Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 5 (7.5.1926)
- Article
- Geheimer Justizrat Prof. Dr. Heinrich Frankenburger
- Date
- 1926-05-07
- Page
- Seite 146 (sequence 2)
- Language
- German
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146 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 5 Jahres 1921 einstimmig zum 2. Vorsitzenden des Vorstands gewählt. Besonders hervorgetreten ist er schon in früheren Jahren, während der Amtszeit der Herren Justizrat Ofner und Michael Nußbaum als der juristische und wirtschaftliche Berater der Gemeinde. Er war viele Jahre Vorsitzender des Landesvereins für Israelitische Kultusgemeinden in Bayern gewesen, der vor Gründung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden sich die Sorge um die bayerischen Gemeinden und ihre Beamten angelegen sein ließ. Tätigen Anteil nahm er sodann an den Vorarbeiten zur Schaffung eines Landesverbandes, für die ihn die Gemeinde abgeordnet hatte, durch Herstellung eines Verfassungsentwurfs. Seine bedeutenden juristischen Kenntnisse, seine reichen Erfahrungen aus allen Gebieten des Wirtschaftslebens, haben ihn zu einer der markantesten Persönlichkeiten in den gemeindlichen Vertretungskörpern gemacht. Er war Vorsitzender des Finanz- und Stiftungsausschusses und hat sein besonderes Interesse auch der künstlerischen Ausgestaltung unserer Friedhöfe zugewendet. Mancher schwere Schicksalsschlag hat den heute an der Schwelle des siebenten Jahrzehnts stehenden Mann getroffen, der älteste hoffnungsvolle Sohn fiel als tapferer Kämpfer für des Vaterlandes Ehre. Eigene Sorge und eigener Kummer haben Frankenburger aber nie veranlaßt, die seiner Gemeinschaft gegenüber übernommenen Pflichten zurückzustellen. Aus einem echt jüdischen, religiösen Haus stammend, war ihm der Dienst am Judentum Herzenssache. Gestützt auf ein reiches jüdisches Wissen, hat er aus innerer Anteilnahme heraus an der Leitung der Gemeindegeschäfte mitgearbeitet, die ihm nicht nur reine Verwaltungsgeschäste waren, bei denen er vielmehr die großen Zusammenhänge erkannte und aufwies. Sein Ausscheiden wird von allen Seiten, ohne Unterschied der Parteirichtung auf das schmerzlichste empfunden. In der letzten Sitzung des Vorstands und der Gemeindevertretung gedachte der Vorsitzende der Gemeinde, Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, mit herzlichen Worten des Dankes der großen Verdienste, die sich Geheimrat Prof. Dr. Frankenburger um die Gemeinde erworben hat. F.. .r. Vorstandswahl. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde München hat in seiner letzten Sitzung Herrn Albert Landauer zum stellvertretenden Vorsitzenden des Vorstandes gewählt. Die Wahl des hochverdienten Ehrenmitglieds der Gemeinde wird in weiten Kreisen der Gemeinde freudige Zustimmung finden. Dr. Thea Wallerstein. ' In blühendem Alter verschied Ende April Frau Dr. Thea Wallerstein, Gattin des Rechtsanwalts Dr. Wallerstein, kurz nach der Geburt eines Kindes. Nur wer sie näherkannte, vermochte die außerordentliche Persönlichkeit dieser vornehmen, warm empfindenden Frau zu würdigen. Zur Beerdigung hattesich eine große Zahl von Trauergästen auf dem Schwabinger Friedhof eingefunden. Rabbiner Dr. Baerwald hob in tiefempfundener Rede die ausgezeichneten menschlichen Eigenschaften der Dahingeschiedenen hervor. Geheimrat Pros. Dr. Romberg, an dessen Klinik die Verstorbene als Ärztin tätig gewesen war, fand warme Worte der Anerkennung für ihre hingebundsvolle Pflichtttreue und ihre besondere wissenschaftliche Befähigung. München. Herr Isidor Herrmann feiert am 20. April d. I. mit seiner Gattin Cäcilie, geb. Pincoffs, das goldene Hochzeitsjubiläum. Jüdisches Landheim Wolfrakshanfen. Generalversammlung: Mittwoch, den 26. Mai, 8 Uhr abends, im Bibliotheksaal der Gemeinde, Herzog-Max-Straße 7/II. Tagesordnung: 1. Ärztlicher Bericht. 2. Bericht des Kassiers. 