Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 6 (8.6.1926)
- Article
- Israelitische Waisenanstalt Fürth
- Date
- 1926-06-08
- Page
- Seite 179 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 6 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 179 Talente wurden unterstützt und im allgemeinen jedem Kinde die entsprechende Ausbildung vermittelt. 14 Kinder besuchten die israelitische Raelschule, 4 (darunter ein Mädchen) die Borschule derselben, 8 (3 Knaben und 5 Mädchen) die Volkshauptschule, 5 (3 Knaben und 2 Mädchen) die städtische Handelsschule, 3 das Mädchenlyzeum, 2 die städtische Frauenarbeitsschule, 3 die Fortbildungsschule, 1 Mädchen betätigte sich als Kaufmannslehrling. Am Schlüsse des Schuljahres absolvierten 2 an der israelitischen Realschule, je 1 an der städtischen Handelsschule und am Mädchenlyzeum, 4 traten nach Erfüllung der Schulpflicht aus der Anstalt. Die Krisis, die durch alle Berufe geht, erschwerte sehr die Beratung und Unterbringung dieser Kinder in erwerbswirtschaftlicher Beziehung. Neben der rein erzieherischen und unterrichtlichen Arbeit hat die Anstalt auch die körperliche Entwicklung ihrer Kinder aufmerksam gehütet. Dieselben wurden reichlich und gut verpflegt, zahlreich in den Ferien aufs Land entlassen und ihnen jede sonstige Art der Stärkung und Erholung gewährt. Dementsprechend war auch der Gesundheitszustand ein durchaus guter und ist das Aussehen der Kinder ein durchwegs befriedigendes. Jüdische wirtschaftliche Frauenschule auf dem Lande in Wolfratshausen bei München. Einen Beruf hat uns die neue Zeit gebracht, man darf sagen in vollendeter Form wieder gebracht, den der Haushaltsuhrung. Sei es als Beamtin, als Haushaltungslehrerin oder als wirklich praktisch und theoretisch vollständig ausgebildete Haustochter. Durch die wissenschaftliche Grundlage und Begründung der hauswirtschaftlichen Tärigkeit lernen unsere Töchter sie wieder ganz anders emschätzen. Lerne auch die Allgemeinyeit seine große Bedeutung innerhalb der Bolkswirtschaft wieder begreifen. Und wir hoffen, daß wir unsere Töchter wieder freudig einem Berufe zujtreven sehen, der ihrem Wesen entspricht, ihrer Gesundheit zuträglich ist und ihnen ein gutes Auskommen verbürgt, wenn sie nicht, oder solange sie nicht heiraten; der anderseits auch in der Ehe viel zur Begründung häuslichen Glückes beitragt und dem Manne auch eine Heirat in bescheideneren Berhältnissen ermöglicht. Denn Anstellung finden unsere Töchter fast nur an jüdischen Anstalten und Schulen und deshalb ist zu ihrer Heranbildung eine jüdisch geführte Anstalt eine Notwendigkeit. Das ist ein Grund, weshalb wir ihre Gründung erstreben. Aber noch ein anderes kommt hinzu. Durch die Jugend geht gerade jetzt, da wir von Haß und Verleumdung umbrandet sind, der Wunsch, die eigenen Sitten und Lehren kennenzulernen, sich selbst ein Urteil zu bilden, selbst die Entscheidungen zu treffen. Und wir wollen der Jugend, die das Recht auf diesen Willen hat, die Möglichkeit dazu geben. Unsere Töchter sollen nicht nur die Formen, die die unseren sind, sie sollen den reichen Inhalt dieser Formen kennenlernen. Und dieses Wissen ist von viel weittragender Bedeutung für das gesamte Judentum, als man vielleicht im ersten Augenblick übersieht. Die Frau ist die Verwalterin des Hauses, die Gestalterin der Familie, von der künftige Geschlechter ihren Ausgang nehmen. Sie vermag, wenn es ihr Wille ist, das jüdische Haus wieder aufzurichten, die Kinder in dem alten Geist, den sie mit neuem Leben erfüllen sollen, zu erziehen. Die jüdische Familie wieder zu schassen, die ein Gegenstand der Bewunderung Außenstehender war, und ihren Angehörigen so viel Glück und Halt im Leben gab. Und wenn Mädchen aus orthodoxen und liberalen, aus deutsch und palästinisch eingestellten Familien nebeneinander lernen und arbeiten, so halte ich auch das für einen Gewinn. Es ist für unser deutsches Volk schlimm genug, daß einer des andern Weltanschauung nicht mehr mit Achtung behandelt, noch schlimmer wäre das für unsere Gemeinschaft. Gerade die Frauen haben das heilige Amt, versöhnend zu wirken; die Überzeugung zu vertreten, daß jeder Mensch die gleiche Achtung verdient, der offen, gerade und mutig für seine Überzeugung eintritt, und ihr entsprechend lebt, wenn er