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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1926-07-01 · 7 (1.7.1926) · p. Seite 203

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
2 (1926)
Issue
7 (1.7.1926)
Article
Die wirtschaftliche Frauenschule auf dem Lande in Wolfratshausen
Date
1926-07-01
Page
Seite 203 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 7 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 203 Besucher kannten von früher her vielleicht das Kinderheim und die kleine unscheinbare Kronmühle, in deren Räumen jetzt auch die erste jüdische wirtschaftliche Frauenschule auf dem Lande ihren Sitz hat. Aber sehr rasch wurden die Bedenken zerstreut. Schon von außen hat die Kronmühle ein anderes Gesicht bekommen. Mit frischem weißem Verputz, grünen Fensterläden, buntem Blumenschmuck auf den Balkonen macht sie einen freudigen Eindruck. Was hat dann den Besucher wohl mehr angesprochen? Gleich links beim Eingang die stilvolle Bauernstube mit dem Kachelofen und der Ofenbank oder der geräumige Lehrsaal, der festlich geschmückt mit blendend weißen Tischen prangte und eine gemütliche Kaffeestunde ankündigte? Die Bauernstube ist das Eß- und Wohnzimmer der Schülerinnen: kleine Tische, bunte Decken und Kissen, Stehlämpchen, feines Geschirr für Milchding und Fleischding, schönes Silber, auch für verwöhntere Ansprüche ausreichend. Ist es doch eine der Hauptaufgaben einer wirtschaftlichen Frauenschule, den Sinn der jungen Mädchen für eine behagliche Häuslichkeit zu wecken und zu fördern. Können wir uns einen wärmeren Raum zur Feier des Freitag abends vorstellen? Diesen Gedanken entspricht auch die Einrichtung der Schlafzimmer für 8 Schülerinnen im ersten Stock der Kronmühle. Dem ländlichen Stile angepaht, sind sie jeweils einheitlich auf rot, gelb und grün abgestimmt, mit abstechenden bunten Bettdecken und Vorhängen ausgestattet. Man weiß wirklich nicht, in welchem man am liebsten wohnen möchte. Dabei sticht nicht nur der gute Geschmack sondern auch die Qualität der Einrichtung ins Auge. Mitten unter den Schülerinnen wohnt in einem kleineren Raume die eine Lehrerin. Rings um die Schlafräume zieht sich ein Balkon. Durch die Ausstattung mit Klappstühlen können dort die Schülerinnen der Arbeit und der Erholung nachgehen. Aber schon die Besenschränke aus dem Gang zeigen, daß wir hier in einer Haushaltungsschule sind. Steigen wir wieder hinunter, so stoßen wir gleich auf einen kleinen kühlen Raum, der schon durch seine Einrichtung mit Zentrifugen als Molkerei erkenntlich ist. Eine geräumige Waschküche und ein Bügelzimmer sind durch einfache Umbauten hier noch erzielt worden. Das Hauptarbeitsfeld der Schule jedoch — die Küche — liegt im Haupthause. Durch einen geschickten Anbau ist eine richtige Lehrküche erstanden. Muß doch hier Essen für 70 Personen — Jüdisches Landheim und Haushaltungsschule — gekocht werden, so daß von vornherein für den Unterricht der Schülerinnen ein reiches Arbeitsfeld und die geeignete Grundlage für wirtschaftliche Frauenberufe gegeben ist. In den bunt bemalten Küchenschränken blinkt neues rotes Emailgeschirr für Fleischding und schweres Aluminiumgeschirr, für Milchding. Unmittelbar anschließend gelangen wir auf der einen Seite der Küche in die Speisekammer und die Fleischdingspülküche, auf der andern in die Milchdingküche. Besonders einladend ist das Zimmer der Leiterin der Schule mit alten dunklen Bauernmöbeln und bunten Vorhängen. Die weiteren Schlafzimmer find noch nicht fertig eingerichtet. Doch wird das in diesen Tagen schon geschehen müssen, um mehrere Neuanmeldungen zu befriedigen. So bietet die Schule für 16 Schülerinnen Raum. Den Gästen konnte auch der Garten und die Geflügelzucht gezeigt werden. Trotz der Ungunst der Witterung konnten sie sich vom zielbewußten Anbau von Gemüsen und Blumen überzeugen. Auch in den Hühnerställen mit neuen