Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 5 (7.5.1926)
- Article
- Würzburg
- Date
- 1926-05-07
- Page
- Seite 143 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 5 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 143 tionen, die fast vollständig aus eigene Füße durch diese gestellt wurden. Die Gemeinde hat zweierlei Arten Stiftungen zu verzeichnen. 1. Stiftungen, bei welchen die Gemeinde dauernd Pflichten hat, 2. Wohltätigkeitsstiftungen. Meist sind es Stiftungen zur Erhaltung der Gräber, die auch weiter innegehalten werden. Die Hirschbergsche Stiftung war die imponierendste, indem jedes Jahr eine Braut 1000 Gulden Zuschuß erhielt. Die.edlen Zuwendungen sind nunmehr verschwunden. Die Zahl der wirtschaftlich Schwachen ist jedoch gewachsen. Beraubt sind wir der Hauptvorsorge unserer Vorfahren. Das einzige besteht in der Hoffnung, unseren Jüngeren eine neue Welt zu schaffen. Ein jeder, der einigermaßen in der Lage ist, hat deshalb die Pflicht, größere freiwillige Opfer zu bringen, um Ausgleich zu schaffen und Sonnenstrahl wieder in das kleinste Haus zu bringen. Als Stiftpfleger will ich den Anfang machen, und zwar zunächst 6 Wäscheausstattungen zu M. 500.— für bedürftige Mädchen stiften, zunächst für 3 Jahre. Die Stiftung soll der Jugend zeigen, wie edel unsere Vorfahren gedacht haben, wie sie durch Sparsinn immer noch für ihre Nebenmenschen Mittel zur Verfügung stellten. Möge dies in der Gemeinde Würzburg weitere baldige Nachahmung finden." Ferdinand Heß, Würzburg. Da in den übrigen Gemeinden des Landes die Verhältnisse wohl ebenso liegen wie in Würzburg, haben wir uns veranlaßt gefühlt, der Öffentlichkeit hiervon Kenntnis zu geben und den Opfersinn unserer Glaubensgenossen anzuspornen. Möge das edle Beispiel des Herrn Karl Sichel im ganzen Lande Nachahmung finden und möge dadurch aus den Trümmern der Vergangenheit neues schönes jüdisches Leben erblühen. Zum 100jährigen Bestehen des Studien- und ArbeitsbeförderungS-Vereins für Israeliten in Bayern E. V. „Dem Leser, der den nachfolgenden Statuten des Wohltätigkeitsvereins die ihrer Tendenz angemessene Aufmerksamkeit schenkt, wird eine in den äußeren Umrissen entworfene Bildungsgeschichte dieser Stiftung nicht unwillkommen sein. Schon vor längerer Zeit wurde von mehreren Seiten der Mangel einer jener geselligen Verbindungen am hiesigen Orte bedauernd angeregt, welche die vereinzelten Bestrebungen der für die bürgerliche Wohlfährt unserer Glaubensgenossen eifrigen Individuen, zu einem schönen Bunde vollkräftiger Wirksamkeit vereinige. Als nun durch die Gründung der neuen Synagoge und mancher dadurch veranlasiten frommen Stiftungen der mit dem Religiösen in so inniger Beziehung stehende menschenfreundliche Sinn noch höher angeregt wurde, mußte jener Wunsch um so lebhafter und dringender hervortreten." Mit diesen Worten beginnt das Vorwort zu den Statuten des Israelitischen Wohltätigkeits-Vereins in München. Als Aufgabe des Vereins wird in § 1 der Statuten erklärt: „Der Verein wird sein Augenmerk darauf richten, die schweren Handwerke nach Maßgabe der ihm jedesmal zu Gebote stehenden Mittel unter den Israeliten in Bayern in Aufnahme zu bringen." Als schwere Handwerker werden in § 2 „Maurer, Zimmerleute und Grob- und Hufschmiede bezeichnet. In § 17 der Statuten bestimmt der Verein „Stipendien für hiesige, unbemittelte israelitische Individuen, die sich zu Rabbinern oder Schullehrern bilden wollen". In § 24 