nur das Wohl des Ganzen als oberstes Gesetz anerkennt. Auch dazu kann vielleicht diese Stätte gemeinsamer Arbeit helfen. Wir haben es in der Ortsgruppe München des jüdischen Frauenbundes erprobt, daß dieses Ideal erreicht werden kann; wir haben in unserm Borstand — gleichwie im großen, jüdischen Frauenbund — Frauen aller Richtungen, und wir haben immer gemeinsam geplant und gearbeitet. Denn das Starksein durch Einigkeit tut uns bitter not. . . . Nun könnte der Einwand erhoben werden: Warum gerade jetzt in dieser schweren Zeit Neues schaffen? Eben gerade jetzt in dieser wirtschaftlich so schweren Zeit müssen mir diese Schule ins Leben rufen. Wir sind kein reiches Volk mehr. Die meisten Männer werden es nur wagen können, ein Heim und eine Familie zu gründen, wenn neben ihnen eine Gefährtin steht, aus ihrem Kreis und ihres Bildungsgrades, die gern und freudig die kleinen und großen Arbeiten ihres Hauses selbst übernimmt, wenn es not tut, weil sie sie gelernt hat und weil sie auch den Wert manueller Tätigkeit, die sich gleichwertig neben die geistige stellen darf, zu schätzen weiß. karlsiadt. Am Sonntag, dem 2. Mai d. I. hat man das Tagungsmitglied, Herrn Kultusvorstand Wolf F r ä n k e l, unter ungewöhnlich großer Beteiligung zum Grabe getragen. Der Lehrer der Gemeinde konnte wegen des Halbfeiertages nur in aller Kürze im Aufträge der Kultusgemeinde Karlstadt, der Distriktsfriedhosverwaltung Laudenbach und des Verbandes der B.J.G. die Bedeutung des Mannes und den Verlust für alle schildern. Herr Fränkel hinterläßt für das Judentum seines Kreises eine klaffende Lücke. Eine vornehme Natur, verbunden mit Einfachheit, war er der natürliche Führer seiner Gemeinde und des Distrikts. So stand auch sein Name als Geschäftsmann auf gleicher Höhe. Mit Vorliebe betrieb er mit Verständnis und Geschick seine landwirtschaftlichen Anlagen in Garten, Feld und Weinberg. Seine Aussaat, in den gutjüdischen Boden seiner Familie gestreut, hat gleiche Früchte gezeitigt. Sein Andenken wird nie erlöschen! Würzburg. Freitag, den 30. April, haben wir Herrn Daniel Neumann zur letzten Ruhe gebettet, nachdem er 12 Jahre mit Treue und Hingebung als Hausverwalter an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg gewirkt hatte. Ein tückisches Leiden, das er sich jedenfalls im Kriege, den er bis zum Ende an der Front mitmachte, zugezogen hatte, raffte den einst so kräftigen, stattlichen Mann im Höhepunkt des Lebens, erst 44jährig, dahin. Sein Heimgang bedeutet für das Seminar, dem er in regem Eifer weit über den Rahmen seiner amtlich vorgezeichneten Ausgaben hinaus in opferwilligster Weise diente, einen schweren Verlust. Aber auch in der Gemeinde wird man ihn schwer vermissen, denn wo es galt, mit Rat und Tat einzutreten für jüdische Interessen, war er mit an erster Stelle. A. Kaiserslautern. Der Voranschlag der israelitischen Gemeinde Kaiserslautern für 1926/27 wurde vom Synagogenrat nach den Ansätzen des Vorstandes, Justizrates Dr. Rheinheimer, einstimmig genehmigt. Derselbe beziffert in Einnahme 40 053.78 M. und in Ausgabe 40 006.62 M. Als wesentliche Ausgabeziffern find hervorzuheben: Beitrag der Gemeinde zum Rabbinatsgehalt 7000 M., für den Kantor 5000 M., für Reparaturfonds der Synagoge 10 000 M. Die gegenwärtige ungünstige Geschäftslage fast aller Mitglieder wirv bedauerlicherweise auf die Finanzkraft der Gemeinde einen ungünstigen Einfluß ausüben. kihingen. Anläßlich der Anwesenheit des Ministerpräsidenten Dr. Held in Kitzingen am 1. Mai wurde auch Herr Bezirksrabbiner Dr. W o h l g e m u t h als Vertreter der israelitischen Gemeinde dem hohen Gaste vorgestellt, welcher sich für die Anzahl der israelitischen Gemeindemitglieder der Stadt sowie für bio Zahl der Distriktsgemeinden interessierte. Herr Weingrohhändler Ed. Sonder in seiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied des untersränkischen Handelsgremiums und Herr Kommerzienrat Max Fromm als Stadtratsmitglied, befanden sich ebenfalls unter den Geladenen. Aus der Gemeinde. Am i. Juni tritt Herr Oberlehrer Keßler sein Amt als Religionslehrer in der Israelitischen Kultusgemeinde München an. Oberlehrer Keßler, dem ein ausgezeichneter Ruf als Pädagoge vorausgeht, war bisher an dem bisherigen Israelitischen Lehrerseminar Münster tätig.