Mannheim
Compact Memory

Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1926-02-08 · 2 (8.2.1926) · p. Seite 39

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
2 (1926)
Issue
2 (8.2.1926)
Article
Bericht über die Sitzung des Kuratoriums der israelitischen Gartenbauschule zu Ahlem
Date
1926-02-08
Page
Seite 39 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2727810-2727823-2727825-2729379--00754-2729461
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 2 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 39 in 3 Klassen erteilt. Der Unterricht der schulpflichtigen Kinder erfolgt in 2 Klassen, der Handfertigkeits- und der Schulgartenbau- Unterricht wurde wie in der Vorkriegszeit im vollen Umfange wieder ausgenommen. Auf Wunsch des Vorstandes gab der Leiter der Anstalt, Herr Direktor Silberberg, eingehende Erläuterungen. Sehr viel Interesse erregten die Ausführungen über die Lage der Ehemaligen im In- und Auslande und über die Zukunftsmöglichkeiten der ausgebildeten Schüler. Daraufhin verbeitete sich der Direktor über die augenblickliche finanzielle Lage und richtete an die Mitglieder der Versammlung einen warmen Appell zwecks Herbeischaffung der Mittel für die Sicherung und Ausgestaltung der in ihrer Art in Deutschland einzigen Ahlemer Anstalt und ihren Bestrebungen. Nach Genehmigung der Rechnung, die mit einem Defizit von etwa 17 000 Mark abschlieht und des Voranschlages für das Jahr 1926 fanden die Wahlen statt. Es wurden neu gewählt: die Herren G ü l d e n st e i n, München,; Dr. Ernst Oppenheimer, Essen; Bankier Albert Heß, Cassel; Sanitätsrat Dr. Frankenstein, Magdeburg; Fabrikant Wilh. Matzdorf, Stadtoldendorf; Großkaufmann Dr. Munter, Hannover; Bankier Julius Blank, Hannover; Bankier Moritz Goldschmidt, Hannover und Rechtsanwalt Paul Salinger, Dresden. Vertreter unserer Anstalt ■ für den Bezirk München ist unser Kurator, Herr A. Güldenstem. Heim für studierende und in der Berufsausbildung sich befindliche Mädchen, Berlin, Auguststr. 14/15. Gemütlich eingerichtetes Heim mit 10 Plätzen, Preis Mark 75.— monatlich für Doppelzimmer mit voller Pension. Anmeldungen sind zu richten an die Vorsitzende der Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes Berlin, Frau Bertha Falbenberg, Lottumstr. 22. ttus dem Verbände. Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Am 21. und 22. Februar 1926 findet die Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden zu Augsburg statt. Wir verweisen auf die im Amtlichen Anzeiger erschienene Einladung mit Tagesordnung. Distriksrabbiner Dr. Seligmann Meyer, Regensburg 1833—1925 Am 31. Dezember 1925 ist der Rabbiner der Gemeinde und des Distriktes Regensburg im Alter von über 72 Jahren zur ewigen Ruhe eingegangen. Am 12. 10. 1853 zu Reichelsheim im Odenwald geboren, war Dr. Meyer im jugendlichen Alter in Wiesbaden, Wetzlar und Berlin als Religionslehrer tätig. 14 Jahre hat er sodann in Regensburg zu Ehren des Judentums und seiner Lehre im öffentlichen Leben, in der Schule und in der Synagoge mit ganzer Kraft und mit blühender Begeisterung für die Ideale unserer heiligen Religion gewirkt. Auch literarisch betätigte er sich fast bis zu seinem letzten Lebenstage sim die Verteidigung des Judentums und die Aufrechterhaltung seiner Lehre. Neben einer größeren Anzahl von in Buchform erschienenen Veröffentlichungen redigierte er über 50 Jahre jüdische Zeitungen, in der Hauptsache von 1884 bis 1925 die von ihm gegründete „Laubhütte" und die „Deutsche Israelitische Zeitung". Der Tod Dr. Meyers löste bei allen, die ihn gekannt, tiefe Wehmut und schmerzlichste Bewegung aus, so daß sein Begräbnis zu einer überwältigenden Trauerkundgebung wurde. Die Leitung der religiösen Trauerfeierlichkeiten hatte der Nachbarkollege und Freund des Verstorbenen, Distriktsrabbiner Dr. Weinberg (Neumarkt, Oberpf.), übernommen. Am Sonntag, dem 