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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1926-03-17 · 3 (17.3.1926) · p. Seite 68

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
2 (1926)
Issue
3 (17.3.1926)
Article
Das städtische Jugendamt München
Date
1926-03-17
Page
Seite 68 (sequence 2)
Language
German
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68 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 3 daß so unendlich viel gerade aus diesen Kreisen zur Erleichterung gemeindlicher Arbeit und der Bürgerschaft, unseren Kindern und unseren Armen zur Wohltat geschah und geschieht, und daß das nicht jetzt unter den Tisch fallen, auch nicht durch Hetzworte überschrien werden darf. Entschuldigen Sie, aber ich kann nicht anders, ich muß es einmal deuüich sagen! Es gibt eine Dankbarkeit in der Welt, und wenn Sie als Männer sie nicht aufrechterhalten, werden wir Frauen sie aufrechterhalten: wir wissen auch Leute, die sie mit uns aufrechterhalten! (Beifall.) Unsere soziale Arbeit will keinen Dank und doch hat es uns tief berührt, daß eine vornehme, edle Frau für Wahrheit und Billigkeit mit offenen Worten eingetreten ist. Gedenkfeier für die alte Synagoge. Am Vorabend des Peffachfestes 5585 (26. April 1826), also vor nunmehr 100 Jahren, wurde die ehemalige Synagoge an der Westenriederstraße, das Gotteshaus der damals erst wenige Jahre bestehenden Münchener KultuSgeweinde, eingeweiht. Dieser Tag wird in der nächsten Nummer unserer Zeitung eingehend gewürdigt werden. Des Jubiläums wird am 1. Peffachtage in der Synagoge gedacht. Die Predigt wird auf dies geschichtliche Ereignis eingehen; der Synagogenchor trägt als Predigtlied den Psalm 24 in der Komposition des damaligen Hofkapellmeisters Stunz vor, der bei der Eröffnungsfeier der Synagoge gesungen wurde. Ende April wird unter Mitwirkung des Jüdischen Gesangvereins in der Synagoge eine Feier veranstaltet werden, über die in der nächsten Nummer dieser Zeitung berichtet werden soll. Dr. Elk. Herr Rabbiner Dr. Elk, der es in der kurzen Zeit seines Hierseins verstanden hat, sich allgemeine Sympathien zu erwerben, wird leider München in nächster Zeit verlassen, um einem Ruse nach Stettin Folge zu leisten. Dr. Elk hat neben seiner amtlichen Tätigkeit insbesondere auch auf dem Gebiete der gemeindlichen Lehrkurse und in der Jugendbewegung fruchtbare Arbeit geleistet. Den Lesern der Zeitung ist er durch eine Reihe trefflicher Aufsätze bekannt. Wir wünschen Dr. Elk allen Erfolg für sein neues Tätigkeitsfeld. Lehrkurse der Kultusgemeinde. Im Laufe des Monats März finden noch folgende Vorträge statt: Dr. Raphael Levi: Die Ethik des Thalmud. Samstag, den 20. März: Die Willensfreiheit. Dr. Max Elk: Das Leben nach dem Tode als religiöses und philosophisches Problem. Mittwoch, den 17. März: Das Leben nach dem Tode nach Talmud und Midrasch. Mittwoch, den 24. März: Gibt es eine philosophische Begründung des Unsterblichkeitsglaubens? Die Vorträge finden im Bibliotheksaal der Gemeinde statt; Beginn 8.15 Uhr abends; Kartenpreis für jeden Zyklus 2 Mark. Vortrag E. Toeplih. Dienstag, den 23. Februar 1926, abends 8 Uhr, hielt Herr Direktor E. Toeplitz vom Museum jüdischer Aüertümer in Frankfurt im Bibliotheksaal der Israelitischen Kultusgemeinde einen Vortrag über „Das religiöse Leben der Juden und die Kunst". Der trotz der besonderen Ungunst der Zeitverhöltnisse zahlreich besuchte Vortrag bot einen guten Einblick in die jüdische Architektur BAER & AUERBACH BANKGESCHÄFT MÄXIMILIÄNSPLÄTZ18 Ausführung aller Börsen-Aufträge / Kontokorrent-Kredite Beratung und Interessenvertretung in allen