Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 8 (7.8.1926)
- Article
- Ein Doppeljubiläum in Uffenheim
- Date
- 1926-08-07
- Page
- Seite 225 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 8 Bayerische Israelitische Gemein'dezeitung 225 Exzellenz Ritter von Zink, aussprach. Er sei wohl der einzige, der im Jahre 1876 als junger Rechtspraktikant und Assistent seines längst in kühler Erde schlummernden Vaters, damals Bezirksamtmann in Ussenheim, der amtlichen Verpflichtung des 18 jährigen Lehrers beigewohnt habe. Aus dem jungen Reis, den er als Gärtner in den Boden seiner Heimatstadt gepflanzt, sei ein fruchttragender Baum geworden, unter dem Schatten seiner Zweige sei die Gemeinde wohl geborgen. Herr Bürgermeister Mantel feierte in kernigen Worten den Bürger Strauß, der stets hilfsbereit sein Kraft und sein Können ihrem Dienst gewidmet, von allen Einwohnern geachtet und geehrt. Wenn im Kampfe der Parteien, in den Zeiten der Leidenschaften die Stadt Ussenheim eine Insel des Friedens geblieben sei, so sei das in der Hauptsache ein Verdienst von Hauptlehrer Strauß. Ein von einem heimischen Künstler geschaffenes Album mit Bildern von Ussenheim möge als Ehrengabe der Stadt ihn immer an Uffenheim erinnern, das seine zweite Heimat geworden sei. Mit herzlichen Dankesworten, in der er persönliche Erinnerungen aus fünfzigjähriger Berufsarbeit einslocht, schloß der Jubilar die Feier, die unvergessen allen Teilnehmern bleiben wird. Der Bezirkslehrerverein, vollzählig versammelt, ehrte sein ältestes Mitglied in besonderer Sitzung durch Festrede, Blumenspende und durch das Lied: „Brüder, reicht die Hand zum Bunde." Ein gemütlicher und gemütvoller Festabend, geleitet von dem 2. Vorstand der Gemeinde, Herrn Hahn, hatte den Charakter eines Familienfestes. Frau Strauß, die treue Lebensgefährtin des Jubilars, fand hier die Ehre als Mitarbeiterin ihres Gatten. Um Vater und Mutter Strauß sammelten sich die Gemeindemitglieder von Ussenheim und der Nachbargemeinde Ermezhofen, jung und alt, fast alle Schüler des Jubilars, deren Jugend von ihm und seiner Lebensgefährtin betreut und gehütet wurde. Vorträge, Lieder und Reigen, ernste und heitere Darbietungen, abgestimmt auf den Festgedanken, gaben dem Freudentag den Abschluß, die Überleitung von einem Leben gesegneter Arbeit zum Ruhestand, der dem Jubilar winkt. Mit dem Worte eines der Redner wünschen wir: „Und ihr heiliget das 50. Jahr und verkündet Freiheit im Lande allen seinen Bewohnern, ein Heimbringer ist es und ein solcher soll es euch sein und bleiben." S. Dingfelder (München). kaiserslaulern. Der Rabbinatsbezirk Kaiserslautern hat den Vezirksrabbiner Dr. Baron, der im 6. Jahre daselbst tätig ist, mit Wirkung vom 1. Juli 1926 lebenslänglich angestellt. Die neuesten Bestimmungen des Verbandes, insbesondere die Besoldungsordnung, kamen hierbei zur Anwendung. Jugenheim. Berichtigung: Herr Mandel ist feit 1908 Ehrenmitglied des Männergesangvereins und wurde 1924 zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Wallerstein. Auf dem altehrwürdigen Friedhof in Wallerstein wurden mehrere neuerrichtete Grabsteine umgeworfen und beschädigt. Die Staatsanwaltschaft hat wiederholt eine größere Belohnung für die Ermittlung der Täter ausgesetzt. Leider konnte bis jetzt noch keine Spur ermittelt werden. Fellheim (Schwaben). Am 5. d. M. starb hier der älteste jüdische Veteran Schwabens, Herr Antiquitätenhändler Albert Einstein, Kriegsteilnehmer der Feldzüge 1866 und 70/71 und langjähriger Vorstand der Kultusgemeinde Fellheim. An seinem Grabe sprachen Herr Prediger Rosenblatt (Memmingen), Herr Hauptlehrer Frank, Fischach, als Schwiegersohn, ferner der Vorstand des Veteranen- und Kriegervereins Fellheim, sowie Herr Oberleutnant d. R. und Bahnvorstand Ostermann. Der letztere wies in seinem ehrenden Nachruf u. a. darauf hin, wie der Korporalschaftsfiihrer Einstein durch die Tat die Behauptung Lügen gestraft, als ob Soldaten- Ehre und Tapferkeit von der Konfession abhingen. Der imposante Trauerzug, an welchem 5 Veteranenvereine mit Fahnen sich beteiligten, war wohl der weitaus größte am Orte seit Menschengedenken. Es war ein ergreifender Moment, als sich beim Kommando „zum Gebet" die prächtigen Fahnen über den zu Grabe gebrachten Gründer des Veteranenvereins