Fallnestern ist schon junges Leben. Kleine Puten-, Hühner- und Entenküken trippeln einher, um die schon vorhandenen Rassen zum Teil zu erweitern, zum Teil zu verbessern. Und daß die Schülerinnen nicht nur im Außenbetrieb schon tüchtig geschafft haben, sondern auch in Küche und Haus, das bewies die üppige Bewirtung mit Kaffee und vielen, guten, schön verzierten, selbstgemachten Kuchen. Mit freudig erregten Gesichtern bedienten sie ihre Gäste und waren stolz darauf, ihnen ihr durch stramme Arbeit und frohe Stunden schon liebgewordenes Heim zeigen zu dürfen. Frau Geheimrat Klara Oppenheimer begrüßte die Gäste namens des Jüdischen Frauenbundes, Ortsgruppe München, als des Gründers der Schule. Sie dankte den jüdischen öffentlichen Körperschaften und Vereinen sowie den Einzelstiftern für ihre tatkräftige Mithilfe beim Erstehen der Anstalt, insbesondere hob sie dabei das große Entgegenkommen hervor, mit dem zahlreiche Münchener und auswärtige Firmen zum Gelingen beigetragen hatten. Herr Oberlandesgerichtsrat Dr. N e u m e y e r als Vertreter der Kultusgemeinde München und Herr Oberstlandesgerichtsrat Professor Dr. S i l b e r s ch m i d t als Vertreter des Verbandes sprachen in warmen Worten ihre Anerkennung für die Gründung und das Gebotene aus. Die Leiterin der Schule, Fräulein Bodenheimer, hob die Notwendigkeit der Schule hervor und bat um weitere nachdrückliche Förderung. Den Abschluß der Feier bildete eine kleine Vorführung der Schülerinnen, bei der ein harmloser, naiver und frischer Ton den guten Geist erwies, der von der Leitung ausgehend die Schule beherrscht. Möge er der Schule erhalten bleiben und mit ihm das tiefe Interesse für ihre Zukunft. H. St. Kinderheim Wolfratshausen. Das Heim hat im Jahre 1925 372 Kinder beherbergt, gegen 323 im Jahre 1924 und 259 im Jahre 1923. Während wir 1923 7255, 1924 12 314 Verpflegstage gezählt haben, war im Jahre 1925 die Zahl der Verpflegungstage auf 13 615 gestiegen, hat sich also in zwei Jahren fast verdoppelt. Abgesehen von den Ferienmonaten Juli und August, in denen nur vollzahlende Kinder ausgenommen werden konnten, betrugen die ermäßigten und Freiplätze in den zehn anderen Monaten 77,3 Prozent. Diese ermäßigten Sätze kommen vor allem den Kindern zugute, die die jüdische Gemeinde München und der Verband der Bayerischen Israelitischen Gemeinden entsandt hatte. Diese beiden Korporationen hatten für 1925 je 1000 Verpflegungstage bei uns belegt, haben diese Zahl aber weit überschritten. In diesem Jahre (1926) haben sie sogar schon während des ersten Quartals nicht nur die ihnen für das ganze Jahr zustehenden 2000 Verpflegs-Tage verbraucht, sondern schon etwa 500 weitere in Anspruch genommen. In ebenso großem Maße ist an den Ermäßigungen die Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen Juden in Berlin beteiligt, von der wir regelmäßig das ganze Jahr hindurch 15—20 Kinder für je sechs Wochen beherbergen. Für Verpflegung, Personal und Betriebsspesen hat das Jahr 1925 Jl 65.680.— erfordert. An Pensionsgeldern haben wir eingenommen Jl 66.868.—, also noch ein Plus erzielt von Jl 1188.—. Daß Ausgaben und Einnahmen ungefähr balancieren und das Heim sich somit selbst erhalten hat, war nur dadurch zu erreichen, daß wir während der beiden Ferienmonate ausnahmslos Kinder hatten, für die der volle Pensionspreis von monatlich 200.—, also etwa Jl 7.— pro Tag bezahlt wurde. Durch die von vollzahlenden Kindern erzielten Mehrerlöse über unsere Selbstkosten, war es uns erst möglich, eine so große Anzahl von Kindern zu ermäßigten Preisen oder kostenlos zu beherbergen. Die Deckung der JL 26.000.— für Neuanschaffungen, Reparaturen usw. konnte, was bei einer Wohlfahrtsanstalt ja selbstverständlich ist, aus dem Betrieb nicht aufgebracht werden und wir QHSTmt ORANGE JerßMötfilßnß. ÜTCkyerSJfirscfi. tyfEuncftan,

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