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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1926-04-02 · 4 (2.4.1926) · p. Seite 103

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
2 (1926)
Issue
4 (2.4.1926)
Article
Ergebnisse der Erhebung des Münchener Ausschusses für Kriegsstatistik der Juden
Date
1926-04-02
Page
Seite 103 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 4 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 103 In Berlin ist am Anfang des Krieges vom Ausschuß für Kriegsstatistik, dem alle großen jüdischen Organisationen angehären, ein Büro für jüdische Kriegsstatistik errichtet worden. Als Grundlage für seine Tätigkeit legte es eine Reichskartothek an, welche sämtliche jüdische Kriegsteilnehmer innerhalb der Reichsgrenzen umfassen soll. Es ist notwendig, auch aus Oberbayern das Material dieser Sammelstelle zuzuführen. München darf in dieser Frage Berlin nicht im Stiche lassen. Zu diesem Zweck hat sich auch in München ein Ausschuß für Kriegsstatistik gebildet. Dieser Ausschuß ersucht Sie hiermit, den beiliegenden Fragebogen auszusüllen. Soziale Ausbildung der Krankenschwestern In den letzten Jahren, ganz besonders seitdem in fast allen größeren und mittleren Gemeinden jüdische Wohlfahrtsämter eingerichtet worden sind, werden in zunehmender Zahl Wohlfahrtspflegerinnen mit guter beruflicher Vorbildung eingestellt, welche die zur Ausübung ihres Berufes unerläßlichen Fachkenntnisse besitzen müssen. Während aber bei den anderen Konfessionen, vor allem unter den katholischen Fürsorgerinnen ein nicht unerheblicher Teil aus der Krankenpflege heroorgegangen ist, zeigt sich in unserer Gemeinschaft, daß nur eine geringe Zahl eine derartige Schulung besitzt und als Krankenpflegerin praktisch gearbeitet hat. Das mag zum Teil daran liegen, daß die Zahl der Krankenschwestern überhaupt zurückgegangen ist, so daß nicht einmal für die Krankenpflege eine genügend große Anzahl von Schwestern vorhanden ist, bez. daß die Meinung herrscht, daß lediglich auf dem Wege einer Ausbildung in der sozialen Frauenschule die für den Berus erforderlichen Fachkenntnisse vermittelt werden könnten. Ohne den Besuch einer sozialen Frauenschule können zwar kaum die erforderlichen Kenntnisse erlangt werden, jedoch soll nachdrücklichst auf die Bedeutung einer sozialen Ausbildung der Krankenschwestern hingewiesen werden. Krankenpflege und soziale Fürsorge gehen in der Praxis vielfach Hand in Hand, die Schwesternheime und Vereine sollten daher in Zukunft während der Ausbildungszeit den Schwestern nicht nur medizinische und hygienische sondern auch in gewissem Umfange soziale Kenntnisse vermitteln. Ein besonderes Verdienst des Frankfurter Verbandes der jüdischen Krankenpsleger'mnen-Vereine ist es, daß er auf seiner diesjährigen Delegiertenversammlung die Frage der sozialen Schulung der Krankenschwestern aufgeworfen und angeregt hat, den Schwestern eine soziale Ausbildung nahezulegen. Die Zentralwohlfahrtstelle der deutschen Juden bringt der sozialen Ausbildung der jüdischen Krankenschwestern weitgehendes Interesse entgegen und hat sich mit den Schwesternheimen in dieser Angelegenheit schon in Verbindung gesetzt, vor allen Dingen, damit Einwände im Hinblick aus die an sich lange Dauer der Ausbildung (2 Jahre) vor vornherein behoben werden konnten. Der Frankfurter Verein hat z. B. mit sechsmonatlichen Einführungskursen für ältere Schwestern gute Erfahrungen gemacht. Derartige Kurse lassen sich zweifellos am besten gemeinsam mit den anderen Konfessionen im Anschluß an bestehende Lehranstalten (z. B. Wohlfahrtsschulen) einrichten. Für die Zukunft dürfte sich, wie gesagt, eine Kombination der Ausbildung der Krankenschwestern und der sozialen Schulung empfehlen. Sollte der Wunsch und das Bedürfnis nach einer ergänzenden sozialen Ausbildung bei einer größeren Anzahl von Schwestern vorhanden sein, so ist die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden nicht abgeneigt, von sich aus einen besonderen Kursus einzurichten. Zweifellos ist die Betätigung