Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 7 (1.7.1926)
- Article
- Krankenheim, israelitische Privatklinik e. V.
- Date
- 1926-07-01
- Page
- Seite 206 (sequence 2)
- Language
- German
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2Ö6 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 9!r. 7 auch auf die Wirkungen zum Ausgleich der Gegensätze, zur Ehre des jüdischen Namens hin, die unsere Klinik erzielt hat, in der die Hälfte aller Patienten, auch der unentgeltlich oder zu mäßigen Preisen aufgenommenen und die Hälfte der besuchenden Ärzte, Nichtjuden sind. Die schwierige finanzielle Lage hält uns aber von den als notwendig im Interesse der Gemeindemitglieder erkannten Vergrößerungen nicht ab. So haben wir endlich im Berichtsjahr mit großen Opfern eine lang ersehnte Entbindungsabteilung mit Kreiszimmer und fünf Betten geschaffen. Gerade in der Zeit der mißlichen Wohnungsverhältnisse, in der vor allem jung verheiratete Paare sich oft mit einem oder zwei Zimmern begnügen müssen, wird diese Einrichtung besonders freudig begrüßt werden. Doch decken auch hier die festgesetzten Gebühren nicht annähernd unsere Selbstkosten und hoffen wir gerade anläßlich so freudiger Ereignisse, wie es die Geburt eines Kindes ist, auf Überzahlungen und Spenden. Die innige Verknüpfung der Privatklinik Krankenheim mit dem israelitischen Schwesternheim, die sich vor allem schon darin zeigt, daß Schwester Melitta Feuchtwanger beide Institutionen als Oberin vorbildlich leitet und daß die größte Zahl der in München tätigen Schwestern im Krankenheim beschäftigt ist, bringt es mit sich, daß die Ereignisse im Schwesternheim auch im Bericht des Krankenheim Erwähnung finden. So bedauern auch wir das Ausscheiden der Oberschwester Marianne Klein, die seit Bestehen der Klinik in derselben als Operationsschwester vorbildlich tätig war und sich und der Anstalt die Sympathien und den Dank vieler Leidenden und Ärzte erworben hat. Wie ihr, so danken wir auch herzlichst wieder unserer verehrten Frau Oberin und den Schwestern für die hingebende Tätigkeit in der Klinik. Die Tatsache, daß wir gezwungen sind, sieben fremde Schwestern jahraus, jahrein im Krankenheim zu beschäftigen, daß trotzdem nur eine ganz geringe Zahl von Schwestern für die Stadtpflege zur Verfügung steht, beweist, daß eine Erhöhung der Zahl der Schwestern auf das Doppelte des heutigen Standes, also auf mindestens 24 Schwestern, eine für eine Gemeinde wie München gerade angemessene wäre. Dank der, erst seit einigen Monaten sich wieder einstellenden zahlreichen Meldungen jüdischer Mädchen beim israelitischen Schwesternheim zur Ausbildung als Krankenschwestern und dank der Möglichkeit im Hause, Herrmann-Schmid-Straße 5 dem Schwesternheim entsprechende Räume zur Unterbringung so zahlreicher Schwestern zur Verfügung stellen zu können, sind die Aussichten endlich alle im Krankenheim benötigten Pflegekräfte, aus den Schwestern des israelitischen Schwesternheims entnehmen zu können, nicht ungünstig. Die damit verbundene wesentliche Steigerung der Ausgaben zwingt uns zum Schluffe unseres Berichts nochmals eindringlich darauf hinzuweisen, daß wir sowohl den räumlichen Ausbau als auch die Besetzung aller Pflegekräfte mit jüdischen Schwestern nur vornehmen können, wenn jedes Mitglied der israelitischen Kultusgemeinde München auch mit wenigstens M. 10.— jährlichem Beitrag Mitglied des Krankenheims e. V. wird und wenn die Überzahlungen und Spenden der bei uns liegenden Patienten wie in früheren Zeiten wieder einsetzen, vermehrt durch Spenden bei der Geburt eines Kindes in unserm Entbindungsheim. Die Namen der Spender werden wir in der nächsten Zeit Mitteilen und bitten dringend unserer Anstalt bei freudigen und ernsten Anlässen weiter zu gedenken. Der Vorstand. Rabbinatsstellvertreter Dr. Finkelscherer feierte in den letzten Tagen seinen 60. Geburtstag. Dr. Finkelscherer wirkt seit langen Jahren als Rabbinatsstellverteter und Religionslehrer an den Münchener Lehranstalten. Er ist auch Verwalter der Cosmann Werner-Bibliothek der Gemeinde. Möge der Jubilar noch viele Jahre eine segensreiche Wirksamkeit weiter fortzusetzen in der Lage sein. Herr Bernhard Buff, der langjährige Inhaber des Bankhauses E. Landauer Nachfolger, feierte am 18. Juni in voller geistigen und körperlichen Frische seinen 80. Geburtstag. Herr Buff hat trotz starker beruflicher Inanspruchnahme auch an den gemeindlichen Ausgaben weitgehenden Anteil genommen sowohl in seiner Eigenschaft als Mitglied des Verwaltungsausschusses der Kultusgemeinde, wie auch als Kassier des Israelitischen Aussteuervereins. In seiner Eigenschaft als Verwaltungsrat der Lipschützschen Ver-. sorgungsanstalt hat er durch die auf seine Veranlassung durchgesührte Renovation der Anstaltsräume und Zimmer dazu beigetragen, für die Pfründner den Aufenthalt in der Anstalt aus das angenehmste zu gestalten. — Dem Jubilar gelten unsere herzlichsten Glückwünsche. Geh. Justizrat Dr. Heinssurter, einer der bekanntesten Münchener Anwälte ist Sonntag Abend im Alter von 65 Jahren an Herzschwäche gestorben. Wir werden auf das Wirken dieses hervorragenden Mannes noch zurückkommen. vücherschau. Ein Brückenbauer: Von Kaplan Franz Rödel (München). In den letzten Tagen stieß ich auf ein Schriftchen mit einer geradezu glänzenden EinleitungSpartie. Als ich es gelesen hatte, formte sich in mir der Wunsch „Gebt uns noch mehr solcher Männer von derartiger Wahrheit und Klarheit!" Und es kam mir das schöne Lied in den Sinn von den beiden Königskindern, in dessen Text es lautet „Eö waren zwei Königskinder, die konnten zusammen nicht kommen, das Wasser war viel zu tief." Und das Lied führte mich zur Iudenfrage. Das Christentum mit dem königlichen Glanze seiner Religion, mit den beiden KönigSkindern der Gerechtigkeit und Liebe läßt bei diesem Problem ebenfalls ein Zusammenkommen dieser beiden nicht zu, weil daS Wasser des Judenhasses, des Nichtverstehens und Nichtverftehenwollens der Iudenfrage zu tief ist, so daß Gerechtigkeit HAUSER’S HOTEL „DER REICHS ADLE R“, M Ü N C H E N Gastspiel Paul Godwin die weltberühmte Tanzu. Konzertkapelle nachmittags und abends Eintritt frei! Paul Godwin ist der populärsteTanzu Konzertgeiger. Er besitzt eine echte Stradivari-Meistergeige von sehr hohem Werte. Er spielt bei der Deutschen Grammophon-A.-G. Seine Grammophonplatten sind die bevorzugtesten im Inu. Auslande. * *