Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 5 (7.5.1926)
- Article
- Deutscher Rabbinerverband
- Date
- 1926-05-07
- Page
- Seite 141 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 5 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 141 durch die Verbände. Einen besonderen Erfolg bezeichnet die über den Preußischen Landesverband erreichte Subventionierung überbesteuerter Gemeinden durch die von der Staatsregierung bewilligten Mittel zur Besoldung der Rabbiner und zur Erleichterung der Pensionslast. Angesichts der wieder hervortretenden Angriffe gegen das rituelle Schlachten erneuerte der Ausschuß die im Jahre 1894 abgegebene Erklärung des Inhalts: „Die rituelle Schlachtmethode ist eine religiöse Satzung des Judentums, die im Biblischen und nachbiblischen Schriften ihre Begründung hat. Dieser Satzung gemäß darf ein Tier nur dann geschlachtet' werden, wenn es in keinem seiner wesentlichen Organe irgendwie verletzt ist. Die Betäubung durch Gehirnschlag, Schlachtmaske, Schußmaske usw. würde somit einem Verbote des Schächtens gleichkommen." Die Gemeinde Hannover bot den Erschienenen in großzügiger Weise Gastfreundschaft und Bewirtung. Berlin. Die „Gesellschaft der Freunde jüdischer Musik", welche vor einigen Monaten hier begründet wurde, ist nunmehr mit ihrem ersten Konzert vor die Öffentlichkeit getreten, das am 21. April im Vechsteinsaal unter Mitwirkung des Van-Laar-Quarletts, sowie des bekannten Sängers Leo Gollanin und des Klaviervirtuosen Franz Osborn stattfand. Einleitend wies Herr Dr. Schalom Hildesheimer in einer Ansprache an das zahlreiche Publikum auf die Ziele und Bestrebungen der Gesellschaft hin, welche sich die Verbreitung jüdischer Musik, die Förderung jüdischer Komponisten und die Bekanntmachung ihrer Schöpfungen in weiteren Kreisen zur Aufgabe gestellt hat. Das Konzert, dessen Programm das Streichquartett von Ernest Bloch, die „Östlichen Visionen" für Klavier von Erich Walter Sternberg, das berühmte „Kaddisch" von Maurice Ravel sowie Lieder von Moses Milner enthielt, nahm einen wirkungsvollen Verlauf und weckte bei den Anwesenden begeisterten Beifall. Als eine der nächsten Darbietungen der „Gesellschaft der Freunde jüdischer Musik" ist u. a. die Uraufführung von Joel Engels „Suite aus der Musik zu der dramatischen Legende Hadibuk von Anski" in Aussicht genommen. „Der Dibuk", der im berühmten Moskauer Künstlertheater Habimah 30 Mal aufgeführt wurde und dann einen Siegeslauf durch Europa, Amerika und Palästina genommen hat, gehört zu den bedeutungsvollsten Schöpfungen jüdischer. Dramaturgie. Die dazu gehörige Komposition des bekannten Musikers I. Engel (erschienen in der Verlagsgesellschaft für jüdische Musik „Juwal", Berlin W 15) darf auf allgemeines Interesse rechnen. Nähere Auskünfte über ihre Tätigkeit und über ihren weiteren Absichten werden von der „Gesellschaft der Freunde jüdischer Musik", Berlin W, Lietzenburger Straße 8a, bereitwillig erteilt. Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler Die Gruppe „Hygiene der Juden" auf der großen Ausstellung Düsseldorf 1926 für Gesundheitspflege, Soziale Fürsorge und Leibesübungen hat wichtige Aufgaben auf dem Gebiete der jüdischen Kunst der „Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler" in Frankfurt a. M. zur Erledigung übertragen, da diese durch ihre 30jährige Tätigkeit zu einem Zentrum jüdischer kunstwissenschaftlicher Forschung geworden ist. Odeon~Musik~ Apparate Odeon-Musik-Platten Herrliche Klangfülle Kataloge und Platten - Ve rzel chnisse kostenlos Odeon~Musikhaus JciCOb München, Neuhauser Straße 12, neben Pschorr Zoll- und Frachtbegünstigung von Liebesgaben Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, welcher als einer der fünf gemeinnützigen Gesellschaften Zoll- und F rachtfre ih eit bei der Versendung von Liebesgaben seitens