3. Januar, vormittags fand die Überführung der Leiche nach der Synagoge statt, wo den Verewigten feine Gemeinde, die aus dem Rabbinatsbezirke herbeigeeilten Gemeindemitglieder und viele andere Leidtragenden erwarteten. Auch Vertreter der Geistlichkeit und der Behörden, unter ihnen der Regierungspräsident der Oberpfalz, Exzellenz von W i n t e r st e i n , der Oberbürgermeister der Stadt Regensburg, Dr. Hipp, Hofmarschall Baron von T euch e r t, in Vertretung des Fürsten Thurn und Taxis, waren zahlreich erschienen. Herr Rabbiner Dr. Weinberg legte seiner Trauerrede das Wort des sterbenden Königs David an seinen Sohn „Sei stark und werde ein Mann!" zugrunde, er schilderte den Werdegang und die Verdienste des Heimgegangenen Führers für feine Gemeinde und für das ganze deutsche Judentum und nahm von dem treuen Freunde mit herzlichen Worten Abschied. Er sprach auch als Vertreter des Hildesheimerschen Rabbinerseminars in Berlin, dessen Schüler der Verewigte gewesen. Distriktsrabbiner Dr. S a l o m o n (Bayreuth) pries den dahingeschiedenen Rabbiner als Diener Gottes, der eingetreten sei fiir das Gesetz, für Israel und für die Richter. Nach weihevollen Gesängen verließen die Andächtigen das Gotteshaus, das unter Dr. Meyers Amtsperiode erbaut war. Nachmittags folgte die Gemeinde ihrem Führer zur letzten Ruhestätte. Der Friedhof bot nicht den Raum, alle Leidtragenden zu fassen. Auf dem alten Teile des israelitischen Friedhofs zu Regensburg wurde Dr. Meyer zur letzten Ruhe gebettet, dort, zu Häupten aller dahingeschiedenen Gemeindemitglieder, in deren Mitte er in 44jähriger Amtstätigkeit das Wort Gottes verkündete und die er selbst zur ewigen Ruhe geleitet hat. Am Grabe sprach der Vorstand der Gemeinde, Rechtsanwalt Dr. Ö t t i n g e r, Worte der Anerkennung und des Dankes für das unvergeßliche Wirken des Dahingeschiedenen. Nach ihm sprach in längerer Rede für die Stadt Regensburg Oberbürgermeister Dr. Hipp. In warmer persönlicher Anteilnahme und tiefer Bewegung zollte er dem verewigten Distriktsrabbiner, den er als einen „wahrhaft edlen, vornehmen Mann" bezeichnete, erhebende Worte des Dankes und der Verehrung dafür, daß er so nachdrücklich allezeit für den Glauben an einen persönlichen Gott, an eine göttliche Vorsehung und ewige Gerechtigkeit eingetreten sei und daß er seine Gemeinde zum Frieden, zur Liebe und zum Wohltun geleitet habe. Der Herr Oberbürgermeister hob hervor, in welch überaus eifriger und wirkungsvoller Weise sich Dr. Meyer stets den Behörden gegenüber um die Anliegen seiner Glaubensgenossen angenommen habe. Wenn er mit Bitten und Wünschen gekommen sei, wenn er um Hilfe oder Entgegenkommen der Behörden nachgesucht habe, so sei dies immer in einer derartigen Form geschehen, daß man ihm einfach nichts habe abschlagen können, daß jeder, der selbst ein fühlendes Herz in der Brust trage, seinen aus sorgender Liebe entspringenden Bitten habe nachgeben müssen, schon weil niemand diesen ehrwürdigen Greis durch eine Abweisung habe kränken wollen. Im eigenen Namen und im Namen Tausender christlicher Mitbürger, die über den Tod Dr. Meyers trauerten, rufe er ihm den Wunsch ins Grab hinab: „Er möge ruhen im Frieden des Herrn, dem er so treu gedient, im Frieden des ewigen Gottes, der unser aller Vater ist." Rabbiner Dr. B a e r w a l d (München) würdigte die Verdienste Dr. Meyers als langjährigen Vorsitzenden der „Bayerischen Rabbinerkonferenz" und um den Bayerischen Israelischen Gemeindebund und pries an ihm den Aufschwung einer in Gott gesammelten Seele, einer religiösen Gelehrsamkeit, die ihn zu einem lernenden Lehrer gemacht habe Zeit seines Lebens. Mit dieser habe sich eine Weisheit verbunden, die aus dem Herzen kam und Ver- Verwende! die Telegramm-Ablösungstormulare des Isr. Frauenvereins von 1830 Erhältlich Herzog-Max-Straße~5/i, Rückgeb.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.