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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1926-02-08 · 2 (8.2.1926) · p. Seite 41

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
2 (1926)
Issue
2 (8.2.1926)
Article
Lehrstellen
Date
1926-02-08
Page
Seite 41 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 2 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 41 Aus der Semeinde. Lehrstellen. Die Israelitische Jugendhilfe München bittet im Namen ihrer Schützlinge, die zu Ostern die Schule verlassen, dringend um Meldung von Lehrstellen. Meldung bei der Jugendfürsorgerin, Fräulein Katzenstein, im Büro, Herzog-Max-Straße 7/0. Telephon 53 401. Das neue Heim der Israelitischen Iugendhilse e. V. In München besteht seit Jahren ein jüdisches Kinderheim für gefährdete, außereheliche und verwaiste Kinder. Eine wirkliche Heimstätte finden die Kinder dort, eine Erziehung, die in den letzten Jahren schon aus vielen gefährlichen Kindern brauchbare Menschen gemacht und ihnen den harten Lebensweg geebnet hat. Die Räume, in denen das Heim sich bisher befand, entsprechen, wie das jeder weiß, der einmal das Haus in der Baderstraße gesehen hat, weder in hygienischer Beziehung noch in bezug auf die Größe und Lage den bescheidensten Anforderungen: So war die Frage: Das Heim, das seit Jahren so segensreich wirkte, zugrunde gehen lassen oder trotz der schweren Zeit, trotz fast unüberwindlicher Schwierigkeiten ein neues Haus suchen? Der Verein Israelitische Jugendhilfe e. V. hat, gefördert von der Israelitischen Kultusgemeinde München, den schweren Entschluß gefaßt, das alte Heim zu verlassen. Durch einen günstigen Zufall ist es gelungen, ein schönes geräumiges Haus mit großem Garten — Antonienstraße 7 — zu erwerben. Es soll bis Ende März eröffnet werden. 40 Knaben und Mädchen, Kinder aus ganz Bayern, sollen dort Aufnahme finden. . In dem neuen Haus wird die Möglichkeit gegeben sein, auch das dringende Bedürfnis zu befriedigen, ein Heim für Schulentlassene anzugliedern. Der Ausbau des Heimes, gerade für dieses in der Großstadt besonders gefährdete Alter, hat sich immer als eine vordringliche soziale Pflicht erwiesen. Besonders sollen auch Lehrjungen und Lehrmädchen, die vom Lande in die Großstadt kommen, hier vor den ihnen drohenden Gefahren bewahrt werden. So ergeht denn an alle, die ein Herz für Kinder und soziales Verständnis für die Bedürfnisse unserer Zeit haben, die dringende Bitte, dieses Werk nach Kräften zu fördern. Es wird herzlich gebeten, den Aufruf im Inseratenteil zu beachten! Heilpädagogik. In München hat eine Gemeinschaft für heilpädagogische Arbeit ihre Tätigkeit in einer Beratungsstelle, Herzog-Wilhelm-Straße 17, ausgenommen. Sie will in Ausführung der Grundgedanken der heilpädagogischen Kongresse den psychisch abnormen, psychisch kranken, erziehungs-, Unterrichts- und sozialschwierigen Kindern und Jugendlichen die Zusammenarbeit von Psychiater, Kinderarzt, Psychologe und Hilfsschullehrer zukommen lassen. Die Beratung kann von Eltern, Lehrern, Behörden und privaten Verbänden unentgeltlich in Anspruch genommen werden. An der Arbeitsgemeinschaft sind beteiligt: Dr. med. et phil. Cliasberg, Nervenarzt; Anton Ettmayr, Hauptlehrer; Dr. med. Erich Feuchtwanger, Nervenarzt; Fink, Studienrat an der Hilfsfortbildungsschule; Dr. phil. Gräfin Kuenberg, Psychologin; Geh. Sanitätsrat Dr. med. Oppenheimer, Kinderarzt; Alois Schubeck, Oberlehrer: Joh. Schwendner, Oberlehrer; sämtliche in München. Israelitisches Schwesternheim E. V. Am 16. Dezember 1925 fand die Feier des 25jährigen Bestehens des Israelitischen Schwesternheims statt. Nach einleitenden Worten des Justizrats Leo Oppenheimer und einem Musikstück wurden die Lichter entzündet, und feierlich erklang mit Musikbegleitung