Fellheim senkten. — Albert Einstein hat auch bis an sein Ende ehrenamtlich als Vorbeter an den hohen Feiertagen gewirkt und noch am letzten Jom Kippur, als 82 jähriger, das ihm in jungen Jahren von dem durch feine Belehrungs- und Erbauungsschriften bekannten Rabbiner Seligsberg übertragene Neiloh mit seltener Kraft seines unverwüstlichen Tenors vorgebetet. Seiner Gemeinde war er nicht nur Führer, sondern auch Vorbild im privaten' wie geschäftlichen Leben. Die überaus große Beteiligung bei der Bestattung, die Liebe und Ehre, die ihm schon bei Lebzeiten von Nah- und Fernstehenden stets entgegengebracht worden sind, zeugen von der Beliebtheit, deren sich dieser brave und aufrichtige Mann erfreute. Ehre seinem Andenken! Colmberg b. Rothenburg a. Tbr. Zu einer überaus ehrenden Feier gestaltete sich das goldene Hochzeitsjubiläum des Herrn Alex. Steinberger und dessen Gattin Regina, geb. Liebenstein. Am Vorabend des Tages hatte es sich die erwachsene Jugend der Marktgemeinde nicht nehmen lassen, das Haus des Jubelpaares mit Bäumen und Girlanden aufs prächtigste zu schmücken. Am Jubeltage selbst brachte die Jugend der befreundeten Nachbarschaft den Jubilaren ein musikalisches Ständchen dar. Überreich waren die Blumenspenden und Geschenke sowie die Glückwünsche der Bürgerschaft und Beamten. Unter den zahlreichen Gratulanten befanden sich, was in unserer politisch bewegten Zeit besonders hervorzuheben ist, allein fünf Geistliche christlicher Konfession des Ortes und der Umgebung, die ihre Wünsche teils persönlich, teils durch Übersendung von herzlich gehaltenen Glückwünschen und Geschenken darbrachten. Am Abend bereitete der Gesangverein dem Jubelpaare durch Gesangvorträge und eine Ansprache eine besondere Ehrung, während gleichzeitig die Jugend der Gemeinde durch Abbrennen eines kleinen Feuerwerks den Gefühlen der Wertschätzung besonders Ausdruck verlieh. Es war alles in allem ein Ehrentag für das Jubelpaar, wie er in unserer Gemeinde noch nicht erlebt worden ist. ttus der Semeinde. Dem Andenken Dr. Ignaz Heinsfurters. Am 27. Juli 1926 ist ein edler Mensch nach kurzer Krankheit aus dem Leben geschieden, Rechtsanwalt Geheimer Justizrat Dr. Ignaz Heinsfurter, betrauert von seinen Angehörigen, Freunden, - Berufsgenossen und den vielen Hilfsbedürftigen, denen er jederzeit ein bereitwilliger Helfer gewesen war. Dr. Ignaz Heinsfurter war am 23. November 1861 in Binswangen geboren, besuchte die Mittelschule in Nördlingen und Augsburg, die Üniversitäten in München und Leipzig. Alle die Prüfungen, denen er sich an Mittelschulen und Hochschulen zu unterziehen hatte, hat er mit dem Prädikat „ausgezeichnet" bestanden. Bei der zweiten praktischen Prüfung für den Bayerischen Justiz- und Verwaltungsdienst hat er als Erster unter allen Referendaren die beste Note erhalten. Eine seiner hervorragendsten Charaktereigenschaften war die stete Hilfsbereitschaft für jeden, der nach seiner Ansicht zu den vom Schicksal Belasteten gehörte. Er tat dies aus Pflichtgefühl schon in früher Jugend als Student an der Hochschule. Damals erregte er die Aufmerksamkeit des berühmtesten Nätionalökonomen seiner Zeit, des Professors Lujo von Brentano, der den jungen Studenten gegen unverdiente Schwierigkeiten in Schutz nahm. Die gerühmte hervorstechendste Eigenschaft seiner Persönlichkeit bewährte er besonders auch in seinem Berufe als Wahrer und Hüter des Rechts. Wer seinen Rat suchte, fand in ihm einen bereitwilligen Berater, soferne die Sache nach seiner Ansicht auch des Schutzes würdig war. Den höchsten Lohn erblickte er im Erfolge seiner Bemühungen, dem verletzten Rechte zum Siege zu verhelfen. Ich hatte vor Jahren gemeinsam mit ihm einen Rechtsstreit gegen einen Mann durchzufuhren, der es mit seiner Auffassung vereinigen konnte, einen andern um sein Recht zu bringen. Wie hat da Ignaz Heinsfurter, der sonst so ruhige Mensch und Anwalt, im berechtigten Unmut über die versuchte Rechtsbeugung sich ereifern können! Unbeugsam war er, wenn er von dem Unrecht der seinem Klienten gegenüberstehenden Gegner überzeugt war, während er anderseits, treu seiner Natur als friedliebender Mensch, immer einen Ausgleich unter den streitenden Parteien herbeizusühren bedacht war. Er verfügte aber auch über alle Waffen, deren der wirkliche