Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 7 (1.7.1926)
- Article
- Ein Brückenbauer [Rezension]
- Date
- 1926-07-01
- Page
- Seite 207 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 7 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 20? und Liebe in dem Schlamm und Schmutz der Wassermaffen untergehen müssen, ehe sie zusammengefunden und den Menschen ihre Königsgaben der Einheit und Bruderliebe gebracht haben. Und eine Königsgabe im besten Sinne des Wortes ist die Einleitung über „Nationalismus und Antisemitismus" zu nennen, wie sie Pater Aloys Mager zu dem im Theatinerverlag München erschienenen Büchlein „Alphons Maria Ratisbonne" geschrieben hat, eine Königsgabe an Juden wie Christen. Mager zeigt sich hier als Brückenbauer, der über die Wasser des Judenhasses und der Judengegnerschaft eine Brücke spannen möchte, um so die beiden Königskinder, Gerechtigkeit und Liebe, auf diesem Gebiet zusammenzuführen. Mager verwirft Nationalismus und Antisemitismus in gleicher Weise. Nationalismus, jene überspannte Idee, die das eigene Volkstum in exzentrischer Weise hervorhebt, die einen radikalen und ungesunden Selbsterhaltungstrieb züchtet, die sich in der Methode der Raubtierftaaten gefällt und darum niemals aufbauen sondern stets niederreißen wird. Wo aber nur totbringende Kräfte im Vaterland an der Arbeit sind, kann von einer Anlage und Fähigkeit eingestellten VolkSkultur nicht die Rede lein; ein solches Treiben wird man auch nie als Vaterlandsliebe bezeichnen können, weil es der Kulturaufgabe eines Volkes entgegenwirkt, falsche Wege einschlägt, statt auf der einen und notwendigen Bahn sich zu begegnen, wie wahres Christentum erfordert, auf der Bahn der Liebe, dem Weltgesetz des Christentums, das ein Volk zur Selbftvollendung und zur Selbstachtung anderer führt, die einem Volkskörper Festigkeit und Zusammenschluß aller verleiht. Und wo der Nationalismus üppig ins Kraut schießt, wie bei uns in deutschen Landen, da hat er auch einen Bruder und Weggenossen, den Antisemitismus, der aus dem Fruchtboden des Nationalismus, jener modernen Häresie, seine Nahrung zieht. Er liegt auf der gleichen Linie und ist für ein Volksganzeö wie auch für die Volksführer von Übel; denn er vergiftet die Volksmassen, verdirbt die Volksführer und untergräbt den Volksgedanken, d. h. er zertrümmert die Volkseinheit und Volksgemeinschaft. Darum kann der Antisemitismus nie ftaatserhaltend, sondern immer nur staatszerstörend und volkszersetzend wirken. Alle Volksglieder umfassen in Gerechtigkeit und Liebe, also auch die Juden! Das ist die Parole Magers und der Kerngedanke seiner Einleitung! Das erfordert schon die gesellschaftliche Ethik, die in dem Juden nie einen Bürger zweiter Klasse sehen darf, den man einpreßt in baö Prokrustesbett der Unfreiheit und Ausnahmegesetze, indem man dem Juden seine volle staatsbürgerliche Freiheit nimmt und ihm seine Rechte in ungerechtfertigter Weise kürzt. Die gesellschaftliche Ethik verlangt im Gegenteil, dem Juden auf Grund seiner tausendjährigen Kultur, seiner großen Kulturwerte und seiner unvergleichlichen Kulturleiftungen als ebenbürtig zu betrachten, nicht in Neid, Ohnmacht und Unfähigkeit auf ihn zu blicken, sondern sich zu bestreben, ihm gleichwertig zu werden, ihm ein Ebenbürtiges an die Seite zu setzen. Dann erst wird bei den Christen das Gefühl der Brüderlichkeit gegenüber dem Juden erwachen, dann erst wird man den Juden schätzen lernen