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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1926-06-08 · 6 (8.6.1926) · p. Seite 178

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
2 (1926)
Issue
6 (8.6.1926)
Article
Der Rabbinerwechsel in Bamberg
Date
1926-06-08
Page
Seite 178 (sequence 1)
Language
German
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178 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 6 5lus dem Verbände. Der Rabbinerwechsel in Bamberg. Das Jahr.1926 hat für die Israelitische Kultusgemeinde Bamberg einen bedeutsamen Wendepunkt gebracht. Am 1. April 1926 ist der Mann, der seit 38 Jahren der geistige Führer der Gemeinde gewesen ist, Herr Rabbiner Dr. Adolf E ck - stein, in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Nach monatelangem schwerem Krankenlager, während dessen auch die Amputation eines Beines vorgenommen werden mußte, hat Herr Eckstein am Vorabend des Petzachfestes zum erstenmal wieder das Gotteshaus betreten, um von der Stelle aus, von welcher er so oft Herz und Gemüt durch die Wahrheiten unserer Religion erobert hatte, sich von seiner Gemeinde zu verabschieden. Und die volle Synagoge bewies, wie jeder, der nur irgendwie konnte, um letzten Male den aus seinem Amte scheidenden Rabbiner hören, sein Wort auf sich wirken lassen wollte. Es war eine Hymne des Dankes an Gott und die Menschen, an die Gemeinde und ihre Verwaltung, die das Gotteshaus erfüllte, es waren heiße Wünsche für die Zukunft dieser Gemeinde, die der Prediger zum Himmel emporsandte, und ein feierlicher unvergeßlicher Moment war es, da Herr Dr. Eckstein als Abschiedsgruß des scheidenden Rabbiners den Segen über die Gemeinde sprach. Möge Herrn Dr. Eckstein bei fortschreitender Genesung ein langes otiuw oum dignitate in Mitte der Gemeinde beschieden sein, die er fast vier Jahrzehnte lang als Seelsorger betreut hat. Und der Freitag abend des 16. April 1926 sah wiederum ein gefülltes Gotteshaus. Herr Rabbiner Dr. Friedrich R ü l f, den die Bamberger Kultusgemeinde in einstimmiger Wahl zum Nachfolger Dr. Ecksteins erkoren hatte, sollte in feierlicher Weise in sein Amt eingeführt werden. Als Ehrengäste waren zu der Feier die Herren Bürgermeister Weegmann und Rückel mit mehreren Stadträten, die Vorstände der Bezirksämter und des Finanzamtes sowie der höheren Schulen, die Herren Domkapitulare Geiger und M a d l e n e r als Vertreter des Metropolitankapitels sowie eine Anzahl anderer geladener Gäste erschienen. Der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden war durch die Herren Justizrat Wertheimer (Fürth) und Sanitätsrat Dr. M a s u r (Coburg) vertreten. Unter Harmoniumklängen hielt Herr Dr. Rülf, geleitet von der Gesamtverwaltung, um 6 Uhr seinen Einzug in die festlich geschmückte Synagoge, um in der ersten Sitzreihe in einem besonderen Betstuhl Platz zu nehmen. Nach dem vom Synagogenchor feierlich zu Gehör gebrachten Gesang: „Mah towu" von Sulzer und dem von Herrn Kantor K l e st a d t prächtig vorgetragenen „Psalm 44" von Lewandowski, betrat der erste Vorstand der Kultusgemeinde, Herr Geheimer Justizrat Dr. Werner, den Almemor und begrüßte von dort aus alle Erschienenen, vor allem die Ehrengäste. Alsdann gedachte der Redner in warmfühlenden Worten des in den Ruhestand getretenen Herrn Dr. Eckstein, zeichnete dessen 38jähriges vorbildliches, von höchstem Pflichtgefühl getragenes Wirken als geistliches Oberhaupt der Gemeinde, als Prediger und Religionslehrer, als Freund und Wohltäter der Armen, als Tröster der Trauernden und hob besonders seine Verdienste um die Erbauung der neuen Synagoge hervor, mit der er sich ein bleibendes Ehrenmal gesetzt habe. Und nun wandte sich Herr Geheimrat Werner an den neuen Rabbiner, um diesen willkommen zu heißen, seinen Pslichtenkreis zu umschreiben, die Hoffnungen zum Ausdruck zu bringen, die die Gemeinde in Zukunft auf ihn setze, und zum Schluß zur Übernahme seines Amtes einzuladen. Herr Rabbiner Dr. Rülf wurde hierauf zum Rabbinersitz geleitet, während der Chor den „Psalm 42" mit Orgelbegleitung von Lewandowski anstimmte. Als die letzten Akkorde verklungen waren, betrat Herr Dr. R ü l f die Kanzel und entwickelte unter Zugrundelegung des Psalmwortes — Psalm 130 Vers 5—7: „Ich hoffe, Ewiger, es hofft meine Seele; und seines Wortes bin ich gewärtig. Meine Seele ist auf den Herrn gerichtet, mehr als Wächter auf den Morgen. Harre Israel auf den Ewigen, denn bei dem Ewigen ist die Liebe und viel Erlösung bei ihm." in tiefschürfender Weise seine Auffassung von den Pflichten des hohen Amtes, das ihm übertragen. Liebe zu Gott und Liebe zu