Freude. — In gewissen Färbungen und Nüancen der Gottesvorstellung, wie wir sie in manchen meiner „Psalmen" und in Teilen eines eben entstehenden religiösen Dichtwerks sichtbar wird. Georg Hermann: Ihre Frage erinnert mich daran, daß ich einmal bei Liebermann war, und daß er mir einen langen Brief zeigte. „Sehen Sie", sagte er, „da hat mir so ein Professor einen Fragebogen geschickt, was ich beim Malen denke und fühle, und wie ich die Farben mische, und ob ich vorher ein bestimmtes Bild sehe, und was noch sonst alles; fünfundzwanzig Fragen. Wissen Sie, was ich ihm antworten werde?: Lieber Herr, wenn ich all das wüßte, was Sie

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