Mannheim
Compact Memory

Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1926-04-02 · 4 (2.4.1926) · p. Seite 104

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
2 (1926)
Issue
4 (2.4.1926)
Article
Themar
Date
1926-04-02
Page
Seite 104 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2727810-2727823-2727827--00930-2729667
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

104 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 4 Themar. Ein seltenes Fest, das Fest der diamantenen Hochzeit, feierten unter Anteilnahme weiter Kreise am 16. Mär; die Eheleute Maier Mayer, Lehrer a. D. und dessen Gattin Karoline, ged. Eisenfresser, in körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische in Themar (Meiningen). Ein feierlicher Gottesdienst versammelte die ganze Gemeinde im festlich geschmückten GotteShause. Im Anschlüsse an den Gottesdienst fand die eigentliche Feier statt. Namens der KultuSgemeinde Schnaittach bei Nürnberg, woselbst der Jubilar 47 Jahre als Lehrer wirkte, überbrachte Herr Freimann Glückwünsche mit Überreichung eines Ehrengeschenkes nebst einer kunstvoll ausgeführten Ehrenurkunde. Mit Verlesung derselben sowie ehrender Glückwunschschreiben des Reichspräsidenten Hindenburg, des I. Bürgermeisters der Marktgemeinde Schnaittach, des Präsidiums des D.I.G.B., des 1. Vorsitzenden vom Isr. Lehrerverein in Bayern, des Vorsitzenden des Verbandes der jüd. Lehrervercine Deutschlands sowie der Mitteilung von der Verleihung des Chowertitels durch den DistriktSrabbiner Dr. Weinberg in Neumarkt schloß der feierliche Akt, der auf alle Teilnehmer einen erhebenden Eindruck machte. 5lus der Semeinde. GemeindcvertrctungSsitzung vom 25. März 1926. OberlandcsgerichtSrat Dr. Neumeyer erstattete zunächst Bericht über die anläßlich der Eingabe des Münchener Tierschutzvereins an den Landtag betreffend das rituelle Schächten getanen Schritte und verlas bei dieser Gelegenheit die Erklärung von Rabbinat und Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde München (die inzwischen in der Presse veröffentlicht wurde und weiter unten im Wortlaut wiedergegeben ist). An Stelle von Geh. Iustizrat Dr. Frankenburger wurde Sanitätsrat Dr. Baron in den Vorstand gewählt, welcher die Wahl annahm. Herr Walter Weiß rückt als nächster Ersatzmann in der Gemeindevertretung auf. Es wurden ferner gewählt R.A. Dr. Elias Straus zum Vorsitzenden des Finanz- und Stiftungsausschusses, I.-R. Dr. Heilbronner zum Mitglied des Verfassungsausschusses, als Beauftragte für das Landheim WolfratShausen Sanitäisrat Dr. Baron als Vorsitzender und Direktor Apfel. Anläßlich des 70. Geburtstages von Frau Professor Dr. Werner wurde einstimmig beschlossen, in Anerkennung ihrer unermüdlichen im Dienste der gemeindlichen Wohlfahrt geleisteten Tätigkeit ihr eine Ehrengabe in Form eines alljährlich von der Gemeinde zu tragenden Ferienaufenthaltes zu gewähren. Nachdem über den Stand der Besetzung einer Lehrstelle sowie des durch den Fortgang von Dr. Elk vakant gewordenen Postens des stellvertretenden Rabbiners gesprochen worden war, referierte Dr. EliaS Straus über die Jahresrechnung 1925 sowie über den Voranschlag für das Jahr 1926 (vergleiche die Bekanntmachungen im amtlichen Teil dieser Nummer!) Die prozentuale Verteilung der gemeindlichen Ausgaben für das Jahr 1926 stellt sich demgemäß wie folgt: Beamten und Angestellte 50 Pro;., Ausgaben für soziale Zwecke 25 Pro;., gemeindliche Anstalten und Einrichtungen 10 Pro;., Bauausgaben 5 Pro;., kulturelle und allgemeine Zwecke 314 Pro;., Dispositionsfonds 3 Pro;., sonstige Ausgaben 3 24 Pro;. Die Umlagen wurden vorbehaltlich der Genehmigung der Kreisregierung von Oberbayern auf 12 Prozent der nach dem religionsgesellschaftlichen Steuergesetz zugrunde zu legenden Reichs- und Landessteucrn festgesetzt, ein Prozentsatz, der auch von den übrigen Großgemeinden erreicht, zum Teil überschritten wird. Tierschutz und Schächten. Zu der von dem Münchener Tierschutzverein an den Landtag gerichteten Eingabe haben Rabbinat und Vorstand der Israelitischen KultuSgemeinde München in nachfolgender durch die Presse veröffentlichter Erklärung Stellung genommen. Die Eingabe des Münchener Tierschutzvereins an den Bayerischen Landtag, auf die sich Nr. 