das Moos zur jefchuosi. Sanitätsrat Dr. Sielmann schilderte in längerer Ansprache die Geschichte des Schwesternheims, das aus kleinem Anfangs sich zu einem bei allen Konfessionen beliebten, segensreichen Einrichtung ausbildete, besonders seit es (seit 1909) mit dem Israelitischen Krankenheim in Zusammenhang kam. Er gedachte der dahingeschiedenen Förderer des Unternehmens und besonders des Umstandes, daß die Schwestern auch im Kriege im Innen- und Außendienste an der Front tüchtiges geleistet. Der verdienstvollen Leiterin und Vorsteherin des Heims, Oberin Fr. Melitta Feuchtwang gedachte er besonders. Anschließend hielt Rabbiner Dr. Baerwald die Feierrede über die Bedeutung des Lichtsymbols. Nach einem weiteren Musikstück widmeten O.-L.-Gerichtsrat Dr. Neumeyer für die Kultusgemeinde, Dr. Weißbart für die München-Loge, die Gründerin des Heims, Herr Basch für das Krankenheim, dem Heime Glückwünsche und Geschenke. Ein Gesangsvortrag des Herrn Rechtsanwalts Forchheimer und weitere mit frischem Humor durchgeführte Musikstücke (Walzer und Marsch) umrahmten noch weitere Ansprachen des Sanitätsrats Dr. Baron für die verheirateten Schwestern und der Frau Geheimrat Oppenheimer, die den Mitwirkenden den Dank der Schwestern aussprach. Allen Reden entnahm man die Anerkennung der Tätigkeit der Schwestern und ihrer Führung und den Wunsch dieses segensreiche Institut weiter blühen zu sehen, vielleicht einmal, wie Dr. Sielmann schloß, als Teil eines Israelitischen Krankenhauses in München. Wohltätigkeit. Es naht die Zeit, in der die Mitgiiederbeiträge für unsere Wohltätigkeitsvereine erhoben werden. Die Vereine sind wesentlich hierauf angewiesen, weil die Zeit wirtschaftlicher Not, in der wir leben, dem Einzelnen es vielfach unmöglich machen, wie früher, reichliche Spenden den Vereinen zu geben; die Anforderungen, die der eigene Lebensbedarf stellt, sind ohnehin schon sehr große. Trotzdem könnte noch viel Geld aufgebracht werden, wenn es richtig in dem Momente erfaßt würde, in welchem es entbehrlich. So wäre z. B. Selbstbesteuerung bei Vornahme von Reisen, namentlich Luxusreifen, zugunsten Kranker, die sich die Reisen nicht leisten können, eine edle Handlung. Einige Zurückhaltung bei Ausgaben auf solchen Reisen ist ja leicht möglich und die Ausgaben dann ausgeglichen. Entbehrlich ist das Geld aber namentlich, wenn es beim Spiele um Geld verloren ist; der Verlierer hat es nicht mehr und der Gewinner dieses Geldes hätte ja eigentlich kein Recht darauf (8 762 BGB.), braucht es allerdings nach Zahlung nicht mehr zurückzugeben. Wie wäre es, wenn gerade hier beim Spiele dauernd die obenerwähnte Selbstbesteuerung für unsere Krankenfürsorge statt- Nicht immer aller Gewinn, aber mindestens eine Quote sei für unsere Kranken an die einschlägige Stelle abgeführt! Dann kann viel mehr geholfen werden und ist zu einer Zeit gegeben, in der die Gabe von niemanden als Vermögensminderung empfunden werden kann. Bei unseren Freudefesten ist eine ähnliche Anregung schon oft von anderen Seiten gegeben worden, als Dauereinrichtung vielleicht noch nicht! Und so sei sie gegeben. Rechtsanwalt Justizrat Leo Oppenheimer. Die Münchener Israelitischen Wohltätigkeiksvereine werden auch in diesem Jahre die Jahresbeiträge gemeinsam einkassieren. Die Sozialbeamtin, Frau Lina Weil-Eckstein, wird die Gemeindemitglieder nach vorheriger Anmeldung besuchen und soweit es nötig ist, über die verschiedenen Zwecke unterrichten. Selbstverständlich sind in den regelmäßigen Jahresbeiträgen keinerlei Extrazuwendungen inbegriffen, und es ist zu erhoffen, daß die Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde bei allen Veranlassungen durch liebreiche Spenden der Hilfsbedürftigen gedenken.

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