Mannheim
Compact Memory

Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1926-04-02 · 4 (2.4.1926) · p. 85

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
2 (1926)
Issue
4 (2.4.1926)
Article
Inhalt
Date
1926-04-02
Page
85 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2727810-2727823-2727827--00880-2729648
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Rachrichtenblatt öer Israelitischen Rultusgemeinöe in München unü ües Verbandes Hagerischer Israelitischer Gemeinden Hagerische Israelitische Gemeinöezeitung Erscheint am Anfang jeden Monats. — Verlag: L. Heller, München, Lezugspreis für nicht eingewiesene Sezieher: Mark 4 — für das HerzogMarstraße4/§ernsprecher5)o?-,Postscheckkonto Nr.München. Jahr. Anzeigenpreis: Die 4gespaltene »»»»-Zeile 40 Pfennige. Vchristleitung: Dr. Lugen Schmidt, Rechtsanwalt ln MüKchen, Karlstraste 6. Kamilienanzeigen, Stellengesuche unö ähnliche Angebote if Pfennige. 192,6 München/ L. April_Ar. 4 Inhalt: Herzhafte Religionsstunden — Gedenket der Tage der Borzeit — Eine ernste Frage — Pessach — Ein Mahnruf ans Herz — Die Tagung des Verbandes — Wanderlehrer — Filiallehrer — Ergebnisse der Erhebung des Münchener Ausschusses für Kriegsstatistik der Juden — Soziale Ausbildung der Krankenschwestern — Iewish Daily Bulletin — Aus dem Verbände — Aus der Gemeinde — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen: Betr. Unterbringung von Kindern in Bad Kissingen und Wolfratshausen - Betr. Unterbringung von Kurbedürftigen im Kurhospiz Bad Kissingen — Betr. Ausgestaltung der „Bayer. Ist. Gemeindezeitung" — Betr. Iahresrechnung der Kultusgemeinde München für 1925 — Betr. Voranschlag für 1926 — Betr. Gedenkfeier — Betr. Cchächtzeiten für Geflügel — Personalnachrichten — Kalendarium Alle Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde München, sämtliche Lehrer und Gemeindevorsteher sowie die Delegierten des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden erhalten die Bayerische Israelitische Gemeindezeitung dauernd gratis zugestellt. Sollte in einem einzelnen Falle die Zusendung unterblieben sein oder die Adressierung nicht stimmen, so bitten wir dies dem Verlag sofort zu melden. — Wer nach Vorstehendem nicht zum Grattsempfang berechtigt ist. kann die Gemeindezeitung gegen eine Gebühr von Mk. 4.— für das Jahr beim Verlag abonnieren. Verlag B. Heller, München, Herzog-Max-Straße 4 kerzhatte Religionsstunden Ein Wort an Eltern und Jugend von S. D i n g f e l d e r. Religionsstunden! Wie verschieden ist die Erinnerung an diesen Teil der Schulzeit für jene, die den Zwang der Schule hinter sich haben! Wie wechseln die Werturteile der Eltern über Inhalt und Erfolg, über Wirkungen und Hemmungen, die aus den Religionsstunden den Erziehungszielen des Hauses erwachsen. Vom hohen, oft überschwänglichen Lob bis zur schroffen Ablehnung wechselt die Skala der Bewertung. Dies ist erklärlich; denn die Religionsstunden hüben es nicht mit Wäg- und Schätzbarem zu tun, der Wissensstoff läßt sich wohl erfragen und erprüfen — aber für die Gemüts- und WillenSwerte, die er schafft, gibt es keinen Maßftab. Die ReligionSftunde bietet Erzählungen und Geschichten, hebräische Vokabeln und Formen, Volks- und Kulturgeschichte — aber nicht als Selbst- oder Schulzweck, nicht um formal oder wissenschaftlich zu bilden, nicht um „einen Spaten zum Graben, nicht um eine Krone zum Glanze" dem Zögling auf den Lebensweg mitzugeben. Das ist mehr oder weniger die Aufgabe deö Profanunterrichts. Eine andere Aufgabe ist die des Religionsunterrichts, freilich eine Aufgabe, an der das Elternhaus innigsten, unlösbaren Anteil nimmt, zu der die Schule nur Hilfen gibt: Daß der Mensch Licht und Klarheit gewinne über sich selber, daß er sittlich-religiöse Gedanken zum eigenen Lebensführer mache, daß er bis zum Ende diesen Führern getreu und in allen Dingen folge. Die Religion Israels ist einig mit den Forderungen der Ethik „Heilig sollt ihr sein; denn ich, der Ewige, bin heilig". Da gilt es auf dem Weg zu diesem Hochziel aus Lebensbildern biblischer und jüdisch-geschichtlicher Personen, aus dem Lern- und Leidensweg unseres Volkes, aus dem Fünfbuch, aus Psalmen, Propheten und Gebeten religiöses und sittliches Fühlen, Wollen und Handeln vor Sinn und Herz erstehen und erleben zu lassen. Dankbarkeit und Wahrheitsliebe, Mitleid und Mitfreude, Wohltun und Gerechtigkeit, Demut und Bekennertreue, Frömmigkeit und Gottergebenhert dürfen nicht Wortbegriffe sein und bleiben, sondern sollen als Erlebnis in der Seele Leben gewinnen und Taten reifen lassen. In oen Pflichtenkreis beziehen wir jüdische Tat im Eltern- und Gotteshaus und religiösen Brauch ein und jeder Jude, der diese das Leben durchsonnenden, vom Alter geheiligten Bräuche kenn: und liebt, wird es froh begrüßen, daß auch bisher indifferente Kreise ihnen Heim und Haus öffnen. Bahnbrechen müssen die Religisnsftunden, in denen das Herz des Kindes sich dem Lehrer öffnet, von ihnen aus gewinnen wir die Eltern, vor allem aber ein jnnges Geschlecht für unser Judentum zurück. Das sind die Imponderabilien der Religionsstunden. Wir haben eine erdrückende Fülle von Aufgaben für oie Religionsftunden, deren eS leider so wenige, zu wenige sind. Die Kinder, unsere Buben und Mädel, kommen voll Neugier und Spannung in die Religionsftunde. Erfahrene Geschwister und ältere Freunde haben ihnen schon berichtet von den schönen Geschichten, die ihnen erzählt werden, von ken Versen und Gebeten, die sie sagen und singen werden. Sie haben auch andächtig die märchenhaften Zeichen, die Punkte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.