82 der „Münchener Zeitung" bezieht, gibt uns zu folgender Erklärung Anlaß: 1. Die Eingabe des Münchener Tierschutzvereins an den Landtag stellt die Behauptung auf, das Schächten stelle eine Tierquälerei dar. Diese Auffassung ist unbewiesen und vielfach angefochtcn. Den in der Eingabe angeführten schächtgegncrischen Gutachten stehen Hunderte von Gutachten von Männern der Wissenschaft und der Praxis, darunter 98 Professoren von Universitäten und tierärztlichen Hochschulen, gegenüber, die bis in die neueste Zeit hinein reichen. Diese Gutachten, die das Schächten als eine einwandfreie und humane Tötungsart erklären, sind weder durch neuere Gutachten noch durch verbesserte Schlachtmethoden entkräftet worden. Wenn;. B. von sachverständiger Seite ausgeführt worden ist, daß „das rituelle Schächten der Schlachttiere bei sachkundiger und richtiger Ausführung den Anforderungen des Tierschutzes entsprechend keine Tierquälerei darstcllt" (Obermedizinalrat Professor Dr. von Bollinger, München) oder „daß das Schächten eine rasche, sicher zum Ziele führende Tötungsart ist und eine Tierquälerei nicht genannt werden kann" (Professor Stoß, ebenso Professor Rückert, München), so erfahren diese Feststellungen anerkannter Vertreter der Wissenschaft keine Änderung, wenn auch inzwischen die anderen Schlachtmethodcn sich vervollkommnet haben sollten. 2. Die angebliche Tierquälerei wird meist aus den Bewegungen gefolgert, die nach dem Schnitt einsetzen. Diese Bewegungen sind jedoch, wie von wissenschaftlicher Seite festgestellt ist, Reflexbewegungen, die im Zustande der Bewußtlosigkeit und ohne Schmerzcmpfindung erfolgen. Auch bei geschlagenen und geschossenen Tieren war noch mehrere Minuten nach Eröffnung der Carotis (Halsschlagader) zu beobachten, daß Tiere sich aufrichteten und Laufbewegungen machten (Gutachten von Geheimrat Professor Dr. Terek 1913). ' 3. Auch die Anwendung der Schuß- oder Schlagmaske verursacht nicht immer die sofortige Tötung oder Betäubung der Tiere. In einer Sitzung des städtischen Hauptausschusses hat im vergangenen Jahre Herr Schlachthofdirektor Opel berichtet, daß wiederholt sowohl Schüsse als auch Schläge (bis zu 15) erfolglos waren, so daß nichts anderes übrig blieb, als die Halsschlagadern zu durchschneiden, d. h. daö Tier zu schächten. 4. Der Behauptung, daß „beim Schächten, so wie c§ sich tatsächlich regelmäßig vollzieht, mannigfache Abweichungen zugelassen oder wenigstens übersehen werden", muß entschieden entgegengetreten werden. Wenn solche Abweichungen wie der Genickftich nach dem Schächtakt wirklich Vorkommen, so wären dies Mißstände, die durch die Schächtvorschriften nicht nur nicht gestützt werden, sondern ihnen unmittelbar zuwiderlaufen. Die jüdischen Stellen werden solche Mißbräuche im Benehmen mit den zuständigen Organen mit allem Nachdruck zu verhindern suchen. 5. Die rituelle Schlachtmethode ist eine religiöse Satzung des Judentums, die im biblischen und nachbiblischen Schrifttum ihre Begründung hat. Keine Stelle ist befugt, das Schächtgebot aufzuheben. Das Tier darf nur dann geschächtet werden, wenn es in keinem seiner wesentlichen Organe verletzt ist. Die Betäubung durch Hirnschlag, Schußmaske usw. würde somit einem Schächtverbot gleichkommen und Hunderttausende Bekenner unserer Religion zwingen, auf den Genuß dieses wichtigen Nahrungsmittels zu verzichten, um nicht ihr Gewissen durch Übertretung einer Religionssatzung zu belasten. Rabbinat und Vorstand der Israelitischen KultuSgemeinde München. 70. Geburtstag von Frau Professor Werner. Am Samstag, dem 27. März 1926, vormittags 11 Uhr fand anläßlich des 70. Geburtstages von Frau Professor Werner im Sitzungssaal des Gemeindehauses eine kleine Feier zu Ehren der Jubilarin statt. Die große Zahl der Erschienenen, die in dem Raume kaum Platz zu finden vermochten, zeugte von der großen Anteilnahme und von der Beliebtheit, die sich Frau Professor Werner in den langen Jahren ihres arbeitsreichen, den Mitmenschen gewidmeten Lebens erworben hat. Die Feier wurde umrahmt von Gesängen des Synagogenchors unter Leitung des Chordirigenten Ziegler HAUS DER QUALITÄTSSTOFFE 0 | MÜNCHEN V KARLSPLATZ 5 STARK & Cu. NÜRNBERG LUITPOLDSTRASSE 11

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.