der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft zugestanden war, macht darauf aufmerksam, daß die Bestimmungen über die tarifarische Begünstigung von Liebesgaben im Inland am 31. März 1926 abgelaufen ist. Zollfreie Beförderung von Liebesgaben aus dem Aus lande ist nach wie vor noch möglich. Hus dem Verbände. Ivürzburg (Israelitische Lehrerbildungsanstalt). Die satzungsgemäß alljährlich stattfindende Visitation des jüdischen Unterrichts an der israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg wurde in diesem Jahre von dem Kuratoriumsmitgliede Bezirksrabbiner Dr. Wohlgemuth (Kitzingen) vorgenommen. Sie ergab wiederum ein sehr befriedigendes Resultat. Die Renaissance des Thorastudiums, die seit einigen Jahren in Deutschland eingesetzt hat und weite Kreise mit einem neuen Geiste der Liebe zum „Lernen" beseelt, hat auch die künftige Lehrergeneration erfaßt, die auf dem Würzburger Lehrerseminar ihre Ausbildung empfängt. Der gründliche und gediegene, hingebungsvolle Unterricht in den Religionsfächern — täglich mindestens 3 Stunden — im Verein mit der Begeisterung der Schüler für das „Lernen" hob den Stand des jüdischen Wissens auf ein beachtliches Niveau. Nicht nur in Pentateuch mit Rafchi und anderen Kommentaroren, T'nach, Mischna und Dinim zeigten die Schüler gute Beherrschung des Stoffes und Meisterung der sprachlich-technischen Schwierigkeiten, sondern auch aus dem Gebiete des talmudischen Unterrichts bewiesen sie die Fähigkeit, den Sto (Gemoro mit Raschi und ausgewählten Tossafoth) nach der technischen und logischen Seite zu bewältigen. Hervorzuheben ist, daß die logische Durchdringung und das Verständnis des Verhältnisses der einzelnen Lehrmeinungen zueinander den Schülern wesentlich durch die geschichtliche Betrachtungsweise erleichtert wurde, zu der sie im Unterricht durch Vermittlung der Kenntnisse über die Generationen der Tannaiten und Amoräer und späterer Lehrer angehalten wur- Es überraschte, daß Schüler, die mit einem ganz geringen Maß von jüdischen Kenntnissen in das Seminar eingetreten waren, schon nach einem Jahr befriedigende Erfolge auch auf talmudischem Gebiete aufzuweisen hatten. Besondere Anerkennung verdient es, daß 2 Herren, die nach Absolvierung des Seminars den Fortbildungs- (Jeschiwah) Kursus 1 Jahr lang besuchten, ihre Befähigung, ein mittelschweres Stück aus dem Talmud f e l b st ä n - d i g zu erarbeiten, darlegten. Der eine dieser Absolventen wurde auf Grund seiner Kenntnisse bereits für die Erteilung des Unterrichts in der Unterabteilung der Hoffmannschen Jeschiwoh in Frankfurt a. M. angestellt. Da auch 2 Absolventen des vorjährigen Jefchiwakurses in ähnlichen Stellungen erfolgreich fungieren, der eine als Talmudlehrer an der Talmud-Thora-Präparandenschule zu Höchberg, der andere an den Schulen der Adaß in Berlin, dürften die vertiefende Neugestaltung des jüdischen Unterrichts und die Führung des anschließenden biblisch-talmudischen Fortbildungskurses am Seminar zu Würzburg die Feuerprobe der Leistungsfähigkeit und Notwendigkeit bestanden haben und die ifraelitsche Lehrerbildungsanstalt Würzburg, wie auch immer das Problem der Lehrerbildung sich entwickeln wird, eine Lebensnotwendigkeit für das deutsche Judentum darstellen. Bamberg. Herr Dr. Eckstein, der am 1. April 1926 in Pension gegangen, verabschiedete sich am Eingänge der letzten Pessachtage in der dichtgefüllten Synagoge von seiner Gemeinde. Der Redner gab einen Rückblick über seine 38jährige Tätigkeit als Rabbiner der hiesigen Gemeinde. In seinen weiteren Ausführungen dankte er in erster Linie der Kultusverwaltung, die jederzeit reges Interesse allen religiösen Fragen bekundete, dankte ferner den vielen Freunden und Bekannten, die während seiner Krankheit aufrichtige Teilnahme zeigten und nicht zuletzt der Gesamtgemeinde, in deren Mitte er seine segensreiche Tätigkeit entfal-