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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1926-03-17 · 3 (17.3.1926) · p. Seite 67

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
2 (1926)
Issue
3 (17.3.1926)
Article
Koburg [Nachricht]
Date
1926-03-17
Page
Seite 67 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Nr. 3 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 67 koburg. Am 28. Februar (Purim) feierte der frühere Prediger der hiesigen Gemeinde, Herr Simon Oppenheim und seine Frau Rosa, geb. Rosenthal, das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Nachdem am vorhergehenden Sonntag der Frauenverein zu Ehren des Jubelpaares ein wundervolles Kinderfest arrangiert hatte, gestaltete sich der Jubeltag selbst zu einer allgemein großen Ehrung, an der sich die ganze Gemeinde beteiligte. Alle Organisationen brachten Glückwünsche und Geschenke. Herr Prediger a. D. Oppenheim war vom Jahre 1873 bis 1914 in der Gemeinde tätig und erfreute sich weit über die Grenzen hinaus großer Sympathien. Er war der Gründer der Gemeinde, die er aus kleinen Anfängen herausführte und leitete. Die Gemeinde zählte damals etwa 20 Familien. Heute sind es über Hundert. Das Ehepaar Oppenheim kann auf ein erfolgreiches Leben mit Genugtuung zurückblicken. Themar. Am 16. März feiert der Senior des jüdischen Lehrervereins für Bayern, Herr Lehrer a. D. Mayer mit seiner Ehefrau Karoline, geb. Eisenfresser, das Fest der diamantnen Hochzeit. Herr Mayer vollendet im April sein 86. Lebensjahr, seine Ehefrau war im Januar 79 Jahre alt. Der verdienstvolle Lehrer wirkte in den Gemeinden Oberthulba, Giebelstadt und 47 Jahre in Sckneittach. Sieben Söhne, drei Töchter und viele Enkelkinder, zahlreiche Verwandte, Freunde und Bekannte rüsten sich, den 16. März zu einem Ehrentag für das hochgeachtete Greisenpaar zu gestalten. Bad kissingen. Der unter Leitung des Distriktsrabbiners Dr. Bamberger stehende Verein „Israelitisches Kurhospiz" eröffnet am 3. Mai d. I., einstweilen in kleinem Maßstabe, in gemieteten Räumen des H o t e l A d l e r , hierselbst, ein Hospiz für Kurbedürftige. Die Insassen erhalten gegen einen geringen Ersatz der Verpflegungskosten Logis und volle Verpflegung. Die vom Vereine geleisteten Barunterstützungen kommen von jetzt an in Wegfall. Ein Hauskauf oder Neubau soll erst nach vollständiger Bereitstellung der erforderlichen Mittel erfolgen. Die Eröffnung des fo notwendigen Hospizes sollte jedoch nicht länger verschoben werden. Die Mittel zum Hauskauf bzw. Neubau sollen durch Ausgabe von zinslosen Darlehensscheinen zu 25 Mark erlangt werden. Gemeinden und Vereine und Privatleute haben bereits durch Abnahme von Scheinen für Begründung des Baufonds beigetragen, und es ist zu hoffen, daß die übrigen Gemeinden, Logen, Wohltäter ebenfalls das edle Werk, das ganz Deutschland interessieren dürfte, fördern. Marktbreil. Am Sonntag, dem 7. März, feierte der Lehrer a. D. Leopold Adler (Marktbreit) mit seiner Gattin in voller Rüstigkeit das Fest der Goldenen Hochzeit. Lehrer Adler war viele Jahre Lehrer an der privaten Realschule Marktbreit. 5tus der Semeinde. Das Städtische Jugendamt München. In der Sitzung des Stadtrats vom 2. März 1926 wurde vom Organisationsausschuß in Übereinstimmung mit den Spitzenverbänden der freien Wohlfahrtspflege für das Jugendamt ein Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde als Mitglied mit beratender Stimme vorgeschlagen. Gegen diesen Antrag wendete sich der nationalsozialistische Stadtrat Fiehler, der beantragte, es möge an Stelle des Vertreters der israelitischen Kultusgemeinde ein weiteres Mitglied der Lehrerschaft berufen werden. Er brachte vor, daß ziffernmäßig nach der Bevölkerungszahl den Juden ein Sitz nicht zustehe und daß feine Freunde der jüdischen Bevölkerung durchaus jedes Recht absprächen, in Fragen der deutschen Jugenderziehung teilzunehmen. Er suchte diese Erklärung durch eine angebliche Äußerung eines Rechtsanwaltes in Nürnberg zu stützen und bemerkte, eine Rasse, die derartige sittliche und religiöse Anschauungen habe, wie die Juden, könne nicht berechtigt sein, in Jugenderziehungsfragen des deutschen Volkes mitzureden. Stadtrat Schilling erklärte, daß die von Fiehler ausgesprochene Beleidigung der gesamten deutschen Juden zurückgewiesen werden müsse. (Stadtrat Fiehler: „Es gibt keine deutschen Juden, wie es keine deutschen Neger gibt." — Erregte Zwischenrufe.) Frau Stadtrat Schuttes begrüßte den Vorschlag, der Israelitischen Kultusgemeinde auf Grund ihrer bisherigen Tätigkeit auf dem Gebiete der Jugendfürsorge eine beratende Stimme zuzugestehen. In eindrucksvoller Weife setzte sich alsdann Frau Stadtrat Kießelbach mit dem nationalsozialistischen Vertreter auseinander: „Zu den Ausführungen des Herrn Kollegen Fiehler bin ich leider genötigt, einige Worte zu sagen. Ich kann mich nicht mit dem begnügen, daß Fräulein Schuttes anerkennt, daß die Israelische Kultusgemeinde etwas geleistet hat. Ich möchte gerade hier in unserem Gremium einmal daran erinnern, was alles aus jüdischen Kreisen zur Unterstützung der früheren Kriegswohlfahrtspflege und des Armenrates feit vielen Jahrzehnten geschehen ist. (Zuruf Les St.-R. Fiehler: Hier handelt es sich um Jugenderziehung.) Nein, es handelt sich in erster Linie um die Jugendfürsorge. (Zuruf: Und um das Geld hergeben.) Es handelt sich um beides. (Bürgermeister Dr. Küsner: Einen Moment.) Ich möchte fragen, was in ihren Kreisen geschieht für unsere Kinder? (Zuruf: Wir haben kein Iudengeld!) (St.-R. Wimmer: Sie verhetzen die jungen Burschen, weiter nichts) und ohne irgendeinen Anspruch auf Dank; das muß ich hinzusetzen; daß es Juden gibt, die heute trotz dieser Verhetzung noch ihre Hand und ihr Herz offen halten für deutsche Kinder, das ist ein Wunder, kann man sagen. Ich kann nur aus meiner langen, zwanzigjährigen Mitarbeit in der Wohlfahrtspflege wie aus meiner Tätigkeit im Stadtrat und im Armenrat, in dem ich seit 1913 tätig war, bezeugen. * Hausers Hotel „DER REICHSAD Neu für München! LER“ MÜNCHEN * in unserem Konzert-Cafe spielt täglich nachmittags und abends das Original GiMemonti-Orcbester erstmalig in Deutschland. Die größte Attraktion der Gegenwart! * ___ * 3^9150

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