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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1926-03-17 · 3 (17.3.1926) · p. Seite 69

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
2 (1926)
Issue
3 (17.3.1926)
Article
Jüdischer Jugendverein München
Date
1926-03-17
Page
Seite 69 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 3 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 69 Vereine. Jüdischer Jugendverein München. Die Redaktion der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung hat uns in liebenswürdiger Weise gestattet, auch einmal in ihrem Blatte zu Worte zu kommen. Wir begrüßen dankbar die Gelegenheit, in breitester Öffentlichkeit ein Allgemeines über den I. I. V. M. sagen zu können. Weil wir wissen, daß wir uns an jeden wenden, der fernestehend noch zu seinem und des I. I.- Vereines Nutz und Frommen sich selbst und ihm förderlich sein könnte. Weil wir jedem sich auf sich selbst besinnenden und tieferen Menschen, der Zeit und Ort sucht, mit gleich Erfüllten das schlechthin Vollkommene, die Idee, das Ideale in menschenmöglichem Maße in der Wirklichkeit zu gestalten, weil wir jedem, der falsch berichtet oder in Unkenntnis sich befindet, sagen können, dieses Versuchen, dieses Bestreben faßt der I. I. V. als feine vornehmste Aufgabe auf. Zufammenfasiend das Wollen aller — der Verein ist der vielfache Wille des einzelnen —, will er das Erreichbare erreichen. Und solches Streben und das Wissen darum, daß immer noch ein letztes zu erlangen übrig bleibt, verleiht nicht satte Zufriedenheit häufenden Gewinns, nicht das genügsame Nur-Erfülltsein von dem Ringen nach ihm und seinem Lohn, dem banalen Vergnügen, nicht die stumpfe Gleichgültigkeit des „gealterten" Pessimisten, der erhärtet in der Fron des Kampfes um die Existenz und verschlossen der Frage nach einem höheren Sinn des Lebens, seinen Inhalt darin sieht, in diesem „Jammertal" um Nahrung sorgen zu müssen, angetrieben von „machina", der Göttin der Zeit, „Werte" zu schaffen und von der Furcht, zu verhungern vor dem Ende, das er das endgültige glaubt. Die Erkenntnis des Unvollkommenen aber sieht das Leben als ein Zweckmäßiges, Sinnvolles, sie sieht die Sorge um den Leib nur als das notwendige Mittel, gerecht zu werden der Sorge um den Geist und wandelt das Bewußtsein, wachsen zu können in Wunsch und Pflicht zu wachsen. Solcher Wille ist unbedingt von der Zahl der Jahre, ist Bewegtheit, ist j u n g. Und deshalb ist der Jugendverein lebendiger Gestalter des Begriffes „I u g e n d". Solcher Wille ist kein Neutrum, kein Farbloses, er ist Entschiedenheit im Letzten. Er steht über dem großen und kleinen Kram, der den Alltag beherrscht, über den Fragen des täglichen Lebens, die in ihm zu lösen sind. Ihn kümmert nicht des einzelnen Meinung von Staat und Rasse; als überpersönliches Ganzes, als die Gesamtheit aller in ihm zusammenfließenden Ansichten läßt er sie einzeln gelten, weil er keine von ihnen teilt, keiner von ihnen widerspricht. Und deshalb ist der I. I. V. M. ein neutraler Verein, der Entschiedene und Unentschiedene in sich zusammensassen kann; der ausgelöste Wille bringt mit Wissensvermittlung Erkenntnis und in der Pflege der Kunst Artung und gibt so das beste Rüstzeug dem Entschlossenen, nachzuprüfen die Richtigkeit seiner Entscheidung, dem Unentschlossenen aber, sich zu entscheiden. Bedient er sich zu diesem Zweck der zuvörderst erschließbaren Kulturen, der deutschen und jüdischen, so sieht er für die Lösung seiner letzten Aufgabe, der Leere der Zeit den einzig möglichen Gehalt zu geben: „religio", seinen Stützpunkt allein und natürlicherweise in der Ethik des Judentums. Der Jüdische Jugend-Verein München ist der n e