und eö werden die Keile, wie sie der Antisemitismus in die Volksgemeinschaft zu treiben versucht, verschwinden, der Jude wird vollwertiges Glied des Volkes in uneingeschränkter Freiheit und voller Gleichberechtigung. Ein edler Wettbewerb entsteht zwischen den beiden Gruppen, Juden und Christen; geistige Stagnation, wie sie im Antisemitismus wuchert, ist nicht möglich, der Weg des Volkes geht nicht mehr in die Tiefe, sondern führt zur Höhe, weil ein einig Volk von Brüdern, ohne gesellschaftliche Schranken und ohne Bruderzwist. Und die politische Ethik! Die die Aufgabe hat, ftaatserhaltend zu wirken, alles Zersetzende und Zerstörende vom Volks¬ und Staatsorganismus fernzuhalten! Auch ihr weiß Mager goldene Worte zu sagen. Er geißelt die Falschheit des Antisemitismus, der alles Schädliche den Juden zuschreibt und fordert in offener Klarheit, daß alle solche Auswüchse bekämpfen müssen, Juden wie Christen. Nicht Juden allein sind schuld an dem sittlichen und kulturellen Untergang der Völker, sondern in weit größerem Maße die Christen und darum muß ein Kampf aller gegen alle zersetzenden Elemente in Religion, Sitte und Kultur auf den Plan treten. Nur so kann das Volk gerettet werden, weil der Kampf auch solche umfaßt, die heute die gehässigsten Antisemiten sind und das Volk auf diese Weise von den wahren Giftkörpern gereinigt wird. Und was Mager über den Punkt „Juden im Leben der Völker" sagt, namentlich über Anteilnahme an Revolutionen und am kulturellen Aufstieg oder Niedergang der Völker, muß auch hoch bewertet werden. Nicht deshalb, weil er vieleicht in manchen Punkten in seinen Behauptungen zu weit geht, sondern weil er versucht die Lage der Juden im Laufe der Jahrhundete, seit der Zerstörung Jerusalems, psychologisch zu verstehen und hauptsächlich sich nicht scheut, das jüdische Verhalten in vielen Fällen auf das Schuldkonto der Christen zu setzen und hier Wandlung verlangt. Nicht eine Sündenskala nach antisemitischem Muster wird die Juden von ihren, oft nur mit allzu großem Recht, ressentimentgesättigten Gefühlen befreien, sondern einzig und allein Verstehen, Gerechtigkeit und Liebe. Mag auch Mager hier und dort den jüdischen Einfluß überspannt haben, weil er das Judentum als ungebrochene Einheit sieht oder weil er infolge dieser lückenlosen völkischen Einheitslinie der Juden ihren Einfluß in Dingen, wie Sitte, Kultur, Politik, Wirtschaft, Kunst- und Theaterwesen, zu sehr in die Höste schraubte. Eine Großtat bat Mager vollbracht. Er hat die beiden Catapulte Nationalismus und Antisemitismus, die die Brückenpfeiler der Verständigung, der Liebe und Gerechtigkeit, einrennen sollen, klar und eindeutig verworfen und hat unserm deutschen Volke großzügig und unumwunden den Weg zur Höhe, den Weg zur Volksgemeinschaft gezeigt. Er ward zum Brückenbauer. Posner Arthur: Die Psalmen, das Religionsbuch der Menschhsn. Berlin, C. A. Schwetschke & Sohn 1925. Wenige Bücher der Bibel sind so oft nach Form und Inhalt erforscht und erläutert worden wie die Psalmen. Nicht die Zahl der Kommentare will der Verfasser vermehren sondern die Gedankenwelt der Psalmdichter uns nahe bringen. Er will uns zeigen, wie das Gebetbuch der Menschheit auch ihr Religionsbuch zu sein vermag. Der Mensch findet in den Psalmen nicht Odeon-Musik-Apparate Odeon-Musik-Platten Herrliche Klangfülle Kataloge und PIatten - Verzeidinisse kostenlos Odeon-Musikhaus JdCOb Mfinduen, Neuhauser Strafe 12, neben Pschorr