Äufwertungsfragen und Kunst, der von überaus eindrucksvollen Bildern aus dem Material der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler unterstützt war. Der Vortragende hat es verstanden, das Interesse an den Altertümern zu wecken und zu beleben. An die Alütter! Einem in den dürftigsten Verhältnissen lebenden Mann, Vater vieler Kinder, wurde für seine älteste Tochter in einem guten Heim ein Platz angeboten — kostenlos mit vollständiger Verpflegung — zur Erlernung des Haushalts. Aber der Mann schüttelte zweifelnd den Kopf: er wäre, wenn auch jetzt verarmt, aus einer feinen Familie, und dann — seine Tochter: sie werde rote Hände bekommen.... Dieser Ungebildete wußte nicht, daß wir längst wieder zur Einfachheit zurückgefunden haben, und daß damit die Erkenntnis von Neuem Allgemeingut wurde, die Erkenntnis von der Gleichwertigkeit der Händearbeit mit der Kopfarbeit, und daß wir ohne die erstere unfähig sind zum Wettkampf und unterliegen, so gut wie ohne die letztere. Der Mann wußte nicht, daß es in dieser Zeit gerade die besten sind, die ihre Kinder in diesem Sinn zu beeinflussen suchen. Denn es ist gerade die Arbeitsamkeit — geistige wie körperliche Arbeitsamkeit (die sich natürlich in der Hausarbeit ebensowenig trennen lassen, wie in sonst einer Arbeit), die die wahrhaft reine Familie ausmacht und deren Adel sie wiederum zur Vorbildlichkeit verpflichtet. Und so ist es den in der sozialen Arbeit stehenden Frauen eine Freude zu beobachten, daß sich überall die Erkenntnis Bahn bricht von der Unentbehrlichkeit der guten, durchgebildeten Hausfrau, von der Unentbehrlichkeit des hauswirtschaftlich durch- und vorgebildeten Personals — daran es besonders in allen Anstaltsbetrieben mangelt — und der hauswirtschaftlich ausgebildeten Lehrkräfte, und daß man ihrer aller bedarf aus privatwirtschaftlichen wie aus volkswirtschaftlichen Gründen. Nun gab es bis jetzt nur eine einzige, staatlich konzessionierte jüdische Haushaltungsschule. Diese kann jedoch längst nicht mehr so viele Schülerinnen aufnehmen, als sich bei ihr melden. So kommt der jüdische Frauenbund diesem in der Luft liegenden Bedürfnis entgegen, indem seine Münchener Ortsgruppe — gemeinsam mit dem Verein Kinderheim, Wolfratshausen — am 1. Mai eine Haushaltungsschule eröffnet, und zwar die erste Haushaltungsschule auf dem Lande, klimatisch und landschaftlich im Gebirge vorzüglich gelegen, in Wolfratshausen bei München. Dort ist Gelegenheit zu erlernen: A. 3m praktischen Unterricht: 1. Kochen, Backen, Einmachen, Krankenkost. 2. Waschen und Bügeln. 3. Hausarbeit. 4. Handarbeit: Herstellen und Jnstandhalten der Wäsche, Anfertigung einfacher Kleider. 5. Gartenbau: Blumen- und Gemüsezucht. 6. Geflügelzucht. 7. Molkerei: Verwertung der Milch. B. Im theoretischen Unterricht: 1. Nahrungsmittellehre. 2. Naturkunde, soweit sie den Haushalt betrifft. 3. Häusliche Buchführung. 4. Gartenbaulehre und häusliche Botanik. 5. Gesundheitslehre, Säuglingspflege, Verbandskurs. 6. Grundzüge der Volkswirtschaft und Vürgerkunde, Sozialversicherungswesen. 7. Erziehungslehre. 8. Religiöse Unterweisung. Und somit wenden wir uns an die Mütter im ganzen Reich: Schickt uns Euere Töchter zu deren eigenem Besten, zum Besten der jüdischen Gemeinschaft. Clementine Krämer. Alle Anfragen zu richten an Frau Anna Auerbach, München, Mozarfftraße 18. (Siehe auch die Annonce im Anzeigenteil dieses Blattes.) Druckfehlerberichtigung. In dem Artikel „Hundert Jahre Wissenschaft vom Judentum" in Nummer 2 muß es Spalte 33b, Zeile 12, statt „das ganze Land" heißen „das ganze Leben".

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