den Menschen, Liebe zu seiner Gemeinde und vor allem Liebe zur Jugend! Mit diesem Bekenntnis trat Herr Dr. Rülf das Amt des Rabbiners in unserer Kultusgemeinde an. Das Hallelujah, Psalm 150, von Lewandowski schloß die eindrucksvolle Feier. Im Anschluß an dieselbe wurde im Gemeindesitzungszimmer Herr Dr. Rülf den Ehrengästen vorgestellt. Nach der hierdurch bedingten kurzen Pause begann der Freitag- Abendgottesdienst, in den noch die feierliche Stimmung der vorhergegangenen Stunde herüberklang. Dem neuen Rabbiner von Bamberg, Herrn Dr. Rülf, aber sei auch von dieser Stelle ein herzlicher Willkommgruß gebracht. Würzburg. In Würzburg fand am 3. Mai 1926 die feierliche Übergabe des bisherigen Jsolierhauses der israelitischen Kranken- und Pfründnerhaus-Stiftung an den Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden statt. Der Landesverband hat in den Kreis seiner Aufgaben auch die Fürsorge für pflegebedürftige alleinstehende Personen beiderlei Geschlechts ausgenommen, für die nunmehr in dem genannten Gebäude ein Heim geschaffen ist. Dieser Bau wurde teilweise auf Kosten des Landesverbandes in moderner Weise (elektrisches Licht, Dampfheizung, Kalt- und Warmwasseranlage) hergerichtet, so daß die Räume um so mehr einen überaus freundlichen Eindruck machen, als das Haus in dem schönen großen Garten der Israelitischen Kranken- und Pfründnerhaus-Stistung gelegen ist. Die Stiftung stellt dem Verbände das Haus auf eine Reihe von Jahren zur Verfügung, während die Verwaltung gemeinschaftlich durch den Landesverband und die Kranken- und Pfründnerhaus-Stistung durchgesührt wird. Bei der Übergabe waren als Vertreter des Landesverbands die Herren Buchhändler Ludwig Lazarus und Kommerzienrat Alfred V r a u n s ch w e i g e r 'von hier anwesend. Der Vorsitzende der Stiftung, Herr Justizrat Dr. G. Haas, gedachte in seiner Ansprache der besonderen Verdienste der Herren Kommerzienrat Braunschweiger und Sigmund Seligsberger um die Schaffung und Einrichtung des Landesheims. Herr Lazarus dankte im Namen des Verbandes der Israelitischen Kranken- und Pfründnerhaus-Stistung für die viele Mühe, welche sie auf die Einrichtung des Heims verwendet haben und spricht den Wunsch aus, daß das neue „Landheim" den in seinen Räumen untergebrachten Personen einen friedlichen und schönen Lebensabend gewähren möge. Israelitische Waisenanstalt Fürth. Dem von dem Direktor der Anstalt, Herrn Dr. D e u t s ch , an die Aufsichtsstelle erstatteten Erzieher- und Wirtschaftsbericht für das Jahr 1925/26 entnehmen wir die folgenden Einzelheiten: Wohl noch niemals in der über 160 Jahre laufenden Entwicklung des Israelitischen Waisenhauses war dessen finanzielle Lage so ernst, der Ausblick in das beginnende Jahr, soweit materielle Belange in Frage kamen, so trübe und ungeklärt, wie zu Anfang des nunmehr abgelaufenen Schul- und Verwaltungsjahres. Die Kapitalien des großen Stiftungsvermögens, auf dessen Zinsertrag die Anstalt in ihrem Bestände fast ausschließlich und allein angewiesen war, schienen infolge der Entwertung ganz verschwunden, der Umstellung auf freiwillige Beiträge und Spenden aber stellte sich bei allem Wohlwollen und aller bereiten Opferwilligkeit der Freunde des Hauses die schwere Wirtschaftskrisis, die auf dem Lande lastete, hemmend in den Weg. Um so größer ist unsere Freude und Genugtuung, von der Überwindung aller dieser Schwierigkeiten berichten zu können. Wiewohl die Ausgaben des Berichtsjahres bis zu der noch niemals erreichten Höhe von 68 000 M. angestiegen waren, konnten sie fast ganz abgeglichen und manche Erneuerungsarbeit in zweckmäßiger, wenn auch sparsamer Weise durchgeführt werden. Die über das Unabweisliche und Notwendigste hinausgehende Aufbauarbeit wird allerdings noch zu leisten sein. Das Erreichte gibt uns aber das Vertrauen, daß auch das noch Außenstehende wird verwirklicht und das segensreiche Werk in alle Zukunft wird hinübergerettet zu werden vermögen. Wir rechnen hierbei ebensosehr auf die nie erlahmende Opserwilligkeit der Freunde unserer Sache, wie auf die verständnisvolle Förderung durch den Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden, welcher, die Bedeutung und Notwendigkeit unserer Bestrebungen anerkennend, uns sowohl im Vorjahre wie auch für das laufende einen Zuschuß von je 10 000 M. bewilligt hat. Die Anstalt hat im abgelaufenen Jahre 40 Kindern (25 Knaben und 15 Mädchen) Heim, Erziehung, Pflege und Liebe zu bieten vermocht und deren Entwicklung — auch in religiöser Beziehung — wohltätig beeinflussen können. Jede Begabung wurde gefördert,

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