3. Anträge. BÄER&AUERBÄCH BANKGESCHÄFT / MÄXIMILIANSPLÄTZ 18 Telephon Nummern 22805 und 26477 Äusführung aller Börsenaufträge Konto-Korrent-Kredite Hausbeitel. Wie uns das Wohlfahrtsamt der Gemeinde mitteilt, find in letzter Zeit wiederholt Klagen von Gemeindemitgliedern, insbesondere von Geschäftsinhabern eingelaufen, daß sich die Zahl der Bittsteller, die in ihre Wohnung oder Geschäftsräume kommen, ständig mehrt. Das Wohlfahrtsamt der Israelitischen Kultusgemeinde München, Herzog-Maxstraße 7/0, unterstützt alle Bittsteller aus der Gemeinde sowie Wanderarme entsprechend ihrer Bedürftigkeit und Würdigkeit. Mit Rücksicht darauf, daß die Mittel die dem Wohlfahrtsamt zur Verfügung stehen, immerhin beschränkt sind, ist feit einiger Zeit die Einrichtung getroffen, daß einzelne Gemeindemitglieder durch regelmäßige monatliche Beiträge an das Wohlfahrtsanit ihre privaten Unterstützungen ablösen und dann alle an sie herantretenden Bittsteller an das Wohlfahrtsamt verweisen. Das Wohlfahrtsamt bittet die Gemeindemitglieder, von dieser Einrichtung in weitem Umfange Gebrauch zu machen. In jedem Falle aber dürfte es sich empfehlen, damit Doppelunterstühungen vermieden und besonders Zudringliche nicht auf Kosten von verschämten Armen bevorzugt werden, Erkundigungen über die Bittsteller beim Wohlfahrtsamt einzuziehen. Warnung. Ein Herr Carl Groth, der kurze Zeit für uns gearbeitet hat, versucht, wie uns mitgeteilr wird, unter Vorlage seiner früheren Geschäftskarte kleinere Darlehen zu erhalten. Wir warnen vor dem Genannten und erklären, daß wir für keinerleit Verpflichtungen unsererseits einstehen, da die zurückgeforderten und angeblich vernichteten Geschäftskarten zu Unrecht benützt werden. Im Falle ähnlicher Versuche bitten wir die Polizei auf den Genannten aufmerksam zu machen. Verlag V. Heller, München, Herzog-Max-Straße4. vücherfchau. Das Lhebuch von Graf Keyserlings Es fragt sich, welchen Wert ein Ehebuch in der heutigen Zeit hat. Daß das Problem der Ehe heute mehr denn je vorhanden ist, das zeigt jeder Blick auf das gesellschaftliche Leben, auf die Tätigkeit bei den Gerichten und dergleichen. Es zeigt sich, daß hier ein Problem vorliegt, das dringender Art ist. Weiter fragt sich, inwiefern ein solches Buch zur Lösung beitragen kann, ob es die vielen Schwierigkeiten des Problems überwinden, seine Lösung zu fördern imstande ist. Diese Frage aufwerfen, heißt sogleich eine weitere Frage stellen: Wie ist es überhaupt möglich, durch theoretisches Wissen praktisches Handeln zu beeinflussen, zu verbessern. Es ist doch nicht immer so, daß gerade derjenige praktisch die Dinge am besten macht, der theoretisch am besten darin Bescheid weiß. Es ist möglich, daß einer theoretisch in einer Sache sehr gut Bescheid weiß, ohne auch praktisch seine Sache gut zu machen. Wir haben kennengelernt, daß vielfach theoretische Kenntnisse geradezu als Ausweichen, als Verschleppung dienen können. Keyserling ist der Anschauung, daß dennoch theoretische Kenntnis sehr wohl ein Behelf sein kann, eine Möglichkeit, praktisches Handeln zu verbessern. Das ist auch die Absicht, die er mit seinem Ehebuch verfolgt, durch Aufzeigen verschiedener Aspekte und Möglichkeiten, eine Anleitung zur richtigen Lösung des Problems zu geben. Er steht auf dem Standpunkt, daß durch theoretische Kenntnis derjenige, der guten Willens ist, von selbst in die richtigen Bahnen getrieben wird. Es sei das Wunder der Wunder des Seelenlebens, daß eine klare Vorstellung durch unbewußte Prozesse allmählich von selbst das Vorgestellte herbeiführe, daß also die klare Erkenntnis von Wahrheiten praktisches Handeln fördere. Dies ist der Sinn des Buches von Keyserling. Kesyerling hat eine Reihe von Autoren, im ganzen 24, eingeladen, an dem Buche mitzuarbeiten, und zwar auf Grund eines ganz bestimmten Planes. Es ist nicht so, als ob nun hier 24 Diskussionsredner gegeneinander sprechen, es ist kein Kunterbunt von Meinungen, die einander gegenüberstehen, sondern es herrscht eine gewisse Einheitlichkeit. Man hat nach dem Durchlesen des Buches nicht das Empfinden, daß ein Wirrwarr von Meinungen sich einander gegenübersteht, sondern trotz der verschiedenen Anschauungen hat man das Gefühl, daß alle Anschauungen sich zu einer höheren Einheit ergänzen, ein Gefühl der Reichhaltigkeit 1 Das Ehebuch, Reels Rampmann Verlag, Celle. Hlwd. 12.50 Ä, Lwd. 15.— J(.