wird die Unterstützung der israelitischen Ackerbauern als künftige Sorge des Vereins in Aussicht genommen. Die Statuten wurden am 28. Januar 1826 behördlich genehmigt. Als Gründungstag wurde der Einweihungstag der Synagoge (an der Weftenriederstraße), also der 21. April 1826 festgesetzt und die KonftituierungSfeier des Vereins fand am 28. April 1826 statt. Das Vorwort teilt uns die Mitglieder des vorbereitenden Ausschusses mit; es sind dies die Herren: Benedikt Mainer, David Hessel, Raph. Zaduck, Jos. Neudauer, Wolf R. Kaula, Isid. Neuftätter, Jakob Richter. Als Ersatzmänner die Herren David Neustätter, R. D. Rosendahl. Als Mitglieder des ersten Vorstandes werden aufgeführt: Obervorfteher: Herr Lippmann Marx, ferner die Herren Isidor Neuftätter, Benedikt Mainer, David Hessel, R. D. Rosendahl, Joseph Neubauer, Isidor Hirsch Pappenheimer. Der Verein hatte sich auch zur Aufgabe gemacht, verunglückte Gemeinden durch freiwillige Sammlungen innerhalb des Vereins zu unterstützen und eine Sammlung für die Abgebrannten in Eschelbach, die fl. 33.46 ergab, war die erste Handlung des Vereins. Bereits im Jahre 1830 fand eine Änderung der Satzungen statt, welche die königliche Genehmigung unter Ausdruck des allerhöchsten Wohlgefallens über die Errichtung und die Bestrebungen des Vereins empfingen. In dem Vorwort zu den Satzungen wird der Genugtuung über diese huldvollste landesväterliche Anerkennung freudig Ausdruck gegeben. Es entsprachen die Bestrebungen des Vereins durchaus den Absichten der Regierung, wie solche in dem königlichen Edikt über die Verhältnisse der jüdischen Glaubensgenossen im Königreich Bayern vom 10. Juni 1813 bereits zum Ausdruck gebracht waren. Die Juden sollten, nachdem die Schranken des Ghetto gesetzlich gefallen waren, dem Handwerk und dem Ackerbau nach. Möglichkeit zugeführt werden. Trotz des hoffnungsfreudigen Vorworts der Satzungen aus dem Jahre 1830 scheint in den Jahren bis 1839 alsdann eine Unterbrechung der Vereinstätigkeit während geraumer Zeit eingetreten zu sein und erst im Jahre 1839 wurden Schritte unternommen, um sie wieder ins Leben zu rufen. Es wurde beschlossen, die Vereinstätigkeit nicht mehr auf die schwersten Handwerke zu beschränken, sondern auf alle Handwerke zu erstrecken. Der Verein nahm den Namen „Unterstützungsverein für Israelitische Ackerbau- und Handwerkslehrlinge" an. Als Mitglieder des Ausschusses, welche die Satzungen ausarbeiteten, werden genannt: Die Herren Rabbiner Aub, David Neuftätter, Arnold Marx, R. D. Rosendahl, Dr. A. Behr, Moritz Mandl und Markus Pflaum. Der Bericht für das Vereinsjahr 1843/44 ist um deswillen besonders bemerkenswert, weil demselben eine „tabellarische Übersicht des Betriebs der Handwerke und des Ackerbaues von den Israeliten in Bayern" beigefügt ist. Diese tabellarische Übersicht ist das Ergebnis von Ende des Jahres 1843 seitens des Vereins angestellten Erhebungen. Hiernach hätten bei einem Gesamtstand der jüdischen Bevölkerung Bayerns von 61 000 etwa 6000 Juden dem Handwerk und Feldbau oblegen. Es wird hieraus in dem Vereinsbericht gefolgert, daß etwa ein Fünftel der männlichen erwerbstätigen Bevölkerung sich dem Ackerbau und dem Handwerk zugewandt hätte. Im Jahre 1851 änderte der Verein abermals seinen Namen und zwar in: „Israelitischer Handwerks- und Ackerbaubeförderungs-Verein in Bayern." 1867 wird als Zweck angeführt: „Die Förderung des bürgerlichen Fortschritts der Israeliten in Bayern", und eS werden