in der sozialen Arbeit für viele Schwestern, die der Krankenpflege nicht mehr gewachsen sind, möglich und befriedigend, wie auch der Kreis der Wohlfahrtspflegerinnen eine vielfach erwünschte und notwendige Bereicherung durch die krankenpflegerisch vorgebildeten sozialen Kräfte erfahren dürfte. Anfragen und Mitteilungen werden an die Geschäftsstelle der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin C. 2, Rosenstrahe 2/IV, erbeten. Jewijl) Daily Bulletin Seit 15 Monaten erscheint in New Park eine tägliche englische Zeitung, die ausschließlich jüdischen Fragen gewidmet ist. Das Jewish Daily Bulletin, ist das einzige jüdische Tagblatt in der englischen Sprachwelt. Die Zeitung ist unparteiisch. Sie ist ausschließlich informativ. Sie veröffentlicht keine Leitartikel. Ein weitverzweigter Kabeldienst, der alle wichtigeren jüdischen Vorgänge in allen Teilen der Welt in präziser und objektiver Weise berichtet, bildet den Hauptwert dieser Zeitung. Aus dem Verbände. 60. Geburtstag von Rabbiner Dr. Stein. Rabbiner Dr. Stein, Schweinfurt, dessen Feder wir wieder einmal einen in dieser Nummer veröffentlichten Aufsatz verdanken, bat am 27. Mär; seinen 60. Geburtstag begangen. Aus Nordbeim v. d. Rhön stammend hat Dr. Stein seine rabbinischen und akademischen Studien am Hildesheimer Rabbinerseminar und an den Universitäten Berlin und Würzburg durchgemacht. In jungen Jahren schon wurde er seines ehemaligen Lehrers, des Distriktsrabbiners Dr. Lebrecht, Sckweinfurt, Nachfolger, erst als Verweser, dann als der Rabbiner von Schweinfurt, als welcher er nun schon seit 35 Jahren segensreich wirkt. Seine Tätigkeit an dieser Stelle zu schildern erübrigt sich, zu bekannt sind seine Verdienste um das religiöse Leben nicht nur in seiner Gemeinde. Über ihre Grenzen hinaus reicht seine Arbeit und als 2. Vorsitzender der bäuerischen Rabbinerkonferenz, als Mitglied des Rates bayerischer israelitischer Gemeinden, als Vorsitzender des Verbandes bayerischer gesetzestreuer israelitischer Gemeinden wird er nicht müde, in Wort und Schrift zu wirken. Seiner von wahrhafter Religiosität erfüllten vornehmen Natur, seiner warm und menschlich fühlenden Persönlichkeit wird in allen Lagern des deuischen Judentums Vertrauen und Verehrung entgegengebracht, und so ist es denn auch oft sein Amt, Gegensätze auszugleichen und das kostbare Gut des Friedens zu erhalten. Dem verehrten Jubilar seien auch an dieser Stelle herzliche Glückwünsche dargebracht. Ansbach. Die Bezirkskonferen; Ansback hält ihre nächste Zusammenkunft am U. April d. I. mittags I Uhr in Ansbach (Gemeindezimmer) ab. Uffenheim. Vor einigen Tagen starb der in weitesten Kreisen bekannre ehemalige Kaufmann Herr I o s u a F l a m m dabier im gesegneten Alter von fast 75 Jabren. Mit ihm ist eine tiefreligiöse, charakterstarke Persönlichkeit von altem Schrotr und Korn dahingegangen. Er war Gründer unserer Kultusgemeinde, ibr langjähriger Vorstand und Pfleger. Ausgestattet mit gediegenem, profanem und religiösem Wissen, erkannte er frühzeitig die geistigen und materiellen Nöte der jüdischen Glaubensgemeinschaft, besonders auf dem Lande. Auf das freudigste begrüßte er deshalb den Zusammenschluß der israelitischen Gemeinden in Bayern zu einem religiösen Verband und betätigte sich als sein eifriger Förderer. Wie seine religiösen, erfüllte er mit gleicker Gewissenhaftigkeit und Hingabe seine bürgerlichen und staatlichen Pflichten. Seine drei Söhne entsandte er in d^r Krieg, zwei von ihnen kehrten nicht mehr in die Heimat zurück. Das Vertrauen seiner Mitbürger berief in neun Jahre lang als Kollegiumsmitglied in die Stadtvertretung und für Jahrzehnte in den städtischen Armenrat; in diesen und anderen Ehrenämtern bewährte er sich aufs trefflichste. Das Andenken an Josua Flamm wird in der Geschichte unserer Gemeinde unvergessen sein. Srr. Rockenhausen. Ab 1. Januar 1926 wurde der Lehrer Julius Lamm in Rockenhausen (Pfalz), zum Hauptlehrer in Gruppe VIII der Besoldungsklasse befördert.

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