u t r a l e Sammelpunkt aller zur Förderung aller geistigen Interessen, die außerhalb des täglichen Lebens stehen, zur Erörterung der Fragen, die dieses mit sich bringt, fernab vom Streit politischer Mei- Anregung, Erholung von des Tages Arbeit und Zerstreuung sollen die wöchentlich an den Donnerstagen stattfindende Vereinsabende den Mitgliedern und Gästen des Vereines bringen. Demgemäß gliedern sie sich in Belehrung, Unterhaltung und Geselligkeit. Die erste Stunde spricht, jeweils fortfahrend in seinem Vortragszyklus „Die Geschichte des jüdischen Volkes", Herr Rabbiner Dr. Elk. Die folgende Stunde, ausgefüllt von Einzelvorträgen, deklamatorischen oder musikalischen Darbietungen, welch letztere von Herrn Dr. W a l d n e r, der außerdem in regelmäßigen Abständen Einführungen in das Verständnis der Musik mit erläuternden Beispielen gibt, künstlerisch betreut werden, bestreiten die Geselligkeit des letzten Teiles des Abends, der Tee st un de des Jüdischen Jugendvereins. In dem schönen Saale der Gesellschaft Concordia, Prannerstraße 4, welche außer diesem auch ihr Spielzimmer in liebenswürdiger Weise dem Verein für seine Donnerstagabende zur Verfügung gestellt hat, an gedeckten Tischen sitzend, von den Damen des Vereines mit selbstgespendeten Kuchen bewirtet, finden sich die Mitglieder zu angeregter Unterhaltung zusammen, finden besonders ortsfremde Damen und Herren den Ersatz eines gemütlichen Heims, welchem Zwecke auch die „Freitagabend-Feiern" im Restaurant Ceres, Löwengrube, dienen sollen. Donnerstag, 18. März: 81/* Uhr: Die Geschichte des jüdischen Volkes. 7. Vorlesung. Herr Rabbiner Dr. Elk. 9^/2 Uhr: 2. Musikalische Unterhaltung. Leitung Herr Dr. Waldner. Donnerstag, 25. März: 8L/i Uhr: Die Geschichte des jüdischen Volkes. 8. Vorlesung. Herr Rabbiner Dr. Elk. 91/2 Uhr: Einführung in das Verständnis der Musik mit erläuternden Beispielen am Flügel. 2. Teil. Herr Dr. Waldner. NB. Den Vorlesungen über die Geschichte des jüdischen Volkes läßt Herr Rabb. Dr. Elk jeweils eine kurze Wiederholung des bereits behandelten Stoffes vorausgehen. AMTLICHER ANZEIGER Hummer 3 Beilage der Bayrischen Israelitischen Berneindezeitung 17. Marz 1926 Bekanntmachungen des Verbandes Verfassung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden vom 22. Februar 1926. Rat und Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden haben die folgende Verfassung beschlossen, die hiermit bekanntgegeben wird. Verfassung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden nach den Verbandsbeschlüssen vom 22. Februar 1926. Landesverband. Gemeinden. 8 i Die israelitischen Kultusgemeinden Bayerns bilden als Träger der israelitischen Religionsgesellschast in Bayern einen Verband mit der Rechtsstellung einer Körperschaft des öffentlichen Rechts (Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden). Der Beitritt zum Verband steht jeder bayerischen israelitischen Gemeinde offen. Mitglied des Verbandes kann auch eine Vereinigung von Gemeinden fein (Zweckverband, Vezirksverband), wenn ihr das Recht einer öffentlichen Körperschaft zukommt. Der Verband hat seinen Sitz in München. Zuständigkeit. 8 2 Der Verband hat die Aufgabe, unter Wahrung der Selbstbestimmung der Gemeinden, die bayerischen Juden zur Pflege ihrer religiösen Interessen zusammenzufassen. Er vertritt die Gemeinden nach außen gegenüber Staat und Öffentlichkeit. Ihm liegt insbesondere 1. die Förderung allgemeiner religiöser und religiös-sozialer Angelegenheiten, namentlich der herkömmlichen religiösen Einrichtungen der Kultusgemeinden, 2. die Bereitstellung von Mitteln für nicht genügend leistungsfähige Verbandsgemeinden,

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