Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 6 (8.6.1926)
- Article
- Inhalt
- Date
- 1926-06-08
- Page
- 157 (sequence 1)
- Language
- German
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Homerische Nachrichtenblatt der IscaelitischenKultusgemeinde in München und des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden Israeliüsche Gemeinöezeitung Erscheint am Anfang jeden Monats. — Verlag: B. Heller/ München, Bezugspreis für nicht eingewicsene Bezieher: Mark 4 — für das Herzog Marstrahe 4, Kernsprecher Postscheckkonto Nr. München. /fahr. Anzeigenpreis: Oie 4 gespaltene mm-Zeile 40 Pfennige. Bchristleitung: Or. Lugen Bchmidt, Rechtsanwalt in München, karistraste 6. Kamilienanzeigen, Stellengesuche und ähnliche Angebote i> Pfennige. 192.6 München, S. Juni Nr. 6 Inhalt: Hebräische und jüdische Elemente im Deutschen. — Rückblick Juden. — Tagung der Zentralwohlfahrtsstelle. — Kulturfilm über und Ausblick über Synagogengesang. — Die Juden in Thannjüdische Wohlfahrtspflege. — Kauft nicht bei Juden. — Aus dem hausen. — Zur Geschichte der Juden in Ingolstadt. — Fort- Verbände. — Aus der Gemeinde. — Vücherschau. — Amtlicher setzung und Schluß des Verhandlungsberichts über die Ta- Anzeiger: Bekanntmachung betr. Wahlen zur Tagung. — Begung von 22. Februar 1926. — Die Wahlen zur Berliner kanntmachung betr. Wahlen der Gemeindevertreter zum Rat. — Repräsentanten-Versammlung. — 25 Jahre Hilfsverein Deutscher Bekanntmachung betr. Erwerb von Seforim. — Personalnachrichten. Alle Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde München, sämtliche Lehrer und Gemeindevorsteher sowie die Delegierten des Perbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden erhalten die Bayerische Israelitische Gemeindezeitung dauernd gratis zugesiellt. Sollte in einem einzelnen Falle die Zusendung unterblieben sein oder die Adressierung nicht sttmmen, so bitten wir dies dem Verlag sofort zu melden. — Wer nach Vorstehendem nicht zum Gratisempfang berechtigt ist, kann die Gemeindezeitung gegen eine Gebühr von Mk. 4.— für das Lahr beim Verlag abonnieren. Verlag B. Heller, München, Herzog-Max-Straße 4 kebräifche und jüdische Gemente »m Deutschen Sprach- und kulturgeschichtliche Betrachtung von Dr. Joseph PryS in München. Das Ineinanderfließen verschiedener Kulturen wird am nachhaltigsten durch die zahlreichen Wörter und Phrasen gekennzeichnet, die eine Sprachgemeinschaft von der anderen meist zugleich mit entlehnten Dingen, Vorstellungen, Gewohnheiten übernommen hat. Die vielen morgenlänkischen Wörter, die auf diese Weise ins Deutsche übergegangen sind und hier je nach dem Grade ihrer Einbürgerung als Lehnwörter oder als Fremdwörter gelten, sind seit langem Gegenstand wifsenschaftlicher Forschung. Zu den neueren Erscheinungen auf diesem Gebiete gehört eine aufschlußreiche Abhandlung des bekannten Tübinger Orientalisten Enno Littmann („Morgenländische Wörter im Deutschen", 2. Aufl., Tübingen 1924). Durch diese Arbeit, die uns hier nicht in ihrem ganzen Umfange, sondern nur soweit angeht, als sie sich mit „hebräischen Wörtern der Bibel und des Iudendeutschen" beschäftigt, hat der genannte Gelehrte den Inhalt seines anläßlich der Tagung der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft in München im Jahre 1924 vor erlesener Zuhörerschaft gehaltenen Vortrages in dankenswerter Weise weiteren Kreisen zugänglich gemacht. Die folgende Darstellung soll, von den Ausführungen Littmanns und anderer Autoren ausgehend, wenn auch nicht ausschließlich, so doch in der Hauptsache solche Wörter und Redensarten behandeln, die entweder ins Schriftdeutsche übergegangen oder so sehr in Vorstellung und Ausdruck weiter deutschsprachiger Kreije eingedrungen sind, daß man ihnen in der vulgären Literatur auf Schritt und Tritt begegnet. Auch innerhalb dieser Grenzen werden wir bei der Fülle des Stoffes, die nur ein Lexikograph bewältigen könnte und die zudem den uns hier gesetzten Rahmen weit überschreiten würde, nur ein kleine Auslese halten können. Ich werde dabei jeweils solche Beispiele bevorzugen, die weniger bekannt sein dürften, sowie solche, die ich entweder ausführlicher oder in anderer Weise erklären möchte, als es in der vor mir liegenden Literatur der Fall ist, sodaß ich hoffen darf, der Aufgabe jeder gemeinverständlichen Bearbeitung eines wissenschaftlichen Problems, niemand nichts, manchem viel und vielen etwas zu geben, gerecht zu werden. Wie schon aus dem Wortlaute unseres Themas ersichtlich ist, zerfallen die hier in Betracht kommenden Wörter und Redewendungen in zwei Gruppen: Die erste Gruppe umfaßt solche Wörter und Redensarten, die unmittelbar aus dem Texte, und zwar zunächst dem hebräischen Urtexte der Bibel ins Deutsche übernommen wurden oder mit der biblisch-hebräischen Phraseologie übereinstimmen. Diese Gruppe von Hebraismen würden wir im Deutschen auch dann finden, wenn etwa niemals Juden im deutschen Sprachgebiet gewohnt hätten. Im Gegenteil. Die den Juden häufig feindselige Stimmung ihrer christlichen Umgebung, der Mangel gegenseitigen Sichverstehenö und gegenseitiger Achtung, der die Art des Neben- und Gegeneinanderlebens von Juden und Christen über ein Jahrtausend bis weit über die Zeit der Aufklärung hinaus bestimmte, indem er die psy-